Mobbing am Arbeitsplatz: Was kann ich tun?

mobbing am arbeitsplatz
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Ein Experte gibt Rat, was Sie bei Mobbing am Arbeitsplatz tun können

Sticheleien, Ausgrenzung, Getuschel... Mobbing am Arbeitsplatz ist leider keine Seltenheit. Wir haben mit einem Experten gesprochen, wo Mobbing beginnt und was Sie tun können.

Bernhard Juchniewicz ist Präsident der ECA (European Coaching Association), wo er auch als Coach arbeitet. Schon seit 1976 berät der studierte Diplompädagoge und Diplomsozialarbeiter Menschen in besonders belastenden Arbeits- und Lebenssituationen. Mit uns sprach er über Mobbing am Arbeitsplatz.

 

Herr Juchniewicz, wo hört die witzige Neckerei auf und wo beginnt Mobbing?

 

Ein derber Spaß alleine muss noch kein Anzeichen von Mobbing sein. Es gibt Unternehmen, in denen gehört ein rauer Umgangston einfach dazu und wem es schwerfällt, auf eine Hänselei schlagfertig zu kontern, mag sich manchmal gemobbt fühlen.

Auch wenn Sie sich angesichts solcher Behandlung unbehaglich fühlen: Herrscht in einem Unternehmen (oder in einer Familie, sozialen Gruppe, Abteilung) ein gesundes Klima, so wird jeder Beteiligte von Zeit zu Zeit Opfer einer unbedachten Wortwahl oder eines geschmacklosen Spaßes.

Aufmerken sollten Sie, wenn Sie wirklich merken, dass man Sie systematisch und gezielt anders behandelt als die anderen. Das gilt sowohl für das Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern (oder von Lehrern gegenüber Schülern) als auch für das Verhalten von Kollegen, Mitschülern untereinander. (Siehe auch: Mobbing in der Schule: Wie helfe ich meinem Kind? )

Einige Merkmale, die auf ein Mobbing hindeuten können sind z.B.:

  • Das Gespräch bricht abrupt ab, wenn Sie den Raum betreten (diese Erfahrung machen Sie mehrfach).
  • Sie haben das Gefühl, man spricht hinter Ihrem Rücken über Sie.
  • Man kritisiert Sie ständig.
  • Man fällt Ihnen ins Wort, wenn Sie etwas sagen wollen.
  • Sie haben das Gefühl, dass man Ihnen Infos vorenthält.
  • Man begegnet Ihnen mit abfälligen Gesten und tauscht vielsagende Blicke aus, wenn Sie sich äußern.

 

Der Täter - der Mobber – empfindet es zunächst als legitim, sein Opfer wegen seiner vermeintlichen Andersartigkeit auszugrenzen. Wehrt der Gemobbte sich nicht, kann das für den Täter eine Bestätigung zum Weitermachen sein. Und wenn weder das Opfer noch seine Kollegen dem Täter ein klares "Stopp" Signal entgegensetzen, wird es ihm auch leicht gelingen, ein evtl. vorhandenes Unrechtsbewusstsein zu ignorieren.

 

Was kann ich tun, wenn ich selbst gemobbt werde?

 

Ganz wichtig: versuchen Sie nicht, das Ganze mit sich alleine abzumachen.

Notieren Sie die Vorfälle und ziehen Sie zunächst jemanden aus Ihrem Umfeld zu Rate, dem Sie vertrauen und weihen Sie die Person über das aktuelle und das stattgefundene Geschehen ein. Holen Sie sich Rückenstärkung, indem Sie Kollegen, die Ihnen Wertschätzung entgegenbringen, über das Geschehen informieren.

In Unternehmen kann ein Betriebsrat, ein Vorgesetzter oder ein Vertrauensmann eine Anlaufstelle sein. Haben Sie kein Vertrauen zu einem Kollegen oder einer betriebsinternen Stelle, wenden Sie sich an eine externe Beratungsstelle oder einen Coach.

Weisen Sie den Täter in die Schranken und teilen Sie mit, dass auch andere Stellen über das Mobbing informiert sind. Wenn Sie sich stark genug fühlen, gehen Sie auf Ihre Mobber zu und fordern Sie ein klärendes Gespräch ein. Auch wenn dies zu einer Eskalation des Mobbings führen kann, es verändert in jedem Fall die Dynamik der Situation.

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Welche Motive stecken hinterm Mobbing?

 

Ganz pauschal gesagt, hat Mobbing die Ausgrenzung bzw. die Entfernung eines Menschen oder einer Gruppe (oder eines Unternehmens) aus einem sozialen Gefüge (z.B. ein Unternehmen, eine Abteilung) zum Ziel.

Häufig sind Neid und Missgunst die Motive, die zu Mobbing führen. Mobbing entsteht leichter in Konkurrenzsituationen, bei hohem Arbeitsdruck und bei schlecht oder falsch abgegrenzten Zuständigkeiten.

Mobbing findet unter Menschen statt, die in einer klar definierten sozialen Beziehung zueinander stehen, also zum Beispiel Kollegen, Mitschüler oder unter Menschen, die in einer hierarchischen Beziehung zueinander (Vorgesetzter - Mitarbeiter, Schüler - Lehrer) stehen.

 

Was ist Internet-Mobbing? Was kann man bei dieser speziellen Form des Mobbings tun?

 

Hier gibt es Parallelen zum Thema Stalking. Cybermobbing umschreibt das Verleumden, Bedrohen, Diffamieren oder Belästigen von Menschen mittels Internet, hauptsächlich in sozialen Netzwerken und Chatrooms.

Die Absender der Schmähungen bleiben meist anonym. Ursprünglich waren Jugendliche die Opfer von Cybermobbing , mittlerweile steigt auch das Diskreditieren von Erwachsenen im Internet. Sowohl Männer als auch Frauen werden z.B. Opfer von sexueller Belästigung, Lehrer werden anonym beschimpft oder Unternehmen und Freiberufler werden Opfer von Rufmordattacken.

Bei Verleumdungen im Internet die betreffenden Stellen "sichern". Den Provider um Löschung der Daten im Netz bitten und die Sicherung der Absenderdaten und die Polizei informieren. Man kann Unterlassungsansprüche erwirken oder wegen Beleidigung eine Strafverfolgung aufnehmen lassen.

Eltern sollten darauf achten, welche persönlichen Informationen ihre Kinder im Internet zugänglich machen und nicht versäumen, die Schule bei Cybermobbing zu informieren

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