Patricia Kelly: Brustkrebs besiegt, Traumprinz gefunden

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So sieht Patricia Kelly heute aus.
Foto: Peter Becher

Interview mit Patricia Kelly über Liebe, Musik und Krebs

Patricia Kelly ist mit ihrer Familie berühmt geworden. Mitte der 90er Jahre gab es unglaublich viele Fans der „Kelly Family“ auf der ganzen Welt. Wenn die Musiker-Familie auftauchte, wurden die Fans hysterisch, bei den Konzerten weinten hunderttausende vor Ergriffenheit. Für viele waren die Kellys und ihre Musik eine Quelle der Hoffnung, der Wärme und der Liebe. Wer die „Kelly Family“ damals erlebt hat, wird heute verstört sein, wenn er das Buch von Patricia Kelly liest.

In „Der Klang meines Lebens“ berichtet die heute 44-jährige Patricia offen von ihrem Weg auf die riesigen Bühnen, von den Zwängen der Berühmtheit. Dabei lässt sie weder Krankheiten wie ihren Brustkrebs und eine qualvolle Entzündung des Rückenmarks aus, noch private Ereignisse, wie das erste Treffen mit ihrem heutigen Ehemann. Mirca Waldhecker hat Patricia Kelly für Wunderweib.de in einem Café in Hamburg getroffen und mit ihr über ihr Leben und die Liebe gesprochen.

"Der Klang meines Lebens" von Patricia Kelly ist im adeo Verlag erschienen.
"Der Klang meines Lebens" von Patricia Kelly ist im adeo Verlag erschienen. Foto: adeo Verlag

Mirca Waldhecker hat Patricia Kella in Hamburg getroffen

Patricia Kelly hat wunderbar warme Hände. Ihre herzliche Art ist schon in der ersten Sekunde zu spüren. „Hallo, ich bin Patricia!“ Ein strahlendes Lächeln, ein offener und interessierter Blick aus sehr blauen Augen. Sie trägt eine hochgeschlossene Bluse und eine moderne Lederjacke in schickem Bordeauxrot. Kaum Schmuck, nur an der linken Hand zwei goldene Ringe. Ihr Gesicht mit den rosigen Wangen leuchtet und sie strahlt diese Ruhe aus, wie das Menschen tun, die mit sich und ihrem Leben zufrieden sind. Es ist schwer vorstellbar, wie viele Schmerzen diese Frau durchlebt hat.

All die Jahre, in denen Patricia Kelly mit ihren Geschwistern auf Bühnen rund um die Welt sang, kämpfte sie mit teils lähmenden Rückenschmerzen. Ein Mal lag sie bis kurz vor dem Auftritt auf Jacken auf dem Boden, krümmte sich vor Schmerzen. Und doch trat sie auf. Den Fans zuliebe. Die nach den Konzerten zuweilen so lange den Tour-Bus umzingelten, bis Patricia und ihre Geschwister innendrin in Panik gerieten.

Mirca Waldhecker für Wunderweib.de: Patricia, als ich Ihr Buch gelesen habe, hatte ich mit jeder Seite mehr das Gefühl, dass die Fans Ihnen das Leben extrem schwer gemacht haben.

Patricia Kelly: Nein! Ich war natürlich sehr ehrlich in dem Buch, aber ich denke, jeder einzelne Fan hat uns wirklich geliebt. Keiner wollte uns verletzen oder wehtun. Es ist die Masse, in der diese Hysterie ausbricht, wie auch bei Fußball-Fans. Es war ja auch unsere Entscheidung, weiter aufzutreten. Wir hätten auch sagen können, wir hören jetzt auf – und das haben wir ja irgendwann gemacht. Künstler, die schon ewig so bekannt sind, bei denen ist das irgendwann Teil des Jobs. Wir mussten uns erstmal daran gewöhnen und anfangs war das natürlich dramatisch. Ich wollte aber niemanden abschrecken mit dem Buch!

Am Ende danken Sie Ihren Fans ausdrücklich und schreiben von der Liebe zu ihnen.

