Öffnen Sie Ihr Herz!

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Öffnen Sie Ihr Herz!
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Inhalt
  1. Wie Liebe und Angst unser Herz beeinflussen
  2. Ein offenes Herz macht gesund
  3. Im Dialog mit den Gefühlen
  4. Gefühle äußern in der Beziehung
  5. Auf die Herzensstimme hören
  6. Angst vor Verletzung
  7. Das richtige Umfeld
  8. Den Körper schonen

Psychologie: Gefühle verstehen

Gefühle zeigen! Hier erfahren Sie, wie Sie lernen, liebevoller mit sich und anderen Menschen umzugehen, auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu hören und so ganz zu sich selbst zu finden.

Jetzt mal Hand aufs Herz! Was fühlen Sie gerade? Das Heben und Senken Ihres Brustkorbs, das rhythmische Schlagen Ihres Herzens? Kommen dabei auch ein paar Emotionen hoch? Spüren Sie Ihnen nach: Fühlen Sie sich glücklich oder traurig, zufrieden oder nörgelnd, ruhig oder aufgedreht, neugierig oder resigniert, lebensfroh oder frustriert, entspannt oder müde, gelassen oder angestrengt?

Ein offenes Herz in neun Schritten - die wichtigsten Tipps sehen Sie in der Galerie (9 Bilder):

Sind da verdrängte Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen? Schließen Sie, wenn Sie mögen, ruhig für einige Momente Ihre Augen. Und hören Sie hin. Lassen Sie Ihr Herz sprechen, es wird Ihnen guttun! Denn unser Herz gilt seit Urzeiten schon als Sitz unserer Seele, der tiefsten Wahrheit und als Sitz unserer innersten Gefühle.

Wie Liebe und Angst unser Herz beeinflussen

Unser Herz reagiert als Organ unmittelbar und sofort auf das, was wir im Augenblick fühlen. Unser Herz schlägt schneller, wenn wir verliebt sind, und es klopft ängstlich, wenn wir aufgeregt sind. Sind wir traurig, wird uns spürbar eng ums Herz, und wenn wir uns fürchterlich erschrecken, kann der Herzschlag sogar kurz aussetzen.

Es wird uns leicht ums Herz, wenn wir uns freuen oder wir eine gute Nachricht erhalten. Und unser Herz kann schmerzen, wenn es vor Liebe fast platzt – oder wenn es gebrochen wurde. Nach emotionalen oder seelischen Verletzungen verschließen wir unser Herz. Manchmal so gründlich und fest, dass es uns schwerfällt, es wieder zu öffnen, und wir uns nicht mehr trauen, mit offenem Visier durchs Leben zu gehen.

Ein offenes Herz macht gesund

Doch wenn wir unser Herz dauerhaft verschließen, schaden wir nicht nur unserer Gesundheit , wir schneiden uns auch von unseren wahren Wünschen, Sehnsüchten und Gefühlen ab.

Das wusste auch der kleine Prinz in Antoine de Saint-Exupérys berühmtem Buch, als er sagte: „Hier mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Und vom Verstand unbeeinflusst. Darum ist es ganz wichtig für mehr Freude und Harmonie im Leben, im Alltag: Trauen Sie sich, Ihr Herz weit werden zu lassen!

Ein „offenes Herz“ – was versteht man eigentlich darunter?

Wenn Sie nicht gerade mit geöffnetem Brustkorb unter den Händen eines Chirurgen liegen, dann verstehen Psychologen und Herztherapeuten unter einem offenen Herzen die Fähigkeit, sich ganz mit unseren tiefsten Gefühlen zu verbinden, egal wie angenehm oder unangenehm sie sind.

Die Autorin und Lebensberaterin Safi Nidiaye schreibt in ihrem Buch „Herz öffnen statt Kopf zerbrechen“: „Indem ich mein Herz öffne, bin ich also bereit, etwas zu fühlen, wovor ich mich vorher (aus Angst) verschlossen habe.“

Im Dialog mit den Gefühlen

Die Starnberger Paartherapeutin und Autorin Katja Sundermeier (www.simply-love.de) erklärt: „Wer mit offenem Herz durchs Leben geht, ist in Verbindung mit dem, was er wirklich ist und will. Er vergleicht sich nicht mit anderen, sondern behandelt sich mit Achtung und Liebe.“

Lutz Hertel, Diplom-Psychologe und Vorstandsvorsitzender Deutscher Wellnessverband , der in Düsseldorf therapeutische Herzgruppen nach dem Programm des US-Mediziners Dr. Dean Ornish leitet, sagt: „Sein Herz zu öffnen bedeutet, mit sich im Dialog über seine innersten Gefühle zu sein, zu erkennen, was uns auf dem Herzen liegt.“

Klingt doch ganz einfach. Oder?

Es klingt einfach – aber ist es das wirklich? Es geht nämlich nicht darum, die eigene Befindlichkeit auf Facebook seinen 378 Freunden in einer Statusmeldung mitzuteilen. Oder bei einer Freundin über den fürchterlichen Lover abzulästern. Oder unter Kollegen über die ungerechte Behandlung durch den schrecklichen Chef zu schimpfen.

Denn wer seinen Seelenmüll unreflektiert bei anderen ablädt, tut seinem Herzen nichts Gutes. „Man schneidet sich damit, überspitzt gesagt, vom eigenen Fühlen und vom eigenen Leben und Erleben ab und hat sein Herz verschlossen“, sagt die Tübinger Diplom-Psychologin Daniela Schmid.

Gefühle äußern in der Beziehung

Wer dagegen ein offenes Herz hat, weiß, was er will, kann benennen, was er gerade an Emotionen wahrnimmt, und traut sich auch auszusprechen, warum er traurig, glücklich oder verletzt ist. Der ewige Beziehungsklassiker „Frau wartet, dass Mann endlich nach Hause kommt“ ist dafür ein gutes Übungsfeld.

Statt Vorwürfen wie „Immer kommst du zu spät“ sagt eine Frau mit offenem Herzen, welche Gefühle wirklich hinter ihrer Wut stecken. „Sie gesteht ihm zum Beispiel, dass sie Angst hat, dass er fremdgeht. Und dass sie deshalb Eifersucht spürt“, erklärt Paartherapeutin Katja Sundermeier.

Auf die Herzensstimme hören

Auch bei guten Freunden fehlt uns oft der Mut zu sagen, was uns wirklich auf dem Herzen liegt. Das kann dann dazu führen, dass wir uns beispielsweise todmüde auf die Geburtstagsparty der besten Freundin quälen, obwohl wir viel lieber schlafen würden. Doch die Angst, von der Freundin nicht mehr gemocht zu werden, lässt uns taub für die innere Herzensstimme werden.

Einen Gefallen tut man damit nur anderen. „Besser wäre es, bei der Freundin anzurufen und ihr klar zu sagen, dass Ihnen heute nicht nach Feiern zumute ist“, rät der Düsseldorfer Psychologe Hertel. „Und dass Sie hoffen, Ihrer Freundin das sagen zu können, ohne Konsequenzen für die Freundschaft befürchten zu müssen. In der Regel entsteht dann bei der anderen Seite Mitgefühl“, sagt Hertel.

Und das wirke auf den mutigen Anrufer unglaublich erleichternd und belohnend. Was sogar dazu führen kann, dass er von dieser neuen Energie beflügelt, doch noch auf die Geburtstagsparty geht.

Warum fällt es oft so schwer, unser Herz zu öffnen?

Weil wir in der Kindheit gelernt haben, dass unsere Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche so nicht in Ordnung sind“, sagt die Psychologin Daniela Schmid. Wenn ein Kind in den Arm genommen werden möchte, weil es sich nach Nähe sehnt, die Mutter ihm den Wunsch aber verweigert, weil sie lieber Zeitung liest, sei das für das Kind „eine unglaublich schmerzhafte Erfahrung“, so Schmid.

Macht das Kind diese Erfahrung wiederholt, wird es bald alle Situationen vermeiden, die erneut zu diesem Erlebnis führen könnten. Während Mutti künftig von kindlichen Zuneigungswünschen unbehelligt Zeitung lesen kann, pflanzt sich im Kind die Idee fest, dass seine eigenen Bedürfnisse nicht wichtig sind, da sie ja nicht ernst genommen werden.

Angst vor Verletzung

Und weil die eigenen Wünsche nicht wichtig sind, fühlt sich das Kind ebenfalls nicht wichtig oder liebenswert, verschließt sein Herz und damit den Zugang zu seinen Gefühlen. „Daraus resultiert eine harte Haltung sich selbst gegenüber“, erklärt die Psychologin. Und diese Haltung macht uns als Erwachsenen das Leben schwer.

Die Sozialisation, die Gesellschaft, die Erfahrungen, die wir im Lauf unseres Lebens gemacht haben, und die Angst verletzt zu werden, tragen dazu bei, das Herz verschlossen zu halten. „Oft ist es auch falsche Rücksichtnahme, die einen davon abhält, sein Herz zu öffnen“, sagt der Düsseldorfer Experte Hertel.

Das richtige Umfeld

„Man möchte anderen seinen Gefühlszustand nicht zumuten.“ Dahinter steckt auch die Angst vieler vor dem Alleinsein. „Das ist tief in unserer Psyche“, sagt Hertel. Man unterdrücke dann lieber seine Bedürfnisse, um nicht den Fortbestand einer Beziehung oder Freundschaft zu gefährden.

Manchmal fehle einfach das Umfeld, um sein Herz zu öffnen. Denn das gelinge nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre, in der wir ohne Wenn und Aber so akzeptiert werden, wie wir sind.

Woran erkennt man, dass das Herz verschlossen ist?

Depressionen und Ängste sind Signale, genauso der Wunsch, etwas in seinem Leben zu verändern, weil man spürt, dass irgendetwas fehlt, erklärt die Psychologin Daniela Schmid.

