One Night Stand - soll ich es wirklich wagen?

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Foto: Yuri Arcurs, fotolia

Sex

Mit ihm würden Sie sich nicht mal sehen lassen, wenn er der letzte Mann der Welt wäre. Dass Sie gern mit ihm schlafen, muss ja keiner wissen...

Das letzte Mal hatte ich Arne auf dem Abiball meiner Schwester gesehen. Wo er mit einer Klassenkameradin einen One-Night-Stand auf der Schultoilette hatte und damit für einen Riesenskandal sorgte. Was für ein Arschloch, hatte ich damals gedacht. Und ich dachte es wieder, als er mir sieben Jahre später in einer PR-Agentur über den Weg lief. Er trug polierte Lacklederschuhe, aufgestellten Hemdkragen, zu viel gegeltes Haar im Nacken. Immer noch ein Kotzbrocken. Sein dritter Satz war: "Mit dir wollte ich immer schon mal schlafen." Was für eine Unverschämtheit dachte ich, und versuchte sie wegzulachen.

Dummerweise sahen wir uns beruflich jetzt häufiger, und Arne schmierte mich jedes Mal mit Aufmerksamkeit voll - und schmutzigen Bemerkungen wie "Ich habe meiner Ex-Freundin gesagt, dass du in Blümchenunterwäsche bestimmt heißer aussehen würdest als sie." Ich war empört - und irgendwie geschmeichelt. Denn: Ich bin eins von den guten Mädchen. Ich hatte noch nie einen One-Night-Stand - es gab nicht mal jemanden, der mir einen angeboten hätte. Ich sei eine Frau zum Heiraten, hat mir mal jemand gesagt. Diese unverhohlene sexuelle Aufmerksamkeit, die Arne mir entgegenbrachte, war neu für mich. Und irgendwie aufregend.

Einige Wochen lang habe ich ihn erfolgreich ignoriert. Sein immer stärkeres Anrennen gegen meinen Widerstand heimlich genossen. Doch je mehr Arne baggerte, desto mehr erwachte ein neues, böses Mädchen in mir. Eine Frau, deren Neugierde größer war als ihr Anstand. Und die ließ ihn schließlich ran.

Der Sex war unglaublich. Laut, wild, heftig, atemlos.

Arne schwitzte und schrie. Er sagte ganz genau, was er wollte, wie er es wollte, und wie es sich für ihn anfühlte. Er kannte keinerlei Schüchternheit, kein Herantasten, keine Scham. Er war dermaßen laut, dass meine Mitbewohnerinnen mir danach wochenlang nicht in die Augen sehen konnten. So eine Art von Sex hatte ich noch nie gehabt. Ich hatte zwei Langzeit-Beziehungen hinter mir, ich kannte es, dass man sich dabei anschaut und sagt, dass man sich liebt.

Arne schaute mich an und sagte: "Du fühlst dich so geil an!"

Ich kannte es, dass man mich vorsichtig behandelt, zärtlich, wie eine Prinzessin. Arne packte mich wie ein Tier. Er gab mir das Gefühl, ein Sexobjekt zu sein. Klingt frauenfeindlich. Fühlte sich aber gut an. Ich, Konfektionsgröße 40/42, Hello-Kitty-Kopfkissen, ein Sexobjekt.

Und weil ich Arne eigentlich indiskutabel fand, konnte ich im Bett zum ersten Mal auch hemmungslos sein. Ich war ja nicht verliebt. Also konnte ich ihm ganz unsensibel sagen: "Hey, nicht so heftig, wir drehen keinen Porno." Ich konnte ihn mit süffisantem Lächeln bitten, den Rest selbst zu erledigen, wenn ich vor ihm gekommen war - um dann dabei zuzusehen. Ich konnte ihn in seinen engen, knallroten Unterhosen vor die Tür setzen, wenn wir fertig waren, denn einschlafen wollte ich mit ihm nie. Je schlechter ich ihn behandelte - so ist das bekanntlich mit dieser Art von Typen - desto mehr wollte er mich. Er hätte mir stundenlang die Fußsohlen mit seinen teuren Beauty-Produkten massiert, wenn ich es mir gewünscht hätte.

Und doch, natürlich bahnte sich mein wahres, gefühlsduseliges Ich wieder den Weg an die Oberfläche.

Es fragte sich: Ist Arne wirklich ein Vollpfosten oder könnten wir doch mal schmusen? Während ich erst grübelte, roch Arne sofort Lunte. "Das wird mir gerade zu eng", schrieb er per SMS. Ich bin ihm bis heute dankbar für diesen Satz. Weil er mich aufgeweckt hat. Ich und eine sonnenbankgebräunte Sex Machine - was hatte ich mir nur dabei gedacht? Wild rumvögeln, hatte ich begriffen, ist toll. Aber danach kuscheln, mit einem Mann, den man auch bei Tageslicht - und wenn er den Mund aufmacht - zum Auffressen findet, das ist noch viel toller. Ich habe mich nie wieder bei Arne gemeldet.

Und weil Typen wie Arne nun einmal so sind, wurde ich im Moment des eiskalten Schweigens wieder richtig interessant. Er rief jetzt jede Nacht an. Klingelte Sturm. Ich ignorierte alles, auch seinen Brief, ein paar Wochen später. "Du hast mir gezeigt, wo bei mir gefühlsmäßig der Hammer hängt", stand da drin. Hier lieber Arne, meine späte Antwort: "Du hast mir auch gezeigt, wo der Hammer hängt. Allerdings nicht gefühlsmäßig, sondern zwischen den Beinen. Hat Spaß gemacht. Mehr aber auch nicht."

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