Mit dem Rad durch Vietnam

mit dem rad durch vietnam
Mit dem Rad durch Vietnam
Foto: Monika Neiheisser

Reise: Vietnam

Über 350 Kilometer fuhr Autorin Monika Neiheißer durch den südasiatischen Küstenstaat. Ihr absolutes Highlight: Die wilde Schönheit des majestätischen Mekong-Deltas.

Reise durch drei Klimazonen

Sie rufen unermüdlich „Hello, hello“ und winken uns so begeistert zu, als wäre unsere 10-köpfige Radreisegruppe die größte Attraktion, die sie je gesehen hätten. Die Euphorie der Kinder am Straßenrand verleitet mich dazu, eifrig zurückzuwinken – dabei sollte ich meine Aufmerksamkeit lieber auf die Straße richten, denn nicht alle Strecken hier sind glatt geteert wie bei uns und Gegenverkehr von Fahrrädern, Fußgängern mit Schulterwaage und Mopeds gibt es schon auch mal auf meiner Straßenseite.

Weitere Eindrücke von der Fahrrad-Tour durch Vietnam sehen Sie in der Galerie (11 Bilder):

Hier in Vietnam bräuchte ich so viele Augen wie ein Igel Stacheln hat, um Landschaft, Menschen, Radstrecke, Tiere und Fahrzeuge gleichzeitig im Blick zu haben. Unsere Reisegruppe will in zwei Wochen drei Klimazonen von subtropisch bis tropisch durchqueren und die Landeslänge von knapp 1.700 Kilometern bewältigen.

Unterwegs mit Fahrrad, Bus und Flugzeug

350 Kilometer davon radeln wir. Für längere Verbindungsetappen nehmen wir einen kleinen Reisebus und steigen dreimal ins Flugzeug – schließlich wollen wir noch Zeit für Wassersport und zum Relaxen haben.

Bei der Ankunft in Hanoi nach elf Stunden Flug ist es nicht nur die Hitze, die uns ins Gesicht schlägt. Stinkende Motorroller und Mopeds knattern in der Hauptstadt mit ohrenbetäubendem Lärm durcheinander, selten mit nur einem Fahrgast besetzt, oft als vierköpfiges Familientaxi benutzt. Auch ein Klappbett, zwei Schweine oder Hunderte von T-Shirts finden Platz auf den wackeligen Zweirädern, Verkehrsregeln kümmern keinen.

Verkehrsregeln für Anfänger

Aus allen Richtungen rasen die Fahrer mit Tempo auf die Kreuzungen zu, Rechtsverkehr lässt sich erahnen, der Rest ist Chaos. Und in diesem Land wollen wir Fahrrad fahren? Coung, unser deutschsprechender Guide, will uns als Erstes beibringen, wie man eine Straße überquert. Das habe ich ja eigentlich schon im Kindergarten gelernt.

Coung beschwört uns: „Gaaanz laaangsam.“ Also los. Ein Moped saust vor mir vorbei, ein anderes schlängelt sich hinter mir herum, ich wage zwei Schritte vorwärts, bleibe stehen – um mich herum ein schrilles Hupkonzert. So arbeite ich mich Schritt für Schritt vorwärts. Nach vier Dutzend Kopfdrehungen habe ich die Straße überquert und fühle mich wie eine Heldin nach gewonnener Schlacht.

Wasserbüffel haben Vorfahrt

Doch uns zieht es aus der Stadt, außerhalb von Hanoi werden die Straßen deutlich ruhiger. Nach einer einstündigen Busfahrt in die südwestlich gelegene Provinz Hòa Binh geht es aufs Rad. Coung stellt uns die Sättel ein, kontrolliert die Kettenschaltung, zieht Bremsen nach und verstellt den Lenker unserer Trekkingräder, die im Kleintransporter mitreisen.

Nach seinen Anweisungen: „Fahrt nicht zu dicht aufeinander auf und streichelt keine Hunde, das sind Wachhunde, keine Menschenfreunde“, starten wir ins immergrüne Mai-Chau-Tal. Nur eine halbe Stunde später wird unsere Weiterfahrt durch eine Wasserbüffelherde gestoppt, die gemütlich über die Straße zieht.

