Nervenkitzel im Ötztal

nervenkitzel im oetztal
Ötztal
Foto: Annika Tiele, Monica Gumm

Reise: Ötztal

Gerade jetzt im Herbst kommen Outdoorfans im Ötztal voll auf ihre Kosten! Autorin Monica Gumm entdeckte jede Menge Action, Adrenalinkicks und Abenteuer – und mit dem „Aqua Dome“ eine rundum erfrischende Wellness-Oase.

Eingang zum Ötztal

Eingang zum Ötztal

Solch einen intensiven Adrenalinstoß habe ich noch nie verspürt! Mein spitzer Schrei hallt durch die Berge, erst nach ein paar Sekunden bin ich in der Lage, den atemberaubenden Ausblick auf die Ötztaler Alpen aus der Vogelperspektive zu genießen. Wie Tarzan schwinge ich unter der Achbrücke hin und her – nicht an einer Liane, sondern an einem doppelt gesicherten Seil.

Die schönsten Bilder vom Abenteuer-Trip durch das Ötztal zeigen wir dir in der Galerie (18 Bilder):

Vor wenigen Sekunden stand ich noch auf einer 30 Meter hohen Plattform, von der aus man ins Nichts springt – und wollte nur noch eins: umkehren! Doch dann fasste ich mir ein Herz und sprang! Meine Luftnummer wird mit einer Extraportion Endorphinen belohnt, inklusive zu Berge stehender Nackenhaare! Und das war nur der Auftakt – denn der „Mega Swing“ ist eine von 35 Attraktionen, die Europas größter Abenteuerspielplatz zu bieten hat.

Nervenkitzel im Hochseilgarten

Hier, in der „Area 47“ am Eingang des Ötztals, liegt das Mekka einer neuen Generation von Adrenalinjunkies. Was mich an dieser Hightech-Freizeitwelt reizt: Ich will meine Höhenangst überwinden – und dazu mein Ego pushen.

Beflügelt vom „Mega Swing“ melde ich mich nachmittags beim Hochseilgarten an. Direkt unter der Achbrücke ist Europas größter Freiluftparcours installiert. Etwas skeptisch schaue ich die wackelige Konstruktion von unten an, während Guide Chris meinen Hüftgurt checkt. Über eine Treppe gelangen wir auf ein Holzplateau. Chris hakt das Seil meines Hüftgurts mit einem Karabiner in die Führungsschiene des Parcours ein.

Adrenalin pur

Vor mir schaukeln Baumstämme, Hängebrücken und Netze in schwindelerregender Höhe. Ich reiße mich zusammen und hangle mich mit weichen Knien über die tanzenden Holzteile. 30 Meter tiefer rauscht die Ötztaler Ache. Der Balanceakt erfordert höchste Konzentration, mein Puls rast. Plötzlich verliere ich den Halt, falle aber nur etwa 25 cm sanft in den Hüftgurt. Puh!

Weiter ginge es mit einer Art Skateboard über ein Stahlseil. Nein danke! Ich stelle die Weiche der Führungsschiene auf Rückweg. Auf der Terrasse des an das Areal angeschlossenen „Lakeside Restaurant “ beruhige ich meine Nerven mit einer Portion Penne mit Bärlauch-Pesto. Gegenüber saust ein Freestyle-Skifahrer von der 17 Meter hohen Matten-Schanze, bevor er einen filmreifen Salto mit Schraube hinlegt und im Wasser landet.

Rafting-Abenteuer

Am nächsten Morgen zwänge ich mich in einen Neoprenanzug. Guide Joe reicht mir Helm und Schwimmweste. Per Bus geht es mit 20 weiteren Abenteurern zu Europas meist befahrener Rafting -Strecke in die Imster Schlucht. Auf drei Schlauchboote verteilt üben wir im Trockenen, links, rechts oder gleichzeitig zu paddeln. Auf dem Inn wird es nun ernst. „Halbe Mannschaft über Bord!“, befiehlt Joe.

