Mobbing: Eine Mutter muss ihre Tochter retten

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Martha (li: Susanna Simon) ist zutiefst erleichtert, dass ihre Tochter Paula (re: Helena Phil) außer Lebensgefahr ist.
Foto: ZDF / Simon Vogler

Susanna Simon: „Gegen Mobbing muss man sofort und offensiv angehen!“

Mobbing, Herzschmerz, großes Drama: In dem ZDF-Film „Martha tanzt“ geht es um eine schwierige Familiensituation. Hauptdarstellerin Susanna Simon brennt das Thema Mobbing unter den Nägeln.

Am 28. Dezember heißt es im ZDF um 20.15 Uhr wieder: Herzkino! Diesmal kämpft Susanna Simon als Ärztin Martha um ihr frisches Familienglück mit neuem Mann und zwei Töchtern, die sich nicht leiden können. Es kommt zu Mobbing und einer furchtbaren Situation:

Martha wird zu einem besonderen Einsatz gerufen: Ein junges Mädchen steht auf der Brüstung einer mächtigen Brücke in Neu-England und droht hinunterzuspringen. Normalerweise würde Martha in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren – doch nicht dieses Mal. Erst vor ein paar Minuten hat sie von der Schule ihrer Tochter einen Anruf erhalten, dass ihre 15-jährige Tochter Paula "wieder einmal" nicht in der Schule ist. Martha bekommt es mit der Angst zu tun. Ist ihre Tochter vielleicht das Mädchen auf der Brücke? Leider wird ihre Angst am Einsatzort bestätigt. Nach einem schwierigen Gespräch schafft sie es, an ihre Tochter heranzukommen und sie endlich sicher in die Arme zu schließen.

Warum ist ihre Tochter so verzweifelt?

Doch damit ist der Albtraum für Martha noch lange nicht vorbei. Wieder zuhause muss sie sich der Frage stellen, was Paula zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat – und ob sie sich selbst eine Mitschuld an den Geschehnissen der letzten Stunden geben muss. Hat sie sich in den zwei Jahren seit ihrer "Flucht" aus New York genug um Paula gekümmert, sich neben der Arbeit im Krankenhaus genug Zeit für sie genommen? Hat das Mobbing etwas mit der Tochter ihres neuen Lebensgefährten zu tun?

Wie sind die persönlichen Erfahrungen der Schauspielerin Susanna Simon mit Mobbing und schwierigen Familienverhältnissen? Wir haben sie gefragt!

Martha Nichols wird von der deutschen Schauspielerin Susanna Simon gespielt. Foto: ZDF/Simon Vogler

Wunderweib: Frau Simon, Filme von Katie Fforde stehen für moderne Frauen mit modernen Problemen – Sie haben da ganz schön schlimme Probleme erwischt mit einer Tochter, die gemobbt wird und darum überlegt, von einer Brücke zu springen. Warum haben Sie entschieden, die Rolle anzunehmen?

Susanna Simon: Weil mir das Thema Mobbing unter den Nägeln brennt! Das gab es wahrscheinlich schon immer, aber die Art und Weise hat sich durch das Internet extrem verschärft. Jetzt hat man kein Gesicht mehr dazu, die Täter können sich noch besser verstecken und es ist so leicht geworden, einen auszuschließen, zu denunzieren und bloßzustellen. Dazu bedarf es jetzt nur noch eines Klicks!

Ein Klick kann furchtbare Folgen haben

Sie sind selbst Mutter zweier Töchter und haben sowas hoffentlich noch nie erlebt – wie haben Sie es geschafft, sich gedanklich in diese Situation hinein zu versetzen?

Susanna Simon: Es hilft natürlich, wenn man selbst Töchter in dem Alter hat, insofern, dass man die Probleme kennt. Man weiß, wie sich Mädchen in dem Alter verhalten, das ist ja schon sehr speziell. Und gerade an der Schule meiner Tochter wird sehr viel Aufklärungsarbeit zu Mobbing und Internetmobbing betrieben, was ich sehr gut finde! Der Umgang mit den neuen Medien wie Facebook und WhatsApp muss gelernt werden. Man kann heute so schnell loslegen, dass man kaum zum Nachdenken kommt, was man jemand anders mit einem unbedachten Klick antun kann. Manchmal kommt man vielleicht erst im Nachhinein darauf, was man da eigentlich Furchtbares getan hat.