Wie in einer anderen Welt

Mais und Pilze liegen vor bescheidenen Häusern zum Trocknen auf Tüchern ausgebreitet. Zuckerrohrfelder schmiegen sich pittoresk in die bergige Karstlandschaft, die uns an den Rand unserer Kräfte bringt. Bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit und 28 Grad Hitze kommen mir die 35 Radkilometer der ersten Etappe wie eine Ewigkeit vor, völlig durchgeschwitzt freue ich mich auf ein erfrischendes Bad im Pool der „Mai Chau Lodge“.

Auch der zweite Tag in den Bergen wird anstrengend. Doch nicht nur wir schwitzen. Reis- und Gemüsebauern sind emsig bei der Arbeit und Holzarbeiter mit sehnigen Muskeln zerren Bambusstämme auf einen Lkw. Trotzdem winken sie uns fröhlich zu und rufen das unvermeidliche „Hello, hello!“

Traumhafte Aussicht, bizarre Berge

Auch in der Halong-Bucht bei Ninh Bình hallen uns auf unserer 25-Kilometer-Etappe die Hello-Rufe zwischen den Felsen entgegen. Diesmal kommen die Stimmen von vorbeifahrenden Kanus, die von Vietnamesinnen mit den Füßen gerudert werden. Sieht sehr komisch aus. Das wollen wir ausprobieren, aber es ist gar nicht so einfach, mit den Füßen die Ruder zu „greifen“ und an sich zu ziehen.

Nach zehn Minuten übergebe ich lieber wieder an den „Profi“ und genieße den traumhaften Blick über bizarre Karstberge, die zwischen überschwemmten Reisfeldern in die Höhe ragen. Kein Wunder, dass diese Gegend zu den bedeutendsten Naturschönheiten Vietnams gehört.

Labyrinth der grünen Felsen

Die weltberühmte Halong-Bucht liegt unweit im Meer wie eine halbversunkene Bergwelt – eine Kulisse wie aus einem Mystikfilm. Während einer entspannenden Fahrt auf einem traditionellen Motorsegelboot tauchen wir ein in das Labyrinth der über 3.000 grün bewachsenen Felsen, die wie Fabelwesen im gedämpften Morgenlicht aus dem Meer emporzusteigen scheinen.

Hier könnte ich ewig bleiben – doch wir müssen zurück nach Hanoi, von wo wir nach Dà Nang in die Nähe der Kaiserstadt Hue in Zentralvietnam fliegen. Auf unseren Mountainbikes geht es vorbei an Bananenstauden, Papayabäumen und Palmen – das Paradies könnte nicht schöner sein!

Kraft tanken mit frischem Obst

Nach einer Stunde Fahrzeit erfrischen wir uns mit geschnittenen Ananas- und Melonenscheiben , die uns der Fahrer des Radtransportfahrzeugs vorbereitet hat. So tanken wir Kraft für das letzte Teilstück unserer heutigen 40-Kilometer-Tour.

Zwischendurch staunen wir über die prunkvollen Grabstätten der Kaiser Minh Mang, Khai Dinh und Tu Duc – eine schillernder als die andere. Wahrzeichen der Stadt Hue, die 400 Jahre lang Hauptstadt war, ist die UNSECO geschützte Königsstadt, die von einem „Goldwasserkanal“ genannten Graben umgeben ist und nach dem Vorbild der „verbotenen Stadt“ in Peking erbaut wurde.

Radtour durchs Paradies

Die nächsten vier Tage radeln wir im Schnitt 30 Kilometer und können uns an der Vielfalt der Landschaften, die wir durchqueren, gar nicht satt sehen. Auf dem Markt im romantischen Einkaufsstädtchen Hoi An feilschen wir um die Preise, ein dichtes Bambuswäldchen zwingt uns wenig später, die Räder für 10 Minuten zu schieben, so schmal und verwinkelt ist der Pfad, den wir einschlagen.

An unserem zehnten Reisetag fliegen wir mit einer Propellermaschine gen Süden nach Nha Trang.

