Neue Studie behauptet: Babys schreien lassen schadet ihnen nicht

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Was tun, wenn das Baby nicht einschlafen will?
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Was Eltern von Schreibabys wirklich helfen kann

Wie bringe ich mein Baby zum Schlafen? Eine neue Studie behauptet: Die Ferber-Methode kann bei Schreibabys helfen ohne zu schaden. Was wirklich stimmt.

Es ist eine Frage, die sich viele junge Eltern stellen: Wie schaffe ich es, dass mein Baby ruhig schläft bzw. überhaupt einschläft? Viele Mütter und Väter kämpfen stundenlang damit, das Baby zu beruhigen, während das Kleine sich die Seele aus dem Leib schreit. Wissenschaftler, Ärzte und Therapeuten haben über die Jahrzehnte viele verschiedene Schlaflernprogramme für Babys entwickelt - eines davon ist die so genannte Ferber-Methode. Diese ist stark umstritten.

Das Baby einfach schreien lassen?

Bei der Ferber-Methode sollen die Eltern das Kind immer wieder für festgelegte Zeiträume von einigen Minuten bis zu einer halben Stunde schreien lassen, ohne darauf zu reagieren. Bestenfalls soll das Baby so innerhalb von spätestens zwei Wochen lernen, von selbst einzuschlafen, ohne dass es eine Beruhigung durch die Eltern braucht. Entwickelt wurde dieser Ansatz von dem amerikanischen Kinderarzt und Schlafforscher Dr. Richard Ferber für Kinder, die mindestens sechs Monate alt und gesund sind. Die Methode basiert auf der Annahme, dass jedes Verhalten erlernt wird und somit auch jedes Verhalten abtrainiert werden kann.

Zerstörung des Urvertrauens?

Von vielen Eltern, Pädagogen und Familientherapeuten wird die Ferber-Methode heftig kritisiert. Der Tenor: Wer sein Baby ewig schreien lasse, füge ihm nachhaltig seelischen Schaden zu und zerstöre die vertrauensvolle Bindung zwischen sich und seinem Kind, was auch im späteren Leben zu Schlaf- und Bindungsproblemen führen könne. Eine Mutter berichtet von ihren Erfahrungen: „Es war einfach nur schrecklich. Ich weiß heute noch, welche Musik ich hochgedreht habe, um das Schreien meines Babys nicht zu hören. Das wollte ich nie wieder erleben.“

Neue Studie soll belegen, dass Ferbern den Babys nicht schadet

Doch in Australien wurde jetzt eine Studie publiziert, die beweisen soll, dass Babys, die nach der Ferber-Methode schlafen lernen, keine körperlichen oder seelischen Schäden davontragen.

Die Forscher der Universität Adelaide's Flinder haben das Schlafverhalten von 43 Babys im Alter von 6 bis 16 Monate analysiert. Sie testeten die Ferber-Methode und eine zweite Schlaflernmethode, bei der der Schlafenszeitpunkt immer weiter nach vorne verschoben wird. Anschließend und über Monate hinweg analysierten sie den Stress-Pegel der Babys, indem sie die Konzentration von Cortisol im Speichel feststellten.

Das Ergebnis: Die Forscher konnten keine nennenswerten Unterschiede bei den Stressleveln der Kinder feststellen, auch die Bindung zwischen Eltern und Kind habe sich nicht signifikant verändert. Die Babys der Ferber-Gruppe schliefen etwa 13 Minuten früher ein, als die Kinder aus der Schlafzeitpunkt-Gruppe, welche wiederum 12 Minuten früher einschliefen, als die Babys, bei denen überhaupt keine Schlaflernmethode angewandt wurde.

Allerdings warnen die Forscher: Bevor man sein Baby schreien lasse, sollte ein Arzt genau prüfen, ob es medizinische Probleme gibt, wegen derer das Baby schreien könnte.

Die Erkenntnisse dieser Studie könnten für etwas Entspannung bei den Eltern sorgen, die sich nicht mehr zu helfen wissen und mit schlechtem Gewissen die Ferber-Methode auf ihr Baby anwenden. Auch Dr. Ferber selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass seine Methode nur eine Art Notbremse für Eltern sein sollte, die mit ihrer Geduld und Kraft völlig am Ende sind.

Allerdings ist und bleibt es Fakt: Jedes Baby ist ganz individuell und hat ganz eigene Bedürfnisse. Wie ein Baby am besten schlafen kann, muss jedes Elternpaar für sich herausfinden. Und es ist völlig in Ordnung, wenn eine Mama oder ein Papa es nicht ertragen kann, sein Baby minutenlang schreien und weinen zu hören. Das Schreien ist schließlich die einzige Möglichkeit für diese kleinen Wesen, auf sich aufmerksam zu machen und um Hilfe und Versorgung zu bitten.

Nicht lange mit Selbstversuchen quälen!

Grundsätzlich empfiehlt es sich, schnell auf Hilfe von Außen zu setzen, wenn man sich als Mutter oder Vater von einem Schreibaby überfordert fühlt. Als Schreibaby gilt ein Kind laut Experten, wenn es über einen Zeitraum von drei Wochen an drei Tagen in der Woche mindestens drei Stunden am Stück schreit. Die Schrei-Phasen können durchaus noch länger dauern.

Die Familientherapeutin Marthe Kniep rät: „Am besten ist es, sich nicht lange mit Selbstversuchen zu quälen. Wer nicht mehr weiß, wie er mit seinem schreienden Kind und der nervlichen Belastung umgehen soll, darf und sollte Menschen mit Baby-Erfahrung um Hilfe bitten. Eine gute Anlaufstelle für Eltern von Schreibabys sind zum Beispiel Schreiambulanzen.“ In solchen Ambulanzen helfen erfahrene Fachleute den Eltern bei der Suche nach der Ursache des Schreiens und dabei, einen entspannten Kontakt zwischen den Eltern und ihrem Baby wiederherzustellen.

Eltern eines Schreibabys sollten sich auch nicht davor scheuen, Freunde oder Familie um Hilfe zu bitten. Wenn zum Beispiel die Schwiegermutter hin und wieder eine Zeit lang auf das Kind aufpassen kann, ermöglicht sie den Eltern so wertvolle Ruhepausen. Wenn keine Helfer vor Ort sind, sollten die Eltern sich gegenseitig Pausen ermöglichen.

Helfen kann es auch, als Elternteil auf sich selbst zu schauen und den eigenen Gemütszustand einzuschätzen. Oftmals reagieren Babys mit Stress auf gestresste Eltern. Vielleicht kämpft die Mutter noch mit der Verarbeitung der Geburt? Vielleicht fühlt sie sich noch sehr unsicher in ihrer neuen Mutterrolle? Oder bringt vielleicht der Vater ganz viel Stress von der Arbeit nach Hause? Dann hilft nur: Stress aus dem eigenen Leben eliminieren, Ruhephasen schaffen und unbedingt Unterstützung holen.

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