Models im Rollstuhl: Echtes Statement für mehr Vielfalt?

model rollstuhl new york fashion week ftl moda
Modelabel FTL Moda schickte Models mit und ohne Gehbehinderung über den Laufsteg.
Foto: Getty Images

Warum der Umgang mit behinderten Menschen immer noch schwierig scheint

Auf den Laufstegen machen vermeintliche Makel und offensichtliche Andersartigkeit Furore. Neuestes Beispiel: Models im Rollstuhl auf der New York Fashion Week. Ein ehrliches Statement oder bloße Effekthascherei?

Ein Model läuft den Runway hinab, daneben ein zweites Model im Rollstuhl. So gesehen auf der New York Fashion Week. Welche Fragen uns bei diesem Bild zuerst in den Sinn kamen: Ist das die bloße Zurschaustellung einer Behinderung? Ein Modelabel, das nur versucht Aufmerksamkeit zu erhaschen? Oder ein echtes Statement für ein radikales Umdenken zu mehr Vielfalt in der Modewelt?

Nachdem das an der Hautkrankheit Vitiligo leidende Model Winnie Harlow bei Desigual lief und Designerin Carrie Hammer erstmalig ein Model mit Down-Syndrom auf den Laufsteg schickte, nimmt auch das Label FTL Moda Stellung. Für seine Show auf der New Yorker Fashion Week castete die Marke gehbehinderte Frauen auf der ganzen Welt. Darunter Models, die im Rollstuhl sitzen, auf Krücken laufen oder Beinprothesen haben. Der Mut kam beim Publikum der Show an, am Ende gab es tosenden Applaus. Aufmerksamkeitsstark? Hoffentlich, denn ungeachtet, ob sich das Modelabel zusätzliche Publicity durch die Wahl seiner Models erhofft oder nicht, ist das eigentliche Thema viel zu wichtig, um als reine PR-Maßnahme abgetan zu werden.

Bei der Modenschau geht es ganz locker: Menschen mit und ohne Behinderung treten nebeneinader auf. Im richtigen Leben krampft es oft beim Zusammentreffen. Nur - wie verhält man sich richtig?

Was uns zuletzt am Film "Ziemlich beste Freunde", der französischen Erfolgskomödie von 2012 über die Freundschaft zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, begeisterte: Die Charaktere gehen locker mit gehandicapten Freunden oder Fremden um. Und nicht nur vom Film, sondern auch von der Fashion Show in New York können wir uns in diesem Sinne ganz viel abschauen.

Unser häufigster Denkfehler im Umgang mit behinderten Menschen: Wir wollen nichts falsch machen. Fehler sind aber erlaubt, sie können sogar die Stimmung lockern. Das wichtigste ist nämlich Normalität. Dass wir vor solchen Begegnungen mitunter große Scheu haben oder uns dabei linkisch anstellen, hat vor allem einen Grund: Wir wissen zu wenig von den Bedürfnissen, der Gefühlswelt Behinderter. Ohne ein Familienmitglied oder einen Freund mit Behinderung können wir nur raten, wie wir uns verhalten sollten. Unser Tipp? Fragen Sie sich: Wie will ich selbst behandelt werden? Und dann entsprechend reagieren.

Darüberhinaus lassen wir uns oft von Klischees beeinflussen. Der Grund: Eine Behinderung wird meist mit Leiden assoziiert, Behinderte werden schnell in die Opferrolle gedrängt. Dabei hilft übertriebenes Mitleid wenig. Indem wir denken, gehandicapten Menschen ständig etwas Gutes tun zu müssen, ziehen wir automatisch eine Grenze im Kopf. Eine Behinderung ist aber nichts Fremdartiges. Sie gehört einfach dazu. Zum Menschen und zur Vielfalt. Und ist somit natürlich auch Teil der bunten Modewelt.

Foto: Getty Images

Kategorien: