LiebeslebenOffene Beziehung: Für welche Paare sie wirklich Sinn macht

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Wer eine offene Beziehung lebt, braucht viel Vertrauen zu seinem Partner.
Foto: © lassedesignen - Fotolia.com
Inhalt
  1. Offene Beziehung - wann sie einem Paar gut tun kann
  2. Bei der offenen Beziehung geht es nicht nur um Sex!
  3. Sind Kondome unbedingt Pflicht? 
  4. Zustimmung aus Angst ist für die Beziehung tödlich
  5. "Offene Beziehung ist was für Leute mit Bindungsangst"
  6. Die Offenheit soll die Beziehung stärken
  7. Macht eine offene Beziehung für uns Sinn?

Macht eine offene Beziehung für uns als Paar Sinn? Wie du herausfindest, ob eine offene Beziehung für euch geeignet ist und welche Regeln helfen.

 

Offene Beziehung - wann sie einem Paar gut tun kann

„Ich würde vor Eifersucht sterben, wenn du Sex mit einem anderen hättest!“ Nicht jeder findet eine offene Beziehung gut. Für andere ist diese Beziehungsform das Allheilmittel gegen Langeweile:

Steffen und Tanja liegen gemeinsam im Bett und sind gerade aufgewacht. Am letzten Abend waren die beiden auf einer Geburtstagsfeier bei Freunden – dementsprechend beschließen sie, noch etwas im Bett zu bleiben und den gestrigen Abend noch einmal Revue passieren zu lassen.

»Das war ja schon eine ordentliche Sause gestern Abend«, murmelt Steffen noch halb verschlafen, schafft es aber trotzdem schon, Tanja anzulächeln. »Ich werde definitiv nie wieder Alkohol anrühren!«

Tanja kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Ja, ich mach mit! Nie wieder und bis nächstes Wochenende, da hat nämlich Nina Geburtstag. Aber danach dann definitiv wirklich nie wieder!«

»Oh ja! Nina … die hatte gestern auch gut Spaß.« Steffen macht eine kurze Pause. »Also ich finde das ja immer etwas merkwürdig. Sobald sie mal ohne Oli auf einem Geburtstag ist und etwas getrunken hat, drückt sie ja schon ganz schön auf die Tube.«

»Wie genau meinst du das?«, fragt Tanja.

»Na ja, gestern Abend war sie anderen Männern gegenüber erst ganz schön anhänglich, und dann habe ich sie für ungefähr eine Stunde nicht gesehen. Und zufälligerweise war der Gastgeber in der gleichen Zeit auch nicht auffindbar. Ich weiß nicht, wenn ich jetzt Oli wäre und mir dann jemand so was erzählen würde, ich würde mich ja schon etwas merkwürdig fühlen. Ob es das bisschen Spaß zwischendurch wert ist, sich schlecht zu fühlen?«

»Hm, gute Frage«, entgegnet Tanja. »Ich denke, man muss sich halt genau überlegen, was man will und was einem wichtig ist. Dass die Leute in so einem Fall auch schon mal anfangen zu reden, ist ja irgendwie klar. Mir ist aber ehrlich gesagt mittlerweile egal, was andere über mich denken. Ich will glücklich sein und das machen, was mir guttut.« Steffen denkt noch nach, also holt Tanja noch weiter aus.

»Ich kann Nina verstehen. Sie ist jetzt schon so lange mit Oli zusammen, und dass sie da irgendwann mal wieder neugierig ist, wie es mit anderen so ist, wundert mich jetzt nicht so. Ich meine, ich liebe dich, und ich würde mit niemandem anderen zusammen sein wollen. Aber um ehrlich zu sein, bin ich nicht so ganz davon überzeugt, dass man ein Leben lang nur eine Person lieben kann. Und du redest ja auch schon mal davon, dass du den Gedanken komisch fändest, wenn du dein ganzes Leben lang nur noch mit mir schlafen würdest ...«

Steffen und Tanja sind eines von vielen Paaren, die der Beziehungscoach Nils Terborg zum Thema Offene Beziehung interviewt hat.

Aus welche Gründen entscheiden sich Paare für die sexuelle Öffnung ihrer Beziehung und für welche Paare funktioniert dieses ungewöhnliche Beziehungsmodell – genau das wollte er herausfinden.

 

Bei der offenen Beziehung geht es nicht nur um Sex!

Eine der zentralen Erkenntnisse von Nils Terborg, die er in dem Buch „Offene Beziehung – Wie sie funktioniert und was du wissen musst, wenn es brennt“ veröffentlicht hat:

„Wer den Begriff offene Beziehung hört, denkt direkt an Sex mit anderen. Das ist kein Wunder, schließlich klingt Sex auch automatisch nach spannend. Trotzdem ist die Liebe zwischen den Partnern auch bei diesem Konzept essenziell für das Fortbestehen der eigentlichen Partnerschaft. Denn wenn es vor allem um personell abwechslungsreichen Sex ginge, könnte man sich natürlich auch einfach als Single um ein dementsprechend befriedigendes Sexleben kümmern."

Viele spannende Berichte zum Thema "Offene Beziehung" finden sich in dem Coaching-Buch von Nils Terborg.
Viele spannende Berichte zum Thema "Offene Beziehung" finden sich in dem Coaching-Buch von Nils Terborg.
Foto: Schwarzkopf & Schwarzkopf

Die Regeln für eine Offene Beziehung, in der die Partner sich nicht treu sind, sondern auch mit anderen Menschen sexuell aktiv werden, muss jedes Paar selbst definieren. Ganz wichtig ist aber, dass über all diese Fragen gesprochen wird.

