Nach Geburt seines Kindes: Er schreibt einen berührenden offenen Brief an die Klinik

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Offener Brief an das Team des St. Remigius-Krankenhauses in Opladen

Die Geburt des eigenen Kindes ist ein extrem bewegendes Erlebnis. Nicht nur für die Eltern. Ein Mann dankt in einem offenen Brief seinem Arzt und der Hebamme.

Markus Brandl ist am 26. Oktober Vater des kleinen Paul geworden. Die Geburt des kleinen Jungen war nicht leicht. Seine Frau lag mehr als 38 Stunden in den Wehen. Die Herztöne seines Sohnes waren nicht in Ordnung.

Zum Glück hatte er einen einzigartigen Oberarzt und unglaubliche Hebammen. Dr. Dieken vom St. Remigius- Krankenhauses in Opladen und die Hebammen Astrid und Monica bleiben bei seiner Frau. Hebamme Astrid hatte schon längst Feierabend, doch sie sprach Markus' Frau weiterhin Mut zu. Dr Dieken wurde mehrfach von anderen Kollegen angefragt, doch er blieb im Kreißsaal.

Durch diese Kompetenz und diese Ruhe blieb auch Markus ruhig. Er hatte vollstes Vertrauen in das Ärzte-Team. Und dafür dankt er in einem bewegenden offenen Brief:

Offener Brief an das Team des St. Remigius-Krankenhauses in Opladen:

Es ist Montag, den 26.10.2015,14:50 Uhr. Meine Frau sitzt auf dem Entbindungsstuhl in Kreißsaal 1. Sie sitzt dort schon sehr lange. Seit 38 Stunden. Sie presst. Sie atmet. Sie ist so tapfer. Wir befinden uns auf der Zielgeraden. Paul is coming. Ich befinde mich an der Seite meiner Frau und bin für den Sauerstoffschlauch zuständig, muss dafür sorgen, dass sie gut ein- und ausatmet. Paul braucht den Sauerstoff da unten. Seine Herztöne sacken bei jeder Wehe ab. Er möchte raus. Andere Kinder lassen sich bequem nach unten treiben. Nicht etwa Paul. Er arbeitet mit. Der Kleine will unbedingt zu Mama und Papa.

Wenn jetzt jemand den Kreißsaal betreten würde, könnte er denken, hier wäre es laut und hektisch. Angespannt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Hebamme Astrid flüstert meiner Frau leise ins Ohr, wie bewundernswert sie dies alles durchsteht. Sie brüllt nicht, sie spricht ganz ruhig. Sie bleibt bei uns, obwohl sie schon lange Feierabend hat. Sie schenkt meiner Frau viel Kraft. Oberarzt Dr. Dieken ist bereits seit über 4 Stunden ebenfalls im Kreißsaal. Anfragen anderer Kollegen delegiert er weiter: „Ich bleibe hier bei dieser Geburt!“ Er ist fokussiert, weiß genau was er tut. Er strahlt Sicherheit aus. Zuversicht. Jeder Handgriff sitzt. Ich zweifle nicht eine Sekunde daran, dass Paul hier in Sicherheit ist.

Ich dachte immer, ich kenne mich. Ich dachte, unter solch einem Druck, solch einer gewaltigen Situation bekomme ich Panik. Angst. „Hilfe! Die Herztöne sacken ab. Paul kommt und kommt nicht raus!“ Doch ich bin ganz ruhig. Mein Kreislauf ist in Takt. Diese Zuversicht verdanke ich dem Team. Ich fühle, dass meine Frau in den besten Händen ist. Dr. Dieken. Hebamme Astrid. Hebamme Monica. Ich weiß, alles wird gut gehen. Und ehe ich diesen Gedanken zu Ende fassen kann, geschieht es. Dr. Dieken hält Paul im Arm. Er legt ihn meiner Frau auf die Brust. Dieser Moment ist jener, den ich eines Tages, in meinen letzten Lebenssekunden, vor meinem geistigen Auge noch einmal ablaufen sehen werde. Paul ist gesund und munter.

Lieber Herr Dr. Dieken, ich möchte Ihnen persönlich danken. Das, was sie am 26.10.15 geleistet haben, werde ich Paul später einmal erzählen. Wer weiß, vielleicht will Paul ja auch mal Arzt werden. An Ihrem Mut, an Ihrem Einsatz und an Ihrer Hingabe für diesen Beruf darf er sich gerne ein Beispiel nehmen.

Liebe Astrid, Du und alle anderen Hebammen leistet so hervorragende Arbeit. Ihr seid bewundernswert. Ihr helft dem Leben auf die Sprünge. Du hast mir gezeigt, was es bedeutet, Hebamme zu sein. Wie viel Arbeit dahinter steckt. Wieviel Wissen. Wieviel Herzblut. Ich verstehe nicht, weshalb die Gesellschaft euren Beruf nicht mehr schätzt. Weshalb sie euch so schlecht bezahlen. Weshalb die Achtung manchmal fehlt. Ich verstehe nicht, weshalb der Beruf der Hebamme vor dem Aussterben steht. Wenn in anderen Branchen Unternehmen Pleite gehen, stehen die Politiker sofort parat und versuchen Arbeitsplätze zu retten. Bei Euch stirbt gerade ein ganzer Berufszweig aus und niemanden scheint dies zu kümmern. Ich möchte mich nicht in Rage schreiben, sondern Dir nur sagen, dass ich mich fortan für euer Bestehen einsetzen werde. Ihr seid nicht weniger wichtig, als ein VW Manager. Wer weiß, vielleicht will Paul ja auch mal Hebamme werden. Ja! Auch hierbei werde ich ihn unterstützen.

In tiefer Dankbarkeit

Markus Brandl

Offener Brief an das Team des St. Remigius-Krankenhauses in Opladen:Es ist Montag, den 26.10.2015,14:50 Uhr. Meine...

Posted by Markus Brandl on Donnerstag, 26. November 2015

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