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Joy

Never forget ...

Joy,

Bloggerin Adriana über die Vergangenheit

Wenn man nach über zehn Jahren in die alte Kleinstadt der Jugend zurückkommt, dann ist es meistens so, als würde man sich in zu enge Jeans zwängen wollen, oder? Irgendwie wirkt alles klein, eng, bieder und nicht mehr ganz so cool wie damals, als man (durch die pubertierende Brille gesehen) in der tollsten Stadt der Welt gelebt hat.

So, oder so ähnlich, erging es mir bei meinem Heimatbesuch letzte Woche, als einige Freunde meines Jahrgangs zum Treffen gerufen hatten. Und plötzlich soll man wieder in die Rolle von damals passen. In meinem Fall bedeutet das: der Pausenclown in zu großen Jeans und zu weiten Pullis zu sein – ja, der Oversize-Style war in den 90ern tatsächlich mal in! Was macht man aber, wenn man sich in den letzten knapp dreizehn Jahren weiterentwickelt hat? Was ist, wenn man sich selbst gefunden und die Rolle abgelegt hat? Egal, dachte ich mir, Freundschaften funktionieren ja auch nach vielen Jahren und getrennt durch hunderte von Kilometern.

Da sitzen sie: verlobt, verheiratet, schwanger – angeblich glücklich. Und da sitze ich mit meiner Cola und stelle fest: Dreizehn Jahre lassen nicht nur Kleidergrößen auf magische Weise wachsen, sondern auch emotionale Abstände. Worüber früher gemeinsam gelacht wurde, das wird jetzt peinlichst genau tot geschwiegen. Man war und ist kein Fan einer populären Boygroup mehr, man konnte nie – unter keinen Umständen – ganze Songtexte plus dazugehörige Tanzschritte auswendig, und ganz sicher hat man nicht am Schluss des Films „Titanic“ geweint.

Schade eigentlich, gehören doch genau diese Erinnerungen zu den schönsten, die ich aus meiner Schulzeit mitgenommen habe. Die zahlreichen Übernachtungsparties, bei denen man bis spät in die Nacht über Jungs, Lehrer und die große Liebe geredet hat. Als man sich eine Zukunft mit ewiger Freundschaft und großen Auswanderungsplänen ausgemalt hat, während die Sonne langsam über der Kleinstadt aufging.

Jetzt höre ich mir Geschichten über Babybrei und passende Windeln an. Neben einem alkoholfreien Sekt wird nur O-Saft serviert. Man will schließlich Rücksicht auf die anderen werdenden Mütter nehmen, nicht wahr?

Ich werde nicht Mutter. Ich werde höchstens verrückt, zumindest wenn ich noch länger still hier sitze und vor mich hin vegetieren muss. Denn genau so fühlt es sich an, wenn man alte Träume verleugnen und neue vorgefertigte mitträumen muss, weil es sich mit 30 plus so gehört. Haus? Check. Auto? Check. Ehemann? Check. Kind? Check oder zumindest fast Check. Traumjob? Nun ja, heißt es plötzlich, man kann ja nicht alles haben.

Solange man sich an die „wichtigen“ Prioritäten hält – denn damals war man nur jung und dumm, hat groß geträumt und vergessen, dass die Realität einen einholen und eines Besseren belehren wird. Ich will mir einen kurzen Moment klein vorkommen, weil ich noch kein Haus habe und stattdessen nachts still und heimlich auf meinem Laptop in meiner 1-Zimmer-Wohnung an meinem Roman tippe, weil ich den Traum von damals nicht aufgeben werde.

Manche Dinge ändern sich nicht

Und dann, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung: Die Tür geht auf und, mit zwei Flaschen echtem (!) Sekt, betritt meine beste Schulfreundin von damals die Terrasse. Sie strahlt über alle Backen und hat immer dieses verrückte Leuchten in ihren Augen. Mit ihr hätte ich gar nicht mehr gerechnet und deswegen will ich jubeln, belasse es aber bei einer festen Umarmung und einem leisen „Gott sei Dank!“

Es mag wie ein Klischee klingen, aber die echten Freundschaften von damals, die, an die man sich immer erinnert, die peinlich und gleichzeitig wunderschön sind, die halten also doch. Wir haben uns tatsächlich über zehn Jahre nicht gesehen, sie lebt in den USA, ich im schönen Stuttgart, aber schon beim ersten Glas Sekt ist klar: manche Dinge ändern sich nicht. Manche Dinge gehen nicht kaputt, sie bestehen den Test der Zeit und so sehe ich uns beide mit kurzen Hosen, auf unseren Rädern durch die Stadt fahren, auf dem Weg zum Baggersee, wo wir uns in den Schatten gelegt, Mixtapes ausgetauscht und über den süßesten Jungen der Schule gesprochen haben.

Mit ihr darf ich auch alte Take-That-Lieder lauthals mitsingen, ohne das Gefühl zu haben, eine Aussätzige zu sein. Es ist herrlich und so erfrischend an diesem warmen Sommertag. Und als um 19 Uhr die Gesellschaft aufgelöst wird, weil die Kinder ins Bett müssen, die Ehemänner bald nach Hause kommen und ihre Ruhe nach einem langen Arbeitstag brauchen – da beschließen meine Freundin und ich, noch ein bisschen durch die Stadt zu ziehen.

Auf der Straße der Erinnerungen kommt mir nicht nur unsere Freundschaft, sondern auch unsere alte Stadt viel größer vor. Es ist gut zu wissen, dass manche Dinge einfach so bleiben wie sie sind, und man so sein darf wie man ist. Und so haben wir diesen Abend singend beendet. Natürlich mit einem Lied aus unserer Jugend: Never forget ...

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