Orgasmus bei der Geburt? Mythos oder Wahrheit?

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Eine Geburt kann auch schön sein
Foto: Istock

Eine Geburt ist schmerzhaft und macht den meisten Frauen ein mulmiges Gefühl. Doch immer wieder hört man von einem ganz besonderem Geburtserlebnis: Frauen, die bei der Geburt einen Orgasmus erleben. Was sich befremdlich anhört, passiert laut einer Befragung von Hebammen gar nicht so selten.

Bücher, Filme und Youtube-Videos: Die Orgasmus-Geburt fasziniert viele Frauen. Warum auch nicht? Ein tolles Gefühl, während man sein Kind bekommt, ist doch eigentlich eine gute Sache? Oder etwa nicht?

Es gibt sicherlich viele Frauen, die sich gegen einen Orgasmus während der Geburt aussprechen würden. Die Verbindung zwischen sexuellen Gefühlen und dem Geburtserlebnis passt für viele werdende Mütter einfach nicht zusammen.

Dennoch: Die Studie des Psychologen Thierry Postel, der 109 Hebammen befragt hat, überrascht. Das Tabuthema Orgasmus-Geburt kommt häufiger vor als gedacht. Bei rund 200.000 Geburten hatten 668 Frauen ihrer Hebamme erzählt, dass sie das Gefühl eines Höhepunkts hatten. Bei 868 Frauen beobachten die Hebammen Lust und Freude.

Viele Frauen sprechen nicht darüber

Scham oder einfach Unwissenheit, was mit ihnen passiert, lässt viele Frauen über das außergewöhnliche Erlebnis bei der Geburt schweigen. Vielleicht auch besser, denn wirklich akzeptiert scheint diese Form der Geburt nicht zu sein.

Den Geburtsorgasmus bewusst erleben

Aber es gibt auch Frauen, die bewusst auf einen Orgasmus und Lust bei der Geburt hinarbeiten. Cosmopolitan.com hat mit drei Frauen gesprochen, die einen Orgasmus während der Geburt hatten.

Interessant: Vor allem die Männer waren voll und ganz einverstanden damit, dass ihre Frauen einen Orgasmus gerne bei der Geburt zulassen würden. Zwei der Mütter hatten Hausgeburten, bei denen der Mann auch ein bisschen beim Orgasmus nachgeholfen hat.

Eine der interviewten Frauen beschreibt den Orgasmus sogar als besonders intensiv. Danach hätte sie noch mehrere solcher Ganzkörper-Höhepunkte gehabt. Alle Frauen sind sich einig, dass lustvolle Gefühle auf jeden Fall die Schmerzen der Geburt verringern.

Was passiert wirklich mit dem Körper?

Postel schreibt in seiner Studie: "Die extreme Ausdehnung und der gleichzeitig hohe Druck auf den Geburtskanal könnten verschiedene erogene Zonen anregen." Er spekuliert auch, dass die Hormone bei einer geburtsähnlich reagieren wie bei einem Höhepunkt. Doch es gibt auch Gegenstimmen: Stefan Renner, leitender Oberarzt der Universitätsfrauenklinik Erlangen, hält das Konzept der Orgasmus bei der Geburt für biologisch schwer nachzuvollziehen.

Dennoch: Eine Geburt ist einzigartig und am Ende ist es die Mutter, die sie empfindet. Nicht der Arzt oder die Hebamme. Wichtig ist nur, dass sich keine Mutter für ihre Gefühle während der Geburt schämen sollte.

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