Offene Beziehung: Nach dem Fremdgehen die Bettwäsche wechseln

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Wer eine offene Beziehung lebt, braucht viel Vertrauen zu seinem Partner.
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Partnerschaft

„Ich würde vor Eifersucht sterben, wenn du Sex mit einem anderen hättest!“ Nicht jeder findet eine offene Beziehung gut. Für andere ist diese Beziehungsform das Allheilmittel gegen Langeweile. Was man beachten muss, damit eine offene Beziehung funktioniert.

Fremdküssen ist erlaubt, Sex aber nicht? Sex ist ok, aber nicht in der eigenen Wohnung? Der Fremd-Sex darf auch im Ehebett – aber nachher bitte die Bettwäsche wechseln! Die Regeln für eine Offene Beziehung, in der die Partner sich nicht treu sind, sondern auch mit anderen Menschen sexuell aktiv werden, muss jedes Paar selbst definieren. Ganz wichtig ist aber, dass über all diese Fragen gesprochen wird.

Sind Kondome unbedingt Pflicht?

Klären sollte man zum Beispiel, ob beim erlaubten „Fremdgehen“ Kondom-Pflicht besteht. Die meisten Paare, die eine offene Beziehung führen, bestehen darauf, um sich gegen Krankheiten abzusichern. Auch wie oft der Partner mit jemand anders schlafen darf, sollte man besprechen. Gehen nur One-Night-Stands oder sind auch längere Affären in Ordnung? Und was wollen sich die Partner gegenseitig von ihren Ausflügen erzählen? Alles, oder lieber nichts?

Zustimmung aus Angst ist für die Beziehung tödlich

Entscheidend ist, durch solche Regeln zu definieren, inwiefern sich die Beziehung von der Affäre unterscheidet. Denn nur wenn sich die Partner ihrer Beziehung sicher sein können, ist eine sexuelle Öffnung ohne Eifersucht möglich. Eric Hegmann, Parship-Single-Coach und Autor, erklärt dazu: „Jedes Paar definiert durch die individuellen Absprachen die eigene Beziehungsform. Eine offene Beziehung funktioniert auf der Basis gegenseitiger sexueller Freiheit. Das kann sehr erfolgreich sein, wenn tatsächlich beide Partner diese Form wollen.“

In der Praxis erlebe er es allerdings häufig, dass nur ein Partner dies wünsche und der andere zustimme, um die Beziehung nicht zu gefährden. „Solche Formen führen jedoch ganz sicher zum Beziehungsende.“

Paula Lambert, Schriftstellerin und Autorin des Buches "Keine Angst, der will nur spielen - Der Männerreport", rät in Sachen offene Beziehung zur Vorsicht: „Ich halte offene Beziehungen für eine gelungene Alternative - wenn man Bindungsangst hat oder nicht mit dem richtigen Partner zusammen ist, vielleicht, ohne es sich eingestehen zu wollen. Ich habe oft und viel darüber diskutiert und bin trotz heftiger Proteste der Anhänger dieser Liebesform zu dem Schluss gekommen, dass der Mensch nicht so viel innere Zeit hat, um sich wahrhaft und aufrichtig mit mehreren Menschen auseinander zu setzen. Offene Beziehung bedeutet für mich: eine Beziehung mit mehreren. Sex mit mehreren zu haben ist kein so großes Problem, so lange es im Einverständnis geschieht. Aber auch hier tritt das Problem der Innerlichkeit auf: Warum hat derjenige das Gefühl des Mangels? Warum unstillbare Bedürfnisse? Ich finde, damit sollte man sich sehr erwachsen und ernst auseinander setzen, bevor man die Beziehung öffnet."

Die Offenheit soll die Beziehung stärken

Stichwort Angst. Wer eine offene Beziehung führt, wird zuweilen gefragt, ob die aktuelle Partnerschaft nur eine Art Warteschleife ist, in der man sich aufhält, bis dann doch der Traummann oder die Traumfrau auftaucht. In dem Fall würde die offene Beziehung natürlich beendet. Dass eben dies nicht der Fall ist, sondern die Offenheit stattdessen dazu dient, die aktuelle Beziehung lebendig zu halten, gilt es dann zu erklären. Wenn man denn möchte. Grundsätzlich braucht sich keiner zu rechtfertigen, so Eric Hegmann: „Ich bin überzeugt, dass es Anderen nicht zusteht, ein freiwilliges Beziehungsmodell unter Erwachsenen, das ein Paar glücklich macht, zu be- oder gar zu verurteilen.“ Wenn beide Partner mit der sexuellen Freiheit einverstanden sind, ist sie jedenfalls eine gute Möglichkeit, frischen Wind und neue Ideen ins Beziehungs-Bett zu bringen – und bestenfalls sogar das Gefühl der Verbundenheit zwischen den Partnern zu stärken und somit die Beziehung langfristig zu sichern.

Tilda Swinton lebt eine Dreierbeziehung

Bestes Beispiel dafür ist die schottische Schauspielerin Tilda Swinton. Sie war 20 Jahre lang mit dem Künstler John Byrne liiert, hat mit ihm zwei Kinder bekommen. 2003 trennte sich das Paar, Tilda und John leben jedoch weiterhin zusammen. Der neue Lebensgefährte von Tilda, Sandro Kopp, ebenfalls Künstler, musste sich damit arrangieren. Und das scheint zu funktionieren. Die Männer verstehen sich gut und die Kinder sind froh, dass sie weiter mit beiden Eltern zusammen leben können, berichtet die Schauspielerin.

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