Morgenmuffel ade

morgenmuffel ade

Heute im Fitness-Studio

Eine Yogamatte hatte ich schon lange, sogar eine richtig schöne. Sehr bequem, darum habe ich sie auch jahrelang zweckentfremdet: als schnöder Ersatz für eine Isomatte an warmen Campingabenden.

Dabei hatte ich mir seit Jahren vorgenommen, es meiner guten Freundin Hazel aus London gleichzutun, die trotz anstrengendem Beruf in einer äußerst lebendigen Stadt und herausfordernden Kindern ständig auf einer Wolke der Ausgeglichenheit durchs Leben zu schweben schien. Auf ihr Geheimnis angesprochen, erzählte sie mir, früher, da wäre sie ein aufgeregtes Nervenbündel gewesen, doch seit sie mit Meditation und Yoga in den Morgen starte, sei sie gewappnet für alles, was der Tag so bringt. Beneidenswert, wie ich fand, denn mich kann bereits die Tatsache, dass mein Joghurt abgelaufen ist, aus der Fassung bringen.

Als schließlich in meinem Fitness-Studio auch noch ein Yogazentrum eröffnete, war meine Begeisterung groß und ich meldete mich sofort für einen Anfängerkurs an. Um ehrlich zu sein, war es keine Liebe auf den ersten Blick mit mir und Yoga - zu wenig Aktion, um wirklich effektiv zu sein, fand ich (fälschlicherweise). Auch das tiefe Ein- und Ausatmen fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. So war ich bei meinen ersten übereifrigen Versuchen, bewusst zu atmen, nahe dran zu hyperventilieren. Und an Entspannung war beim Anblick des süßen Trainers sowieso nicht zu denken.

Da war es auch nicht gerade hilfreich, dass er sich bei der Übung "Der Hund" (ich im Vierfüßlerstand mit Po in der Höhe) hinter mich beugte, um meine Haltung zu verbessern.

Um beim nächsten Mal eine bessere Figur zu machen, trainierte ich nun jeden Morgen eine halbe Stunde vor dem Spiegel. Und plötzlich, in der morgendlichen Ruhe, fiel es mir gar nicht mehr schwer, mich auf meine Atmung zu konzentrieren und alle störenden Gedanken abzuschalten. Und so habe ich nun ein neues Ritual, das mich, den größten Morgenmuffel vor dem Herren, unbeschwert und locker in den Tag starten lässt.

Heute mache ich die Übungen nicht mehr, um jemand anderem zu gefallen, sondern für mich. Weil ich merke, dass Yoga mir guttut. Außerdem ist so eine Yogamatte doch viel zu schade für den Campingplatz.

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