Auch Retten will geübt sein! Mein Job: Ich packe meinen Vordermann an der Schwimmweste, lasse mich nach hinten ins Boot fallen, um ihn aus dem Wasser zu hebeln. Im Nu sind alle wieder an Bord. Ein paar Kilometer flussabwärts steuern wir dann mit ordentlichem Karacho durch die Stromschnellen. Alle juchzen. Eineinhalb Stunden und 14 Kilometer später ist die Spritztour wieder vorbei – schade!

Rutschpartie beim Canyoning

In der Alpenrosenklam bei Nederbach lauschen wir zwanzig Minuten später den Anweisungen unserer Guides Stefan und Terry. „Es gibt einige Stellen in der Schlucht, wo wir uns anseilen werden. Dort müsst ihr mindestens mit einem Karabiner im Stahlseil eingehakt sein“, erklärt er, bevor wir in Neoprenanzügen, mit Klettergurten und Helmen ausgestattet, von einer Brücke in eine 16 Meter tiefer liegende Schlucht abgeseilt werden.

Wir waten durch einen reißenden Bach an einer steilen Wand entlang. „Klick-klack“ hallt es beim Umhängen der Metallkarabinerhaken am Sicherungsseil, das an der Wand befestigt ist, durch die Schlucht. An einer jäh abfallenden Stufe werden wir nochmals abgeseilt und sollen dann aus 4 Metern Höhe in einen eiskalten Pool springen.

„Arme gekreuzt über die Brust legen, Kopf hoch und Beine nach vorne“, weist mich Terry ein. Und schon düse ich die „Wasserrutsche“, eine vom Wasser glatt geschliffene Furche im Fels, hinab. Den letzten Abschnitt kraxeln wir über riesige Baumstämme aus der Schlucht heraus. Nach zwei Stunden Kletterspaß brennen meine Oberschenkel wie Feuer – ich fürchte mich jetzt schon vor dem morgigen Muskelkater !

Entspannung in den Bergen

Mit einem deftigen Bauernfrühstück auf der Stabele-Alm beginne ich den nächsten Tag, erstaunlicherweise fühlen sich meine Beine nur ein bisschen schwer an. Wirtin Marisa tischt auf, als hätte ich drei Tage nichts gegessen – das spektakuläre Alpenpanorama gibt’s gratis dazu. Danach starte ich zur Vier-Seen-Tour. Es duftet intensiv nach wilden Wiesenblumen, nur das Läuten der Ziegenglocken unterbricht die Stille.

Hier oben auf 2.500 Meter Höhe lasse ich mich ganz still von der Natur berauschen – was für ein Kontrast zur Action der letzten Tage! Nach einer Rast am smaragdgrünen Weißensee erreiche ich die Leckalm, von dort bringt mich ein Taxi zurück ins Hotel . Bei der Tour am Nachmittag geht’s dann noch höher hinaus. Von Sölden aus schwebe ich mit der Gaislachkogelbahn (25 Euro, www.soelden.com) hinauf auf 3.040 m Höhe – die Aussicht auf die Gletscherwelt der Ötztaler und Stubaier Alpen raubt einem den Atem!

Klettern in Tirol

Am Freilichtmuseum „Ötzidorf“ in Umhausen treffe ich Kletterguide Karl. „Das Steinzeitdorf zeigt, wie Ötzi gelebt hat“, erklärt er. „Die Gletschermumie des prominentesten Ötztalers, der hier wohl nur auf Durchreise war, kann man übrigens in Bozen besichtigen.“ Wir haben aber andere Pläne und einen der schönsten Klettersteige der Gegend im Visier. Durch einen Bergsturz vor etwa 8.700 Jahren entstand hier der Stuibenfall, der mächtigste Wasserfall Tirols.

