„Nach dem Dreh muss ich neu lernen, wieder Papa zu sein“

felix klare h
Felix Klare ist am 12. Oktober 1978 in Heidelberg geboren
Foto: ARD

Felix Klare

Ob als „Tatort“-Figur oder Scientology- Aussteiger: Der Mann überzeugt. WOCHE HEUTE verriet er seine liebste Rolle: Papa!

Lässig schlägt er die Beine übereinander, nimmt einen Schluck Kaffee, lächelt freundlich. Obwohl er gleich wieder als Sebastian Bootz Verbrecher jagen muss, ist Felix Klare (31) an diesem Vormittag entspannt. Bis ihn die Aufnahmeleiterin zum Dreh des neuen Stuttgarter „Tatorts“ abholt, hat er viel zu erzählen. Über seinen Scientology-kritischen Film „Bis nichts mehr bleibt“ (ARD, 31. März, 20.15 Uhr), in dem er einen verzweifelten Vater spielt. Und wie er dank seines Sohnes Jason (7) mühelos zurück in seine eigene Kindheit reisen kann ...

Herr Klare, in „Bis nichts mehr bleibt“ spielen Sie ein ehemaliges Mitglied von Scientology. Wie haben Sie sich dem Thema angenähert?

„Die Vorbereitungsphase war sehr intensiv. Wir haben mit mehreren Aussteigern gesprochen. Alles, was in dem Film zu sehen ist, ist wirklich passiert – meist sogar noch viel extremer. Der Film zeigt sehr deutlich, was Scientology aus den Menschen macht. Und das ist erschreckend: Wer in Scientology reinrutscht, verliert sein Geld, seinen Beruf, seine Individualität. Alles.“

Hat das mit Kirche oder Glaube eigentlich noch etwas zu tun?

„Nein, überhaupt nicht. Es geht eigentlich gar nicht, dass die sich Kirche nennen dürfen. Aber so müssen sie zumindest in den Vereinigten Staaten keine Steuern zahlen, sie sparen also Geld. Und genau darum geht es ja bei Scientology. Um Geld und Macht.“

Im Film sind Sie Vater – im echten Leben auch. Wie ist es, nach Dreharbeiten wieder nach Hause zu kommen?

„Es dauert immer eine Weile, bis ich überhaupt wieder der Papa bin, wenn ich eine Zeitlang weg war. Ich muss wieder ankommen zu Hause. Allerdings war ich die ersten eineinhalb Jahre nach der Geburt meines Sohnes Jason daheim. Das schweißt sehr zusammen.“

Wenn Sie dann daheim sind – was machen Sie am liebsten mit den Kindern?

„Ich liebe es, den beiden vorzulesen. Astrid Lindgren rauf und runter. ,Ronja Räubertochter‘ zum Beispiel. Das ist so schön – man fühlt sich in seine Kindheit zurückversetzt! Ich habe meinen Sohn gefragt, wie er sich die Figuren bei ,Ronja‘ vorstellt. Da kamen ganz tolle Sachen raus! Das ist viel besser, als wenn man im Film alles vorgegeben bekommt.“

Gibt es deshalb bei Ihnen zu Hause auch keinen Fernseher?

„Ja, genau. Unter anderem sicher auch deshalb.“

Sie sind sehr viel unterwegs, Ihre Familie wohnt in München. Wie geht das?

"Wir telefonieren jeden Tag, das ist schon sehr wichtig. Ich bin eben viel in Baden-Baden mit dem Tatort – nicht in Stuttgart, wie viele denken – weil dort der Sender ist. Das ist eine alte französische Kaserne, da ist unten drin Lena Odenthal, der Ludwigshafener Tatort, darüber ist Klara Blum, der Konstanzer Tatort, und ganz oben sind wir. Von Stadt zu Stadt laufen ist also kein Problem!" (lacht)

Haben sie dort eine Wohnung?

"Ich hab dort ein Ferienhaus gemietet, mit einem kleinen Garten. Kochen, einkaufen, putzen, das mach ich schon gern selber. Hotel für so eine lange Zeit wäre mir ein bisschen zu steril."

Wie lange sind Sie dort mit dem "Tatort" beschäftigt?

"Wir haben zwei Folgen im Jahr. Eine Drehzeit ist 4 bist 5 Wochen, davon bin ich etwa drei Wochen dort. Dazwischen fahr ich aber sicher zwei-, dreimal nach Hause."

Wie hat "Tatort" Ihr Leben verändert?

"Ich werde schon hin und wieder mal angesprochen. Das ist dann ganz seltsam, weil ich immer den Eindruck habe, dass die Leute denken, sie kennen mich. Ich bin also schon in der Schublade. Da will ich dann immer sagen: Nein, ich bin aber ganz anders! Deshalb ist es für mich wichtig, im TV auch mal was anderes zu spielen. Ich mach den Beruf ja schon seit 10 Jahren, im Theater hab ich alles rauf und runter gespielt. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung bin ich halt jetzt der Polizist.

Ihr "Tatort"-Kommissar ist ein ernster junger Mann. Man hat aber den Eindruck, dass er immer lockerer wird. Stimmt das?

"Am Anfang war Sebastian Bootz angedacht als Spießer mit Krawatte und Brille. Aber das war mir zu einfach, er war mir zu glatt, hat nicht gelebt. Aber er ist ein junger Typ, der Bootz, der muss sich noch entwickeln können. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er noch eine andere Phase mal durchmachen würde und sich nochmal verändert."

Kategorien: