Mit diesen 5 Tipps lernen Sie Nein zu sagen

nein sagen
Nach der ersten Angst mit einem "Nein" peinlich aufzufallen, kommt meist der Stolz.
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Warum Neinsagen viel mit Willensstärke zu tun hat

Sie sagen niemals nein? Damit ist jetzt Schluss! Wie man es schafft, Fremden, Freunden oder Kollegen auch mal einen Korb zu geben, ohne als Kratzbürste oder Zicke dazustehen.

Nein sagen fühlt sich oft an, als würde man mit einem Ruck ein festgeklebtes Pflaster vom Arm reißen - man weiß, dass man da durchmuss, aber schön ist es nicht. Was dagegen wirklich schön ist: das Gefühl danach. Wer der problembeladenen Freundin das Lamentieren verbietet, den miesen Job kündigt, dem gefühllosen Geliebten einen Korb gibt, fühlt sich häufig wie nach einem bestandenen Abenteuer: stolz und erleichtert. Warum das so ist? Nein zu sagen steigert das Selbstvertrauen . Denn es entsteht, wenn man eine genaue Vorstellung von dem hat, was man will und was nicht. Oder es kommt herausgeplatzt, weil man ein starkes Gefühl von Abneigung, Panik oder Angst hat - und dazu steht. Die Fähigkeit zu einem "Nicht mit mir" ist nach Meinung von Psychologen ein Anzeichen für Erwachsensein.

Neinsagen ist gut. Dummerweise ist es auch schwer. Aber man kann es lernen.

Nicht, indem man es mechanisch übt wie eine fremde Vokabel, die man wie ein Papagei überall sinnfrei einsetzt. Eher sollte man sich klar werden: Wann und warum will ich nein sagen? Und wenn man es will, kann man es auch tun. Hier ein paar Tricks und Hilfsmittel, die den Weg zum schöneren Neinsagen ebnen.

1. Peinlich sein

"Lass mich, echt, nee", brüllen Sie, reißen kopflos die Beifahrertür auf und rennen los, lassen den verdutzten Geliebten im Auto zurück. Wer eine Beziehung so beendet , wirkt unsouverän und lächerlich. Na und? Darum geht es beim Neinsagen nicht. Der Anspruch, dabei auch noch eine gute Figur zu machen, ist viel zu hoch. Noch kläglicher fällt unser Nein nämlich oft aus, wenn es um Kleinigkeiten geht: Sie wollen die stupide Arbeit nicht machen, die Ihre Kollegin Ihnen ständig rüberschiebt? Sie wollen abends nicht mehr bei den lahmen Nachbarn grillen? - Gerade wenn wir die kleinen Nervigkeiten anderer beenden wollen, klingen wir oft seltsam barsch und kleinlich. Lassen Sie sich davon nicht stören: Es muss so sein.

Immer wenn wir uns eine neue Fähigkeit erarbeiten, schießen wir anfangs übers Ziel hinaus. Es ist wie bei Rauchern, die aufhören und dabei übergangsweise militante Nichtraucher werden. Dass wir denken, wir würden für immer verbiestert bleiben, ist grundlos - je länger wir üben, desto fließender wird es uns gelingen. Aber: Selbst wenn es Ihnen immer peinlich bleibt, denken Sie dran: Durch das Nadelöhr müssen Sie jetzt durch. Danach fühlen Sie sich besser.

2. Nein sagen wollen

Wenn wir darüber reden, uns abzugrenzen oder durchzusetzen, sagen wir häufig: "Ich muss endlich lernen, nein zu sagen." Dieser Satz ist wie ein schlechter Silvestervorsatz, lustlos, resigniert und vorwurfsvoll. Dabei haben viele Frauen gar nicht das Problem, dass sie nicht wissen, wie man nein sagt. Viel häufiger denkt man, man darf nicht neinsagen. Oder weiß wirklich nicht, ob man in dem Fall ja oder nein sagen will. Deshalb sollte man sich erst mal Klarheit verschaffen. Wie das geht? Wer nicht weiß, wie er sich entscheiden soll, etwa wenn es um ein Jobangebot oder einen Urlaub mit Freunden geht, der stelle sich vor, wie er sich einen Monat nach dem Nein oder einem Ja fühlen würde. Wenn bei der Vorstellung eines Neins neben Angst und Peinlichkeit auch so was wie Erleichterung und Stolz aus irgendeinem Winkel Ihres Herzens kriechen - dann sollten Sie es wagen.

3. Beziehungen strapazieren

Gute Idee, werden Sie sagen: Wenn ich so handle, werden mich bald alle verlassen, entlassen und hassen. Wie auch immer die Begründung Ihrer Angst aussieht: Es ist meistens die Angst, eine Beziehung zu verlieren : Der Geliebte wird mich verlassen, der Chef kündigen, die Freundin sich nie wieder melden. Stellen Sie sich vor, Sie selbst wären die Person, der man das Nein sagen will. Würde man als diese Person wirklich derart schroffe Maßnahmen ergreifen? Wahrscheinlich nicht. Eine weitere gute Nachricht: Fast jeder hat solche Ängste. Je enger eine Beziehung und je mehr man von ihr abhängig ist, desto schwerer fällt es. Damit man beim Neinsagen das Verhältnis nicht unnötig gefährdet, sollte man übrigens bedenken ...

4. Jeder verdient ein anderes Nein

Es kursieren die ulkigsten Ideen, wie wichtig es sei, auch dem Boss mal richtig die Meinung zu sagen. Experten warnen vor solchen Mutproben. Es ist nicht angemessen, seinem Chef einfach nur zu sagen, nee, ich möchte dieses Projekt nicht machen. Von Vorgesetzten sollte man sich sachlich abgrenzen. Und geschickt. Weniger Diplomatie, dafür mehr Liebe kann man bei Freunden und Geliebten ins Nein geben. Und sogar vorher sagen, dass man ein bisschen Angst davor hat. Wer unbedingt einmal ein schroffes, ätzendes Nein probieren will, um sich stark zu machen, sollte es vielleicht an den lärmenden Nachbarn testen. Oder an echten Fieslingen, bei denen man schon mal einen Zahn zulegen kann.

5. Ziele kennen, Entscheidungen treffen

Wer seine Ziele nicht kennt, kann nicht nein sagen. Nur so können wir Entscheidungen treffen, nur so haben wir die Kraft für ein Hop oder Top. Wenn Sie Ihre eigenen Pläne nicht kennen - dann suchen Sie. Viele Menschen sagen zu vielem ja und sagen damit eigentlich nichts. Also: Ziehen Sie sich kurz zurück, überlegen Sie, wo Sie hinwollen. Mit klaren Vorstellungen vor Augen merkt man schnell, was ins Bild passt. Und was eben nicht. Und nach dem Nein ist noch mehr Platz, Raum, Klarheit: Eine Person geht. Ein Projekt fällt weg. Ein langweiliger Grillabend findet ohne uns statt . Und aus dieser Leere entsteht Neues. Passiert gar nicht so selten: Einige Zeit nach dem Nein taucht ein neuer Job, ein neuer Mensch, ein neues Angebot auf, das viel besser zu einem passt. Warum das so ist? Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass man mehr Raum und Zeit gewonnen hat, um neue Chancen, die sich bieten, auch wirklich zu erkennen. Und sie zu ergreifen.

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