Wir legen Klettergurt und Helm an. Mit zwei Karabinern klicke ich mich in das fest verankerte Stahlseil ein. Über Hunderte von Halterungen führt die direkt neben der 157 m hohen Sturzbahn des Wassers die Felswand hoch. Die Höhe flößt mir ordentlich Respekt ein, und als ob das nicht schon genug wäre, wartet jetzt eine weitere Mutprobe: An einem Stahlseil soll ich mich quer über den Wasserfall hangeln.

Neben mir donnern rund 2.000 Liter pro Sekunde in die Tiefe. Ich riskiere einen kleinen Blick nach unten. Verdammt, ist das tief! Ich bin erleichtert, als ich wieder auf dem Boden stehe, und feiere, zurück im Tal, meine Mutprobe in der urigen Wirtschaft „Krone“ in Umhausen mit gegrilltem Spanferkelkotelett, Serviettenknödeln und Speckkrautsalat. Obendrein gibt’s einen warmen Apfelstrudel (um 23 Euro, www.krone-umhausen.at).

Wellness und Adrenalin

Nach der Action der letzten Tage ist Entspannen angesagt, und zwar in einem supermodernen Wellnesstempel! Während ich in den futuristischen Thermalbecken des „Aqua Domes“ wie schwerelos schwebe, streift mein Blick die umliegenden Dreitausender. Später in der Heustadl- und Schluchtensauna gerate ich ins Schwitzen, eine Gewitterregendusche mit akustischem Donnerhall kühlt mich rasch wieder ab. Auch meine Chakren kommen mit einer Ötztaler Steinmassage ins Gleichgewicht (85 Euro).

Heute tanke ich noch einmal Adrenalin. Die Acherkogelbahn in Ötz (Bergfahrt 9,50 Euro, www.hochoetz.at) bringt mich und Gleitschirmpilot Adi – der Reinhold Messner zum Verwechseln ähnlich sieht – samt „Flugzeug“ zum Startplatz. Auf 2.150 m Höhe breitet Adi seinen Tandemschirm aus, dann bekomme ich Fliegeranzug, Helm, Handschuhe und eine Art Rucksack. Hier hakt er den Gleitschirm ein.

Funkelnde Kristallwelten

Nach dem Vor-Flug-Check heißt es, mit voller Kraft den Hang herunterrennen, bis der Schirm abhebt. Schon gleiten wir schwerelos übers Tal – ich könnte ewig so weiterschweben! Nach diesem 90-minütigen Flug trete ich ein bisschen wehmütig die Heimreise an.

Bei Innsbruck mache ich im Örtchen Wattens halt, um dem Feuerwerk an Eindrücken das i-Tüpfelchen aufzusetzen. Mit den „Kristallwelten“ hat der österreichische Aktionskünstler André Heller für den hier ansässigen Schmuckkonzern Swarovski eine Orgie aus Farben, Klängen und Gefunkel inszeniert (11 Euro, www.kristallwelten.swarovski. com) – ein wahrhaft prachtvoller Abschluss meiner Reise!

Travel Tipps

Ötztal-Premium-Card

Vergünstigungen für sämtliche Aktivitäten und Einrichtungen im Ötztal. Bei 120 Hotels im Zimmerpreis inklusive, ansonsten kostet sie zum Beispiel für 3 Tage 45 Euro

Aktivitäten

Canyoning ab 52 Euro, Rafting ab 45  Euro, www.outdooroetztal.com

Klettersteigtour mit staatlich geprüftem Bergführer ab 45 Euro, www.bergfuehrer-obergurgl.at

Hotels

„Aqua Dome“ in Längenfeld, inklusive Vital-Thermal-Menü, Thermen & Saunawelt und Aktivprogramm 148 Euro/Person, www.aqua-dome.at „

„Area 47“ bietet ebenfalls alle beschriebenen Aktivitäten an. Schlichte Blockhütte inklusive  Frühstück 35 Euro/Person, www.area47.at

Aktivhotel „Waldhof“ in Ötz, Halbpension ab 61 Euro/Person, www.waldhof.at

Mietwagen

Eine Woche ab 180 Euro, www.holidayautos.de

Info

www.oetztal.com

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