Panikattacke: Wege aus der Angst

panikattacke h
Wer an Panikattacken leidet, sollte sich ruhig trauen, um Hilfe zu bitten.
Foto: iStock

Hier gibt es Hilfe gegen Ängste und Phobien

Wenn plötzlich das Herz rast und der Schweiß ausbricht, könnte eine Panikattacke die Ursache sein. Psychologin Nadine Seemann beantwortet die wichtigsten Fragen.

Rund acht Millionen Deutsche leiden unter Angststörungen. Sie haben Panikattacken, machen sich pausenlos Sorgen (generalisierte Angststörung), haben eine Phobie (etwa vor Spinnen oder Mäusen) oder eine Mischung aus mehreren Ängsten und Zwängen.

Während Spinnenangst im Alltag eher selten zum richtigen Problem wird, können andere Angststörungen das Leben massiv beeinträchtigen. Doch mit solchen Beschwerden muss man sich nicht abfinden, es gibt verschiedene Therapien, die wirklich helfen. Wir sprachen mit Nadine Seemann, Psychologin am Deutschen Institut für Angstüberwindung (DIA) in Hamburg.

Was sind Angststörungen?

"Wir sprechen von einer Angststörung, wenn Alltägliches plötzlich zum Problem wird. Etwa die Fahrt mit der U-Bahn oder der Einkauf im Supermarkt. Häufig versuchen Betroffene, die Situation zu meiden, was allerdings die Ängste noch verstärkt. Im Extremfall trauen sich Menschen mit Angststörungen nicht mehr, das Haus zu verlassen."

Welche Menschen sind betroffen?

"Frauen neigen mehr zur Angst als Männer. Ganz geklärt ist die Ursache dafür noch nicht. Wahrscheinlich spielt auch der Hormonzyklus eine Rolle. Unserer Erfahrung nach sind vor allem Frauen betroffen, die besonders feinfühlig und sensibel sind und Schwierigkeiten haben, mit Konflikten umzugehen. Frauen, die sich schwer abgrenzen können, haben häufig einen hohen Perfektionsanspruch an sich selbst - und Probleme, Nein zu sagen."

Woher kommt das?

"Meistens wirken verschiedene Faktoren zusammen. Eine Ursache kann die genetische Veranlagung sein. Litten schon Mutter oder Vater unter Panikattacken, können deren Kinder später leichter als andere Menschen auf bestimmte Situationen mit Angst reagieren. Sie lernen es sozusagen von ihren Eltern, indem sie beispielsweise die Angstreaktion abgucken und selbst verinnerlichen. Dazu kommen schlechte Erfahrungen, Störungen und Defizite aus der Kindheit. Mangelndes Urvertrauen ist in vielen Fällen verantwortlich für spätere Angststörungen."

Wie äußern sich Angststörungen?

"Klassische Symptome sind Panik, Herzrasen, Schweißausbrüche, Händezittern, Übelkeit, Durchfall, Druck auf der Brust und Atemnot. Betroffene denken anfangs oft an ein körperliches Problem als Ursache. So leiden sie häufig monatelang, ohne dem Grund auf die Spur zu kommen."

Wann wird eine Behandlung nötig?

"Grundsätzlich ist Angst ein gutes Gefühl, denn sie erhöht die Aufmerksamkeit und warnt vor gefährlichen Situationen. Überschreitet Angst allerdings ein gewisses Maß, kann sie den Alltag erschweren und die Lebensqualität einschränken. Viele Menschen hoffen, dass Ängste von allein verschwinden. Das ist meist ein Trugschluss. Im Gegenteil vermehren sich mit der Zeit Ängste und die Auslöser für Panikzustände häufig noch. Sollten Sie unter den genannten Zuständen und Symptomen leiden, ist es ratsam, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sehr effektiv sind Verhaltenstherapie, Konfrontationstherapie oder auch medizinische Hypnose."

Wo finde ich Hilfe?

Erster Ansprechpartner bei Angststörungen ist der Hausarzt. Er kann bei der Suche nach einem Therapeuten helfen, der von der Krankenkasse bezahlt wird. Bundesweite Adresslisten unter www.bptk.de.

Wer in einer akuten Krise steckt, kann sich bei der bundesweiten Telefonseelsorge (0800 111 oder 0800 222) kostenlos rund um die Uhr von kompetenten Ansprechpartnern Rat holen. Unter www.telefonseelsorge.de kann man seine Sorgen auch anonym per E-Mail schildern und erhält umgehend Antwort.

Kategorien: