Morgens um 6:30 ins Bootcamp

morgens um ins bootcamp
Fitness: Bootcamp
Foto: Bodo Rickassel

Fitness: Bootcamp

Eine Stunde Frühsport mit Drill Instructor, der keine Gnade kennt – warum tut man sich das an? SHAPE-Autorin Teresa Strohm wagte den Selbstversuch im Bootcamp.

So wie ich am ganzen Körper vor Anstrengung zittere, halte ich nicht mehr lange durch! Trotzdem versuche ich, im Unterarmstütz zu verharren. „Ten, nine, eight …“

Der Drill-Instructor

Noch acht Sekunden? Keine Chance. Völlig entkräftet sinke ich zu Boden, während der Countdown, der mit martialischer „Rocky“-Musik unterlegt ist, aus den Boxen dröhnt.

Eindrücke aus dem Bootcamp entdecken Sie in der Galerie (15 Bilder):

Kaum ist „Zero“ verklungen, hetzt uns Drill Instructor Hanjo weiter: „Los, zur nächsten Station, nicht einschlafen, Mädels!“ Schon als mich mein Wecker um 5:30 Uhr unsanft aus dem Schlaf gerissen hatte, war mein erster Gedanke: „Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?“

Bootcamps von US-Soldaten

Ich soll das „Original Bootcamp“ testen. Ursprünglich für US-Soldaten geschaffen, um sie für den Einsatz fit zu machen, wurden Bootcamps im Jahr 2005 von der Fitnessszene adaptiert – in diesem Sommer ist der Trend auch in Deutschland angekommen. Das „Original Bootcamp“ gibt es in elf deutschen Großstädten.

Sowohl die Mixed als auch die Women-only-Bootcamps bestehen aus 16 Einheiten à 60 Minuten, zweimal pro Woche, der Kurs kostet 175 Euro (www.original-boot camp.com). Um 6:30 Uhr trudeln die anderen Teilnehmerinnen an unserem Treffpunkt an der Isar ein. Wir machen uns bekannt.

Abnehmen und auspowern

Luisa, eine mollige Mittdreißigerin, eröffnet uns, dass sie hier sei, um abzunehmen, während die athletische Blondine Charlotte einfach nur Lust hat, sich vor der Arbeit auszupowern. Als unser Trainer Hanjo auftaucht, sind wir startklar – und sehr gespannt, was uns erwartet!

Gruppiert in einem Kreis legen wir die Hände übereinander und Hanjo ruft: „Sweat and …?“ Wir reißen die Arme in die Höhe und antworten mit „… smile!“ Doch schon beim Warm-up, bei dem ich dank Laufen und Übungen wie Frog Jumps, Skippings und tiefer Ausfallschritte ins Schwitzen komme, fällt mir das Lächeln schwer.

Motivation vom Trainer

Hanjo feuert jede von uns einzeln an: „Go Teresa, go!“ oder „Auf geht’s, Marie, du schaffst das“ – das motiviert, alles zu geben. Nach dem 25-minütigen Warm-up legen wir eine kurze Pause ein und trinken einen kräftigen Schluck Wasser.

Der Drill Instructor hat für seine „Booties“, wie er uns liebevoll nennt, einen Zirkeltrainingsparcours aufgebaut: Sieben Stationen aus verschiedenen Disziplinen wie Kampfsporttechniken, Leichtathletik, Kraftsport. Vieles ist neu für mich! Geboxt habe ich noch nie zuvor – das macht ja richtig Spaß!

"Ich ziehe das durch!"

In Zweierteams rackern wir uns 90 Sekunden lang an jeder Station ab und werden dabei von schnellen Beats, zum Beispiel „Push it“ von Salt ’n’ Pepa, begleitet. Die letzten zehn Sekunden ertönt jeweils der Countdown – ich warte jedes Mal sehnsüchtig auf das erlösende „... two, one, zero“.

Als ich die Box Pads in meinen Händen halte und meine Trainingspartnerin Julia temperamentvoll auf diese einschlägt, staune ich über ihren entschlossenen Gesichtsausdruck. Zum Glück boxt sie nicht so hart, wie sie schaut!

Action am Morgen tut gut

„Ich genieße es, vor dem Job richtig Dampf ablassen zu können, so gehe ich entspannter in den Tag“, erklärt sie mir. Und auch ich stelle später in der Redaktion fest, dass ich mich beschwingter und ausgeglichener fühle.

Auch wenn ich mich heute morgen bei den Sit-ups ganz schön quälen musste – jetzt merke ich deutlich: Die Action am frühen Morgen tut gut – ich werde das auf jeden Fall durchziehen! Tag zwei des Bootcamps: Aufstehen? Ich habe keine Ahnung, wie ich das schaffen soll, jeder Muskel meines Körpers tut mir weh!

Es steckt mehr in uns

Trotzdem raffe ich mich auf und staune nicht schlecht, als ich wenig später an unserem Treffpunkt ankomme: Was hat Hanjo denn da für Hürden aufgebaut? Die Erklärung erhalten wir nach dem Aufwärmen: „Ihr müsst euren Körper unterschiedlichen Reizen aussetzen, nur so erreicht ihr die maximale Fitness .“

Dabei drückt er den Rücken von Julia durch und korrigiert meine Haltung beim Ausfallschritt – ihm entgeht kein Detail! Er will beweisen, dass mehr in uns steckt, als wir denken. Obwohl es uns zeitweise schwerfällt: Wir alle halten die acht Wochen durch und werden dafür belohnt!

Die Belohnung dafür

Luisa hat 5 Kilo abgenommen und Charlotte fühlt sich nach dem Bootcamp „so gut wie nie“. In der letzten Stunde feiere ich meinen persönlichen Triumph: Als der Countdown heruntergezählt ist, halte ich entspannt die Unterarmstützposition und könnte gefühlt noch 90 weitere Sekunden dranhängen.

Verschwitzt und voller Stolz rufe ich an diesem Tag den Schlachtruf zum ersten Mal voller Überzeugung: „Sweat and smile!“ Und lächle dabei.

Hanjo Fritzsche, 28, ist Personal Trainer und Ernährungsexperte ( www.original-bootcamp.com ). Im Juli 2013 erschien seine Audio-CD „Erst jagen, dann essen“ (Tausendschlau Verlag, um 10 Euro). Hier bestellen bei Amazon. de >> Training: Tipps auf SHAPE Online >>

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