 

Sind Kondome unbedingt Pflicht?
 

  • Klären sollte man zum Beispiel, ob beim erlaubten „Fremdgehen“ Kondom-Pflicht besteht. Die meisten Paare, die eine offene Beziehung führen, bestehen darauf, um sich gegen Krankheiten abzusichern.
     
  • Auch wie oft der Partner mit jemand anders schlafen darf, sollte man besprechen. Gehen nur One-Night-Stands oder sind auch längere Affären in Ordnung?
     
  • Fremdküssen ist erlaubt, Sex aber nicht? Sex ist ok, aber nicht in der eigenen Wohnung? Der Fremd-Sex darf auch im Ehebett – aber nachher bitte die Bettwäsche wechseln?
     
  • Und was wollen sich die Partner gegenseitig von ihren Ausflügen erzählen? Alles, oder lieber nichts?
 

Zustimmung aus Angst ist für die Beziehung tödlich

Entscheidend ist, durch solche Regeln zu definieren, inwiefern sich die Beziehung von der Affäre unterscheidet. Denn nur wenn sich die Partner ihrer Beziehung sicher sein können, ist eine sexuelle Öffnung ohne Eifersucht möglich.

Eric Hegmann, Parship-Single-Coach und Autor, erklärt dazu: „Jedes Paar definiert durch die individuellen Absprachen die eigene Beziehungsform. Eine offene Beziehung funktioniert auf der Basis gegenseitiger sexueller Freiheit. Das kann sehr erfolgreich sein, wenn tatsächlich beide Partner diese Form wollen.

In der Praxis erlebe er es allerdings häufig, dass nur ein Partner dies wünsche und der andere zustimme, um die Beziehung nicht zu gefährden. „Solche Formen führen jedoch ganz sicher zum Beziehungsende.“

 

"Offene Beziehung ist was für Leute mit Bindungsangst"

Paula Lambert, Schriftstellerin und Autorin des Buches "Keine Angst, der will nur spielen - Der Männerreport", rät in Sachen offene Beziehung zur Vorsicht:

Ich halte offene Beziehungen für eine gelungene Alternative - wenn man Bindungsangst hat oder nicht mit dem richtigen Partner zusammen ist, vielleicht, ohne es sich eingestehen zu wollen. Ich habe oft und viel darüber diskutiert und bin trotz heftiger Proteste der Anhänger dieser Liebesform zu dem Schluss gekommen, dass der Mensch nicht so viel innere Zeit hat, um sich wahrhaft und aufrichtig mit mehreren Menschen auseinander zu setzen. Offene Beziehung bedeutet für mich: eine Beziehung mit mehreren. Sex mit mehreren zu haben ist kein so großes Problem, so lange es im Einverständnis geschieht. Aber auch hier tritt das Problem der Innerlichkeit auf: Warum hat derjenige das Gefühl des Mangels? Warum unstillbare Bedürfnisse? Ich finde, damit sollte man sich sehr erwachsen und ernst auseinander setzen, bevor man die Beziehung öffnet."

 

Die Offenheit soll die Beziehung stärken

Stichwort Angst. Wer eine offene Beziehung führt, wird zuweilen gefragt, ob die aktuelle Partnerschaft nur eine Art Warteschleife ist, in der man sich aufhält, bis dann doch der Traummann oder die Traumfrau auftaucht. In dem Fall würde die offene Beziehung natürlich beendet.

Dass eben dies nicht der Fall ist, sondern die Offenheit stattdessen dazu dient, die aktuelle Beziehung lebendig zu halten, gilt es dann zu erklären. Wenn man denn möchte.

Grundsätzlich braucht sich keiner zu rechtfertigen, so Eric Hegmann: „Ich bin überzeugt, dass es Anderen nicht zusteht, ein freiwilliges Beziehungsmodell unter Erwachsenen, das ein Paar glücklich macht, zu be- oder gar zu verurteilen.“

Wenn beide Partner mit der sexuellen Freiheit einverstanden sind, ist sie jedenfalls eine gute Möglichkeit, frischen Wind und neue Ideen ins Beziehungs-Bett zu bringen – und bestenfalls sogar das Gefühl der Verbundenheit zwischen den Partnern zu stärken und somit die Beziehung langfristig zu sichern.

 

Macht eine offene Beziehung für uns Sinn?

Nils Terborg empfiehlt offene Gespräche zu den folgenden Fragen, um zu klären, ob eine offene Beziehung für sich als Paar Sinn machen kann:

  • Wie steht es um die Zukunftsplanung? Steht eine Familiengründung an? Soll man zusammenziehen, einen Hund anschaffen oder heiraten?
     
  • Wie unterstützen sich die Partner gegenseitig? Gibt es Möglichkeiten, dem anderen sein Herz auszuschütten und auch von bedrückenden Sachen zu erzählen? Bekommen auch spaßige gemeinsame Erlebnisse ihren Raum in der Beziehung? Gibt es gleiche Interessen und Hobbys?

„Wenn eine offene Beziehung im Sinne einer klassischen Beziehung mit sexueller Freiheit geführt werden soll, können diese Fragen sehr wichtig sein. Ist die offene Beziehung eher als Affäre ohne allzu großen partnerschaftlichen Anteil ausgelegt, helfen diese Themen auch dabei, sicherzustellen, dass beide Partner das ähnlich sehen“, so Nils Terborg.

Denn wenn einer der Partner plötzlich anfängt, von Hund, Kind und Haus zu erzählen, während der andere die nächste Sexparty plant, dann sind Konflikte natürlich vorgprogrammiert.

 

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