Wenn Ihre Töchter in der Schule gemobbt würden, wie würden Sie damit umgehen?

Susanna Simon: Ganz offensiv! Ich glaube, das muss man ganz offensiv anpacken! Erstmal rausfinden, wer sind diejenigen, warum ist es dazu gekommen – und dann das Gespräch suchen. Wenn das nicht klappt, würde ich mich an die nächsthöhere Stelle wenden, also in der Schule an den Direktor. Aber es muss ja nicht die Schule sein, Mobbing kann auch überall sonst passieren, etwa am Arbeitsplatz. Ich denke, mittlerweile ist die Gesellschaft so sensibilisiert, dass man Ansprechpartner finden kann – und das ist gut so! Sowas muss man auf jeden Fall ganz offensiv und sofort angehen!

Martha und Frank (Harald Schrott) wollen eine Patchwork-Familie wagen. Foto: ZDF/Vogler

Im Film ist es so, dass die Tochter Ihres neuen Lebensgefährten die Strippenzieherin des Mobbings gegen ihre Tochter ist – wie würden Sie im realen Leben mit so einer Situation umgehen?

Susanna Simon: Wenn ich in dieser Situation wäre, würde ich mir auf jeden Fall von vorneherein sagen: Es ist nicht einfach! Ich würde nicht davon ausgehen, dass mein Kind und der Mann sich sehen und direkt beste Freude werden – stattdessen würde ich mit dem Worst Case rechnen, also der schlimmstmöglichen Entwicklung.

Schwierig: Wenn die Kinder sich nicht leiden können

Meinen Sie nicht, dass man vom Worst Case ausgehend die Situation zum Schlechten hindenkt?

Susanna Simon: Na, so schlimm meine ich es auch nicht. Man sollte einfach sensibilisiert dafür sein und damit rechnen, dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass es nicht so läuft, wie man das gerne hätte. Dass die Eltern sich lieben, muss nicht heißen, dass die Kinder sich auch mögen. Da muss man sehr feinfühlig und mit viel Aufmerksamkeit die Situation checken.

Im Film läuft es darauf hinaus, dass der Mann sich zunächst für sein Kind entscheidet – wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie wählen müssten, zwischen einem neuen Mann und Ihren Kindern?

Susanna Simon: Jaaa, das ist so eine Gretchenfrage .. ehrlich gesagt, kann ich das so abstrakt gar nicht sagen. Aber für Kinder hat man einfach eine enorme Verantwortung. Der Partner ist neu, die Kinder waren da . Also ich kann verstehen, dass der Vater im Film in dieser Situation zu seiner Tochter hält.

Manchmal muss man seine Prinzipien revidieren

Was sollen Ihre Zuschauerinnen aus diesem Film mitnehmen?

Susanna Simon: Naja, es geht ja um starke Frauen. Und starke Frauen sind für mich Frauen, die wissen, was sie wollen und trotzdem bereit sind auf Gegebenheiten des Lebens zu reagieren, also ihre Prinzipien zu revidieren ohne sich dabei zu verlieren. Martha begibt sich in dem Film auf die emotionale Suche nach Ihrer Tochter und muss sich dazu eingestehen, dass sie sich lange Zeit nicht um sie gekümmert hat. Aber sie finden wieder zueinander und das ist großartig!

Dass man Kinder und Job zusammenbringen muss, ist ja immer noch schwierig. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Susanna Simon: Wenn ich einen Dreh angeboten bekomme, überlege ich auch immer: Verkraften das die Kinder, können die das händeln? Oder kann ich den Dreh nicht annehmen, weil ich einfach mal wieder zu Hause sein muss, um den Kindern zu vermitteln, dass sie eine Mutter haben, die für sie da ist, die auf sie achtet, die ihr Zuhause und ihre Sicherheit ist? Das ist immer ein Abwägen und sicher, das ist ein Problem! In emotional schwierigen Situationen, wie nach einer Scheidung , ist das noch härter. Und wenn man sich das finanziell gar nicht leisten kann, dann bleibt einem viel zu oft leider keine Wahl.

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