Innere Leere, fehlende Selbstachtung und Selbstliebe, Eifersucht, dazu Gier, Vergleiche mit anderen, Perfektionismus, Traurigkeit, Leistungsdenken, Neid, Ohnmachtsgefühle, Lügen, Kämpfe um sein Recht und Kämpfe um Liebe sind deutliche Warnsignale – falls einige Anzeichen auch auf Sie zutreffen, sollten Sie sich jetzt vielleicht mal Gedanken über Ihr Herz machen.

Warum ist es sinnvoll, sein Herz zu öffnen?

Weil man mit einem offenen Herzen ganz präsent im Hier und Jetzt ist und sich vom Leben berühren lässt, sagt die Tübinger Psychologin. Weil man nur mit einem offenen Herzen erkennen kann, welcher Partner zu einem passt, erklärt die Paartherapeutin Katja Sundermeier. Und wenn Ihnen das noch nicht genügend Gründe sind: Wer lernt, sein Herz zu öffnen, lebt gesünder!

Was hat die Herzöffnung mit der Gesundheit zu tun?

Wer mit einem offenen Herzen durchs Leben geht, weiß, was er will und was ihm guttut. Wer sein Herz verschlossen hält, seine Bedürfnisse unterdrückt, läuft Gefahr, immer in Sorge zu leben, nie wirklich glücklich zu sein, sich nie geborgen zu fühlen. Das kann dazu führen, so Diplom-Psychologe Lutz Hertel, dass man in einen chronischen Stresszustand rutscht.

Und der wiederum kann sich negativ auf Magen, Darm, Nieren, Muskeln, das gesamte Organsystem und das Herz auswirken. Denn ein Stresshormonpegel, der dauerhaft zu hoch ist, schwächt das Immunsystem und facht Entzündungsherde im Körper an.

Den Körper schonen

Wer sich dagegen sicher fühlt, Mitgefühl und mitmenschliche Geborgenheit erfährt, dessen Stresshormone können auf ein so niedriges Level sinken, dass der Körper immer wieder regenerieren und auch angespanntere Lebensphasen gut überstehen kann.

Affen, sagt Hertel, würden sich aus genau diesem Grund lausen. „Sie geben sich dem anderen hin und lassen ihn etwas Gutes für sich tun.“ Dadurch sinke die Pulsfrequenz und der Körper sei zu einer wirklichen Regeneration in der Lage. Machen wir uns doch einfach mal zum Affen!

Wie kann man lernen, sein Herz zu öffnen?

Zunächst muss man erst mal erkennen, dass das Herz verschlossen ist, und dann bereit sein, es zu öffnen. „Man muss in der Lage sein, mit Gefühlen wie Liebe, Trauer und Wut umzugehen“, erklärt die Psychologin Daniela Schmid. Man brauche außerdem ein Umfeld, das einen herzlichen Umgang pflegt.

Das kann der Partner sein, der einen liebevoll unterstützt. Oder der Freundeskreis. Ein Therapeut oder eine Herzensgruppe, die sich regelmäßig trifft. „Wichtig ist, dass es Menschen sind, die einen so annehmen, wie man ist. Die einen auch nicht gleich mit gut gemeinten Ratschlägen überfallen.“

Eine weitere Voraussetzung sei, in die Eigenverantwortung zu gehen. „Machen Sie nicht andere für Ihr gefühltes Glück oder Unglück verantwortlich“, sagt die Psychologin. „Gehen Sie achtsam und liebevoll mit sich um und berurteilen Sie sich nicht so hart. Gönnen Sie sich regelmäßig Auszeiten für sich.“ Das kann die wöchentliche Yogastunde sein, der tägliche Spaziergang oder der monatliche Spa-Besuch.

Woran erkennt man, dass das Herz offen ist?

„An einem Gefühl von Lebendigkeit und Präsenz im Hier und Jetzt“, sagt Daniela Schmid. „An einem Gefühl von Geborgenheit“, erklärt Lutz Hertel. Für Katja Sundermeier sind es Gefühle und Zustände von Freude, Neugier aufs Leben, Gelassenheit, der liebevolle Umgang mit sich und anderen, Naturbewusstheit, Sinn für Schönheit, Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den eigenen Gefühlen, Wahrhaftigkeit, Vertrauen und das Gefühl, geliebt und vom Leben versorgt zu sein, Verständnis und Mitmenschlichkeit, innere Ruhe und innerer Frieden.

„Es ist eine innere Entscheidung und eine Entscheidung für das Leben“, sagt Katja Sundermeier. Und für die Gesundheit. „Wir wären alle gesünder“, sagt Lutz Hertel, „wenn wir herzlicher miteinander umgehen würden.“

Buchtipp

Safi Nidiaye hat mehrere Bücher zum Thema „Herz öffnen“ geschrieben, ihr neuestes Werk ist soeben erschienen.

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