One-Night-Stands

one night stands

Was nette Mädchen niemals tun

Nette Mädchen haben keine One-Night-Stands. Es ist ihnen gar nicht mal wegen der sexuellen Interaktion mit einem völlig Fremden dermaßen unmöglich, sich dem nächtlichen Einweg-Abenteuer hinzugeben. Nein. Der Grund liegt woanders: Es ist der legendäre "Walk of Shame", der dieses Unterfangen für die Wohlerzogenen unter uns inakzeptabel macht. Oder besser, der verruchte - unfreundliche Zungen mögen behaupten der verbrauchte - Anblick, den frau bietet, wenn sie am frühen Morgen zurück in ihre Wohnung stöckelt - in engen Klamotten, die nach Rauch und verschüttetem Tequila riechen (wer behauptet hier, Tequila riecht nicht!), die Haare unzähmbar, der Atem schreit nach Minze und die Augen, oh je, die Augen: Schwarz umflort verwischte Wimperntusche einen müden Blick, der versucht, in Erinnerung an heiße Liebesszenen wieder Glanz zu bekommen. Allein frau erinnert sich nicht so genau, und wenn, dann waren die Liebesszenen vielleicht doch nicht so heiß, wie sie hätten sein sollen.

Diesen Anblick gewähren nette Mädchen nicht. Niemals. Sie würden demzufolge auch nie irgendwo ihr Höschen vergessen oder nicht mehr finden, sie würden nicht beten müssen, dass kein Arbeitskollege in der Gegend wohnt, in die es sie nächtens verschlagen hat und sich bitte, bitte nicht in der gleichen Bäckerei zur gleichen Uhrzeit einen Latte macchiato to go besorgen wird. Sie kann allerdings auch nicht das Rezept von Alexandra Antonioni ausprobieren, das die englischen Food-Autorin und Männerkennerin in ihrem Buch "Nasch mich" als einzig adäquates Gegenprogramm für den Post-copulationem-Blues nach der frühmorgendlichen Rückkehr ins eigene Heim zusammenstellte:

1. Als Erstes müssen Sie, sobald Sie durch die Tür Ihrer Wohnung gewankt sind, den Wasserkessel aufsetzen. Als Nächstes schenken Sie sich ein kleines Glas Wasser ein, das am besten Raumtemperatur hat, und mischen vier Tropfen Mariendisteltinktur und einen satten Spritzer Zitronensaft darunter. Trinken Sie das Glas mit einem Zug aus. (Also witzigerweise genauso schnell, wie Sie ein paar Stunden zuvor die Tequilas heruntergekippt haben).

2. Während Sie darauf warten, dass der Kessel zum Kochen kommt, entledigen Sie sich all Ihrer Kleidung, auch des Schmucks, und stellen sich unter die heiße Dusche. Drehen Sie zum Schluss den Heißwasserhahn vollständig zu und erwecken Sie mit einer 20 Sekunden langen eiskalten Brause Ihre Lebensgeister. Das mag sich barbarisch anhören, es funktioniert aber.

3. Bevor Sie sich abtrocknen, reiben Sie sich am ganzen Körper mit Babyöl (nichts macht die Haut weicher, doch das Öl muss auf der noch nassen Haut verteilt werden) ein, danach wickeln Sie sich in das größte und flauschigste Handtuch, das Sie haben.

4. Inzwischen wird das Wasser auf dem Herd kochen. Machen Sie sich damit einen ungewöhnlich starken Becher Kaffee und treiben Sie zwei Scheiben Toast auf, die Sie mit Honig und zerdrückten Bananen bestreichen. Machen Sie es sich vor dem Frühstücksfernsehen bequem, bis sich ein Gefühl des Wohlbehagens einstellt. (Koffein, Kohlenhydrate und Kalium, das in Bananen enthalten ist, sind die Heilige Dreifaltigkeit aller Mittelchen gegen den Kater. Das Fernsehgucken lenkt Sie schlicht davon ab, wie mies Sie sich fühlen).

5. Wenn Sie wieder in der Lage sind, sich anzukleiden zu können, sollten Sie das Outfit für den Tag sorgfältig auswählen. Achten Sie darauf, dass es Klamotten sind, in denen Sie sich wohl fühlen, am besten auf Figur geschnittene und rasiermesserscharfe. Wenn irgend möglich, sollten Sie die übliche Route zur Arbeit meiden, falls Sie dazu in überfüllte Busse oder gar in die U-Bahn einsteigen müssen. Gehen Sie zu Fuß oder nehmen Sie ein Taxi und besorgen Sie sich unterwegs eine große frische Karotte und Apfelsaft. Wenn Sie sich ein bisschen verwöhnen und ein wenig Luxus gönnen, steigert das Ihr Wohlbefinden, was sich wiederum positiv auf Ihren Kater und alle etwa noch vorhandenen negativen Gefühle nach dem Walk of Shame auswirkt.

Fünf Tipps, mit denen nette Mädchen also nichts anfangen können. Und mal ehrlich. Das ist ein Jammer. So schlecht der Ruf des One-Night-Stands auch sein mag: Alles was uns gut tut, ist gut (natürlich mit Schutz, nicht wahr!). Und er kann uns gut tun. Sogar wenn der Sex nicht toll, der Mann eine Enttäuschung, und der Blick der Bäckerin irgendwie höhnisch war, als sie uns den Latte macchiato reichte. Doch geht nichts über das Gefühl, sich selbst aus dem Sumpf der Gewissensbisse gezogen zu haben, eine neue Sauberkeit zu spüren und diese gewisse Attraktivität nach der Häutung. So wird aus einer vermeintlich negativen Erfahrung schnell ein besonders gerader Gang, eine besonders bewusste Bewegung, eine besonders erotische Präsenz. Also Brust raus, Kinn vor, Mundwinkel hoch! Immerhin hatten wir gerade einen Bananentoast. Und Sex. Wenn das nix ist.

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