Mutiger Post: Frau Kopf wehrt sich gegen Mobbing

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Frau Kopf ist eine Künstlerin aus Berlin, die ihre kreativen Gedanken auf dem Blog Kopfkultur teilt.
Foto: facebook.com/Koppkultur

Ich bin die, die Angst vor jedem neuen Tag hatte ... Frau Kopf - eine junge Frau aus Berlin - hat aufgeschrieben, wie furchtbar sich Opfer von Mobbing fühlen.

Dieser Text einer jungen Frau aus Berlin bringt gerade extrem viele Menschen in Deutschland zum Grübeln - und zum Schämen. Frau Kopf, wie sich die Künstlerin online nennt, hat schonungslos aufgeschrieben, wie man sich als Mobbing-Opfer fühlt:

... Ich bin die, die Angst davor hatte in den Schulbus zu steigen. Die, die Angst vor jedem neuen Tag hatte..."

Ihre drastischen Worte scheinen exakt das zu sein, was viele, viele Menschen da draußen auch schon empfunden haben: bis jetzt hat der Post schon mehr 3300 Likes gesammelt und hunderte Kommentare.

Geständnisse von Tätern

In den Kommentaren sind erstaunliche Geständnisse zu finden. Einer davon stammt von einem "Täter", der heute bereut: "Ich war mal Täter!!! Ich könnte nun Grunde dafür aufzählen, um mich zu rechtfertigen, aber das wären alles nur billige und armselige Ausreden! Es gibt keine Gründe - mir bleibt nur meine Scham und die ganz ehrlich gemeinte und vom Herzen kommende Entschuldigung!"

Der Post verhilft also nicht nur Mobbing-Opfern zu erlösender Offenheit, sondern er trägt auch dazu bei, Mobbing-Tätern klarzumachen, welch drastische Folgen ihre schändlichen Taten für ihre Opfer haben.

Der ganze Mobbing-Text von Frau Kopf:

"Hallo, ich bin es.

Ich bin die, die man früher hässliche Sau nannte.
Ich bin die, die man auf dem Schulhof mit Essensresten bewarf, der man Kaugummi ins Haar klebte, die man bespuckte, mit brennenden Zigaretten bewarf und der man stets das Bein stellte

Ich bin die, die Angst davor hatte, in den Schulbus zu steigen.
Die, die Angst vor jedem neuen Tag hatte.
Die, die heute noch manchmal glaubt, dass Menschen, wenn sie herzlich lachen, den verachtenswerten und hässlichen Clown in mir erkennen.
Die, der man den Tod wünschte, der man applaudierte, wenn sie fiel oder weinte.
Ich bin die, der man Schmähtexte widmete, die man auf dem Schulweg verprügelte und die man zwang, auf Knien um Gnade zu winseln.

Die, die weiß, was Mobbing bedeutet, auch wenn es damals "Hänseln" hieß.

Ich bin die, die den Tätern nicht einmal mehr böse sein kann, ebenso nicht den Beobachtern und denen, die versagt haben.
Nicht dem ignoranten Lehrer, nicht den unwissenden Eltern und eben nicht den Kindern, die ein Feindbild brauchten, um gemeinsam Kraft zu empfinden.

Ich bin die, die hofft, dass die Kindern derer, die so etwas antaten, niemals so etwas erleben müssen.
Ich bin die, die kleine, traurig anmutende Kinder in den Arm nehmen will, um ihnen zu sagen, dass alle bösen Zungen da draußen sich irren.
Und das tun sie.
Nach wie vor und immer lauter.

Heute weine ich nicht mehr um mich, ich bin groß geworden und manchmal sogar ein bisschen stark und ich hatte das große Glück, dass der Dämon Internet noch nicht um sich biss.
Müsste ich diesen steinigen Weg heute gehen, wäre ich wohl vollends zerbrochen.
Wie schaffen das die zarten Seelen in diesen Tagen?
Ich weiß es nicht.
Ich hoffe nur und weiß um den Irrtum derer, die dir und dir und dir sagen wollen, du wärst falsch, zu anders, zu hässlich, zu dick, zu dünn, zu groß oder zu klein.
Sie irren!
Und du?
Du wirst groß und stark, wenn du es nicht schon lange Zeit bist.
Du wirst es besser wissen und sensibel für jene sein, die Feingefühl und Sicherheit benötigen.
Du wirst wachsen.

In diesem Sinne, keine Furcht vor neuen Tagen, schützende Hände, starke Herzen, ab und an taube Ohren, denkende Köpfe und die Hoffnung, dass der Mensch seine Stärke woanders finden mag, als im Schmerz verteilen."

***

Mehr von Frau Kopf alias Kopfkultur gibt es in ihrem Buch zu lesen: Kopf Schweine Sterben - oder auf ihrem Blog .

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