Einsam am Strand

Der schönste Strand Vietnams lockt mit unzähligen vorgelagerten Inselchen. Ein Motorboot bringt uns in 30 Minuten zu einer kleinen Insel, die schlichtweg „Mini Beach“ heißt. Eine einsame Bucht mit weißem Sandstrand, Palmen, Liegestühlen, Shrimps und türkisblauem Meer haben wir ganz für uns.

Während meine Reisebegleiter im lauen Schatten eine Thai-Massage vom Rücken bis in die Fingerspitzen genießen und dem sanften Wellengang lauschen, zieht es mich raus aufs Meer. Ich will die Inselwelt von oben erkunden und buche den ersten Paraglideflug meines Lebens.

Adrenalin über dem Meer

Von einem Motorboot gezogen schwebe ich nach einem schwungvollen Start in 50 Metern Höhe über dem Meer. Erst als sich das flaue Gefühl im Magen legt, kann ich den Flug und die Aussicht so richtig genießen. Doch Motorbootfahrer Dong sorgt plötzlich für neue Adrenalinschübe, indem er vom Gas geht und ich samt XXL-Gleitschirm sinke, mit den Füßen kurz ins Wasser tauche, um gleich danach wieder aufzusteigen.

Anschließend möchte ich noch auf Wasserskiern über das Südchinesische Meer brettern – bei milden 28 Grad Wassertemperatur ein ganz besonderes Vergnügen!

Auch die nächsten Tage bleiben wir am Wasser: Relaxen am 200 Meter langen Pool des „Diamond Bay Resorts“ in Nha Trang, ein Besuch des schwimmenden Marktes auf dem Nebenarm des Mekong und eine letzte 50-km-Radtour durch das fruchtbare Mekong-Delta, die Reisschale Vietnams, stehen noch auf dem Programm.

Baden im Lichtermeer

Nach zwei Wochen steuern wir die Zehnmillionenmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt an, die noch heute unter dem früheren Namen Saigon bekannt ist. Wir stürzen uns mit unseren Rädern ins Straßengewimmel – daran haben wir uns mittlerweile schon gewöhnt!

Bei Nacht verwandelt sich die pulsierende Stadt in ein Lichtermeer, das uns an unserem letzten Abend beim Cocktail „Hello Saigon“ (Barcadi-Rum, Cointreau, Ananas- und Zitronensaft) auf der Dachterrasse im 23. Stock des „Sheraton Hotels“ wie eine Filmkulisse umgibt. Schöner können wir unsere Reise nicht ausklingen lassen – auch wenn meine Waden vom vielen Radeln immer noch ein kleines bisschen brennen ...

Travel Tipps

Anreise

Vietnam-Airlines-Direktflug z.B. Frankfurt–Hanoi, um 762 Euro, www.vietnamairline.de

Einreise

Reisepass noch mindestens sechs Monate gültig und Touristenvisum. Botschaft in Berlin, www.vietnambotschaft.org, oder kostenlos online unter www.vietnamvisumonline.de

Reisezeit

Das Klima im Norden ist subtropisch und hat vier Jahreszeiten, der Süden ist tropisch und dauerhaft warm. Das Land kann das ganze Jahr bereist werden.

Reiseveranstalter

17 Tage Vietnam per Rad, 14xÜ/F, 2x Mittagessen, Mietrad, deutschsprechende Reiseleitung, 3 Inlandsflüge, Bustransfers, Begleitfahrzeug, Bootsausflüge, Rückflug Deutschland–Hanoi, um 2.655 Euro, www.gebeco.de

Wassersport

Wasserski, 15 Minuten um 26 Euro; Parasailing, 15 Minuten um 22 Euro; Mini Beach Nha Trang, Tel.: 00 84/84 58/38 72 051

Hotels

„Mai Chau Lodge“ in Mai Chau, schön gelegenes Hotel mit Pool, DZ/F ab 122 Euro, www.maichaulodge.com; „Diamond Bay Resort & Spa “ in Nha Trang, größtes Beachresort in Nha Trang mit eigenem Strand und 200 Meter langem Pool , DZ/F ab 120 Euro, www.diamondbayresort.vn

Reise: Tipps für Aktivurlaub auf SHAPE Online >>

Kategorien: