Miriam Pielhau: "Wer vergibt, kann Schmerz und Ballast loslassen"

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Die Moderatorin Miriam Pielhau hat mit "Radiergummitage" ein wunderbares Buch über das Leben, die Liebe und solche Tage geschrieben, die man nachher am liebsten ausradieren würde.
Foto: Felix Rachor

Wie kann ich als Frau um die 40 mein Leben gut leben?

Spannende Missionen statt Midlife-Crisis: Im Roman "Radiergummitage" lässt Miriam Pielhau die Schauspielerin Maja schwierige Lebensaufgaben meistern.

Miriam Pielhau ist eine warmherzige und verletzliche Frau, eine die sich viele Gedanken um das Leben macht und darum, wie man dieses Leben gut und friedlich führen kann. Wie kann ich als Frau mein Leben am besten meistern?

Aus dieser Frage hat sie ein ganzes Buch gemacht: Radiergummitage. Darin hadert die Schauspielerin Maja mit ihrem 35. Geburtstag und beschließt, dem düsteren Alter - "Jetzt ist schon so viel Leben vorbei..." mit außergewöhnlichen Missionen zu begegnen. Jeden Monat stellt sie sich selbst eine neue Aufgabe, zum Beispiel eine Frau küssen, als Mann ausgehen oder - am schwierigsten - jemandem vergeben.

6 Fragen: Miriam Pielhau im Interview

Mirca Waldhecker für Wunderweib.de: Liebe Miriam Pielhau, Majas Missionen haben Sie alle auch selbst erlebt – wie kam es dazu?

Miriam Pielhau: Die Idee zum Roman kam mir ein dreiviertel Jahr vor meinem 35. Geburtstag . Dieses Innehalten wollen. Zurückblicken. Gegenwart verstehen. Visionen für die Zukunft machen. Ja. Das eint mich mit meiner Protagonistin. Die Sache mit den Missionen war unspektakulärer: ich dachte schlicht - um es möglichst glaubhaft beschreiben zu können, muss ich da selbst durch....

Welche Mission war für Sie die schwierigste?

Miriam Pielhau: Die als Mann auszugehen. Habe ich mir lustig und einfach vorgestellt. War tatsächlich aber fast ein Ding der Unmöglichkeit. Das Bewegen, Auftreten, Wirken, Kommunizieren oder gar Denken wie ein Mann? Für mich bis heute ein böhmisches Dorf.

 

Mein liebster Freund #TimKickbusch fotografiert "nebenbei"... allerdings, wie ich finde, so fantastisch, dass er...

Posted by Miriam Pielhau on Friday, 27 November 2015

Welche Mission hat Sie am meisten verändert?

Miriam Pielhau: Das Vergeben. Ist mir als gläubigem Menschen nicht fremd gewesen. Aber ich habe in der Auseinandersetzung damit noch einmal eine neue Form und einen neuen Effekt beim Vergeben kennengelernt. Es ist eben nicht immer die vermeintlich großmutige Tat einem "armen Fehltretenden" gegenüber. Nein, nein. In dem man vergibt - auch sich selbst, nicht nur anderen - nimmt man sich enorm viel Last aus dem Gemüt. Es befreit. Und ist letztlich nichts anderes, als die religiöse Form des Loslassens. Der Vergangenheit, des Schmerzes, des Ballasts.

Sollte jede Frau mal eine Frau geküsst haben?

Miriam Pielhau: Ganz ehrlich? Ich sage: JA.

Und sollte sich jede Frau einmal solche Missionen vornehmen?

Miriam Pielhau: Es ist aufregend. Es bringt an Grenzen. Aber es macht auch wahnsinnig viel Spaß. Also bevor wir Frauen midlife-crisis-ähnlich dummes Zeug machen: lieber coole Missionen.

Gibt es in Ihrem Leben viele Radiergummitage?

Miriam Pielhau: In der Summe: nein. Aber es gibt sie. Immer wieder. Mal große, mal kleine. Manchmal reicht ein misslungener Moment, um mir als Radiergummitag-Gedanke bis zum Abend um die Beine zu schlackern. Und dann wird nachgedacht. Nach Verbesserung geforscht. Gegebenenfalls eine Entschuldigung ausgesprochen ... und dann vergeben. Sich selbst.

Der Roman " Radiergummitage " ist im Dumont Buchverlag erschienen.

Miriam Pielhau hat den Roman Radiergummitage geschrieben.
 

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Nachtrag

Miriam Pielhau ist am 16. Juli 2016 verstorben. Wir verbleiben in Trauer.

Ein persönlicher Abschied von Miram Pielhau

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