Offline: Netzwerk "wer kennt wen" wird abgeschaltet

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Soziale Netzwerke

Ende, Aus, Offline. Es ist keine Überraschung, aber doch traurig: Das Soziale Netzwerk "wer kennt wen" (wkw) stellt zum 1. Juni 2014 seine Geschäftstätigkeit ein. Die Seite wird aus dem Netz verschwinden, alle Daten der noch verbliebenen Nutzer werden gelöscht. Diese wurden gestern Nacht per E-Mail über das Aus informiert.

In der Mail steht Folgendes: "Vor einigen Wochen hat RTL interactive mitgeteilt, werkenntwen ab Mitte des Jahres nicht mehr weiter zu betreiben. Heute müssen wir Dich leider darüber informieren, dass werkenntwen seine Geschäftstätigkeit beenden wird. Nach dem 1. Juni 2014 wird Dir die Plattform nicht mehr zur Verfügung stehen, und Deine Daten auf werkenntwen werden unwiderruflich gelöscht. Wir bedauern diesen Schritt sehr. Und eines steht fest: Wir werden Dich vermissen!"

Unter der Adresse www.wer-kennt-wen.de werden die Nutzer dann nichts mehr finden.

Daten der Nutzer können gesichert werden

Es folgen Hinweise darauf, wie die Daten aus dem Netzwerk gesichert werden können - und die Empfehlung eines anderen Netzwerks. "Seniorbook", eine Seite, deren Macher in München sitzen, wird als gute Alternative empfohlen .

Nutzer kritisieren fehlendes Alleinstellungsmerkmal

Die Gründe für das Aus werden im Netz rege diskutiert. Eine ehemalige Nutzerin schreibt: "Wer-kennt-wen hat in den letzten Jahren absolut nichts gemacht, um Nutzer zu bekommen. Sie haben kein Alleinstellungsmerkmal herausgebildet, dem Nutzer keinerlei Argumente geliefert wieso man dort statt anderswo sozialnetzwerken sollte."

Ein anderer Nutzer fasst zusammen: "WKW war ziemlich puristisch, hatte angenehme Mindeststandards bei der Registrierung. [...] Und dann fing man an, nervös zu werden und hat sich den ganzen anderen Mist beim ganzen anderen Mist abgeguckt. Gallerien, Gruppen, Werbung, freie Registrierung, Selbstdarstellung juchei. [...] Dass das Interesse sinkt, sobald man versucht, es wie Facebook aufzubauen, war doch klar. Falsche Zielgruppe, große Konkurrenz. Dumm gelaufen, das war konzeptioneller Selbstmord."

Optik und Technik wurden der Konkurrenz angepasst

Was dieser User so harsch kritisiert, war für die Betreiber der Seite wohl die letzte große Hoffnung: der Relaunch der Seite im Oktober 2013. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Seite optisch wie technisch dem großen Kontrahenten "Facebook" ähnlich gemacht. Nutzer konnten Posts mit Herzchen versehen. Darunter stand dann neben einem Herz-Symbol "1 Möger". Die Neuerungen brachten nicht den erhofften Erfolg, die Nutzerzahlen sanken weiter.

Zu Spitzenzeiten hatte das Netzwerk knapp zehn Millionen Mitglieder

Dabei sah es am Anfang sehr gut aus für wkw. Im Sommer 2006 wurde das Netzwerk von zwei Koblenzer Studenten gegründet. Sie wollten eine kostenlose und einfach nutzbare Plattform schaffen, die das reale Netzwerk der Menschen im Internet abbilden sollte. Es gab eine große Deutschland-Karte, auf der jeder Nutzer sehen konnte, wie seine Bekannten in Deutschland verteilt waren. Damit waren sie Facebook um Einiges voraus. Das heute größte soziale Netzwerk war damals noch gar nicht richtig in Deutschland angekommen, kaum jemand kannte es.

Nach einem halben Jahr hatten sich 50.000 Mitglieder angemeldet, im Dezember 2007 registrierte sich der Nutzer, der die Million komplett machte. Zu Spitzenzeiten zählte das Netzwerk knapp zehn Millionen Mitglieder. Nicht genug, um gegen Facebook & Co. zu bestehen. Laut dem Statistik-Portal Statista steigt die Anzahl der aktiven Facebook-Nutzer stetig: während sie sich im September 2012 auf knapp über eine Milliarde belief, nutzten Anfang 2014 zuletzt 1,23 Milliarden Menschen das soziale Netzwerk aktiv.

Sie wollen noch Daten aus dem Netzwerk "werkenntwen" sichern? Hier geht es zur Anleitung !

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