Patricia Kelly: Inzwischen sind 20 Jahre vergangen… ich glaube, es ist sehr menschlich, all diese Gefühle zu haben. Damals war die Hysterie groß. So wie jetzt in einem Café sitzen, das war unmöglich. Es war sogar gefährlich. Diese Einschränkung der Freiheit war extrem. Für mich persönlich – vielleicht haben es andere nicht so schlimm erlebt – aber für mich war das sehr schwer. Ich bin doch sehr irisch, sehr freiheitsverbunden. Man darf auch nicht vergessen, dass ich zu der Zeit sehr viel Verantwortung hatte. Gemeinsam mit meinem Vater, später alleine, habe ich die Geschäfte geführt, Verträge ausgehandelt, das brachte viel Druck mit sich. Ich hatte das Gefühl, ich müsste das besser kontrollieren können – aber sowas ist nicht kontrollierbar. Das ist einfach so eine Welle und du kannst nur das Beste daraus machen.

Dabei haben Sie Stück für Stück sich selbst verloren. Sie wurden sehr krank, Ihre Rückenschmerzen haben Sie teilweise monatelang ans Bett gefesselt. Im Dunkeln lagen sie in ihrer Kajüte auf dem Hausboot in Köln. Auch viele ihrer Geschwister kämpften mit den negativen Auswirkungen des Erfolgs.

Patricia Kelly: Du musst bedenken, wir Künstler planen lange im Voraus. Ich habe jetzt schon das ganze nächste Jahr verplant. Damals hatten wir teilweise zwei Jahre vorgeplant, die Touren waren organisiert, da sind Verträge, Mitarbeiter, der Vorverkauf läuft, da kannst du nicht einfach absagen. Wir haben uns irgendwann zurückgezogen, aber wir konnten eben nur zwei Jahre versetzt reagieren. Ich bin trotzdem dankbar für diese Zeit. Ich würde niemals mein Leben ändern wollen. So wie es war, war es genau richtig. Ich habe so viel erlebt: die Härte der Straße in der Pariser Metro, wo keiner gehalten hat, um uns zuzuhören – und dann der Riesenerfolg. Das ist so unterschiedlich, das ist wie Mars und Venus! Das ist natürlich eine Bereicherung für mein Leben. Ich habe dadurch schon in jungen Jahren so viel über das Leben erfahren können, das möchte ich nicht missen. Heute habe ich wohl das richtige Maß gefunden. Ich kann gut von und mit meiner Kunst leben, kann machen, was mir gefällt. Das habe ich aber teilweise diesem großen Erfolg zu verdanken, weil die Fans uns treu bleiben und zu den Konzerten kommen. Es hängt alles zusammen.

Wie ist es heute, treten Sie alleine auf und kombinieren dann Lese-Abend mit Konzert?

Patricia Kelly: Es ist das erste Mal, dass ich auf der Bühne lese! Ich war total überrascht, als die Fans mir sagten, dass sie Lesungen wollten. Das ist ein bisschen merkwürdig, einfach dazusitzen und etwas zu lesen, aber es macht mir sehr viel Spaß, weil ich nach den Lesungen auch die Bücher signiere, Fotos mache, da bin ich den Fans sehr nah. Viele erzählen mir, was das Buch in ihnen bewegt hat.

Wie kam es dazu, dass Sie ein Buch über Ihr Leben geschrieben haben?

Patricia Kelly: Der Wunsch, das aufzuschreiben, was ich erlebt habe, war schon lange da. Eigentlich wollte ich es aber nur für meine zwei Söhne machen. Im November 2012 passierte dann etwas, was mich dazu gebracht hat, tatsächlich anzufangen. Ich war mit einem meiner Geschwister unterwegs. Auf einer Landstraße kamen wir zu einem Unfall dazu. Ein Auto stand in Flammen, drinnen ein junges Paar. Wir zogen sie raus und die Frau fragte mich unter Schock immer wieder „Lebe ich? Lebe ich?“ Das hat mich sehr bewegt. Ich dachte „Guck mal, wie schnell das gehen kann“. Ich hatte da schon geplant, 2013 ein Sabbat-Jahr zu machen und mein Mann sagte zu mir „Patricia, wenn du es jetzt nicht machst, wirst du es nie machen.“ Ich habe dann auf Englisch geschrieben, alles mit der Hand, und mein Agent Thomas Lenz, der schon lange ein Freund der Familie ist, hat meine Texte übersetzt und lektoriert.

2009 wurde in Ihrer rechten Brust eine Vorstufe zum Brustkrebs entdeckt. Sie mussten sich zwei Mal operieren lassen, beim zweiten Mal wurde die Brust abgenommen und durch eine Prothese ersetzt. Wie haben Sie das verkraftet?

Patricia Kelly: Ich habe im Nachhinein gemerkt, dass die Prothese die richtige Wahl war. Nach einem halben Jahr war ich wieder auf den Beinen, ein Jahr später bin ich einen Halbmarathon gelaufen. Es ist gut und fest, alles in Ordnung! Ich würde es genau so wieder machen. Es ist ein Segen, dass wir junge Frauen heute so viele Möglichkeiten haben. Die hatte meine Mutter nicht. Sie hatte auch Brustkrebs , auch ihr wurde die rechte Brust abgenommen. Dennoch ist sie 1982 am Krebs gestorben. In den letzten 30 Jahren hat sich massiv verändert, was man gegen Brustkrebs tun kann. Die Heilungschancen sind so stark gestiegen, über 90 Prozent. Wenn man es denn früh genug entdeckt. Darum ist Vorsorge so wichtig!

Sie hatten ja auch keine Schmerzen.

Patricia Kelly: Ich hatte nichts, absolut gar nichts. Nur dieses Gefühl. Vielleicht war es der 40. Geburtstag, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Eine innere Stimme sagte mir immer wieder „Lass dich untersuchen“, bis ich dann einen Mammographie-Termin ausgemacht habe. Das hätte ich viel früher machen müssen, ich war unvernünftig. Ich kann das nur jetzt laut sagen, damit andere Frauen daraus lernen. Wenn es in der Familie liegt, dann fragt rechtzeitig euren Arzt, vielleicht schon ab 30, 35 Jahren. Ich gehe inzwischen regelmäßig zur Vorsorge und sehe in der Praxis so viele junge Frauen ohne Haare – deswegen, geht so früh wie möglich zur Untersuchung!

Sie schreiben, dass Ihnen in dieser Zeit die Liebe geholfen hat, durchzuhalten. Wenn Sie Liebe sagen, meinen Sie damit die Liebe durch Gott oder die Liebe von Familie und Freunden?

Patricia Kelly: Für mich sind das nicht zwei verschiedene Sachen. Ich glaube, dass Gott uns durch die Menschen liebt. Also ich habe nicht Gott vor mir gesehen, der sagte „Hey Patricia, ich bin daha, Hallo!“. Das nicht, ich habe keine Visionen. Aber ich habe meinen Mann vor mir gesehen. Ich habe meine Söhne, meine Geschwister und meine besten Freunde vor mir gesehen. „Wir sind da, Patricia, wir sind da, egal was ist, wir lieben dich und du schaffst das!“ Das war für mich die Stimme Gottes. Ich bin auch sehr oft zur Messe gegangen und habe viele Stunden alleine in der Kirche verbracht. In dieser Stille, im Gebet, da spüre ich in meinem Herzen einen absoluten Frieden.

Was empfehlen Sie denn Menschen, die nicht das große Glück einer so großen Familie haben? Würden Sie denen empfehlen, in die Kirche zu gehen, wenn sie krank werden?

Patricia Kelly: Ich bin kein Ratgeber, aber ich denke, dass jeder Mensch eine innere Stimme hat, auf die man hören sollte. Mir haben die Stille und der Glaube immer geholfen, aber ich kenne auch Menschen, die nicht gläubig sind und trotzdem eine sehr gute Verbindung zu sich selbst haben und ein Gespür dafür, was sie und andere brauchen. Wenn jemand nicht glaubt, sind aber natürlich gute Freunde wichtig. Wer weder Freunde noch Familie hat, sollte zu einer Selbsthilfegruppen gehen. Da haben die Menschen die Möglichkeit, ihr Leiden zu teilen, wodurch es weniger wird, und es entstehen auch Freundschaften. Auf jeden Fall würde ich versuchen, die Isolation zu meiden. Ich glaube, wir brauchen immer etwas oder jemand. Wir sind keine Einzelgänger. Gerade in solchen Situationen brauchen wir eine Hand. Und so eine Hand gibt es für jeden von uns da draußen. Diesen einen guten Freund, einen Schutzengel. Da bin ich optimistisch.

Was ist das für ein Gefühl, dass Sie den Menschen mit Ihrem Buch Hoffnung machen können?

Patricia Kelly: Ich weiß nicht, inwiefern ich Menschen helfe. Ich sehe mich nicht als große Heldin. Ich bin auch nur eine kleine Mutter und Künstlerin. Was ich mir aber wünsche, ist, dass ich den Menschen etwas Gutes geben kann, vielleicht Erleichterung, kleine Momente der Erhebung, auch mit meiner Musik. Ich kann mir mein Leben nicht ohne Musik vorstellen. Für meine Seele ist es eine Art sich auszudrücken. Es gibt mir Kraft.

Was finden Sie, was man im Leben unbedingt getan haben sollte?

Patricia Kelly: Man sollte wirklich geliebt haben. Das ist für mich die Nummer 1. Ich spreche da nicht von romantischer Liebe. Also wenn ich auf meinen Sterbebett liege und auf mein Leben zurückblicke, da werde ich bestimmt nicht sagen „Zeigt mir nochmal meine goldenen Schallplatten“, sondern ich werde die Menschen nochmal sehen wollen, die ich geliebt habe.

Als Ihr Vater 2002 gegangen ist, haben sie alle gemeinsam um sein Sterbebett herum geschlafen. Wie ist denn heute der Kontakt unter den Mitgliedern der „Kelly Family“?

Patricia Kelly: Ich bin sehr eng mit den meisten Geschwistern, wobei ich lügen würde, wenn ich sagen würde mit allen. Wir sind zwölf Geschwister und das ist ganz normal, dass man sich besser mit dem ein oder anderen versteht. Natürlich streitet man sich auch manchmal. Aber ich telefoniere jeden Tag mit einem meiner Geschwister, sie bedeuten mir sehr viel. Ich liebe jeden einzelnen von ihnen sehr. Und je älter ich werde, umso mehr weiß ich das Geschenk meiner Eltern, diese Geschwister , zu schätzen - mit all ihren Macken und Mocken. Und ich hoffe, sie mich auch.

Sie waren kurz davor ins Kloster zu gehen, als Sie ihrem heutigen Ehemann vorgestellt wurden. Inzwischen sind sie 13 Jahre verheiratet und 15 Jahre zusammen. Wie schafft man das, seine Liebe lebendig zu halten?

Patricia Kelly: Wenn ich das Rezept hätte, ich würde es jedem erzählen, der ganzen Welt, ich wünschte, jeder könnte so glücklich sein! Aber ich hab' keine Rezept und ich glaube, schaffen ist nicht das Wort für mich, ich schaffe nicht, ich empfange. Ich empfange diese Liebe und behüte sie sorgfältig. Ich achte darauf und – natürlich werde ich auch in Versuchung geführt, jeder von uns wird das – aber es kommt darauf an, diesen kleinen Schatz zu bewahren, mit allen Mitteln. Ich kann nur danken, danke Leben, danke Gott, für diesen wunderbaren Mann - der mich manchmal auch nervt.

Patricia lacht herzlich. Bestimmt auch in Erinnerung an die zahllosen Verkupplungs-Versuche ihrer Geschwister, die damals unbedingt verhindern wollten, dass Patricia sich für ein Leben als Nonne entscheiden würde. Ihr heutiger Ehemann Denis beeindruckte sie auch dadurch, dass er sie vor den Augen ihres Vaters und ihrer Geschwister bei einer Silvester-Feier zum Tanz aufforderte. 2001 heiratete Patricia ihren „russischen Prinzen“, der in Moskau Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Heute lebt sie mit ihm und ihren zwei Söhnen, Alexander und Ignatius, in Nordrhein-Westfalen.

Irland, Spanien, Amerika, Deutschland - Patricia, Sie haben in so vielen Ländern gelebt, haben Sie den Eindruck, dass in anderen Ländern anders geliebt wird?

Patricia Kelly: Oh, das ist eine sehr interessante Frage, da könnte man ein Buch drüber schreiben! Nein! Ich glaube, dass Liebe universell ist. Es gibt kulturell bedingte Unterschiede. Die Deutschen trinken Kaffee ohne Ende und die Iren trinken Tee. Die Spanier stehen viel später auf als die Deutschen, vor neun passiert da gar nichts. Aber bei der Liebe, da gibt es keine Unterschiede. Es gibt aber Kulturen, wo zum Beispiel weniger gekuschelt wird. Die Deutschen sind recht zurückhaltend. Es gibt Länder, wo die Leute öffentlich mehr zärtlich sind. Ich und mein Mann sind sehr zärtlich miteinander, auch auf der Straße, das macht uns nichts aus. Also jetzt nicht übertrieben, mal umarmen oder Küsschen oder so. Aber im Grunde wollen alle Menschen lieben und geliebt werden und das ist gut so. Wenn wir das Geheimnis lüften würde, Junge, Junge… nur eines, das hat Thomas neulich gesagt. Er meinte „Patricia, eines hast du gemacht, du hast auf die große Liebe gewartet.“ Das hat mein Papa oft wiederholt: „Patricia, warte auf den Richtigen. Heirate nicht, bevor du nicht total verrückt nach dem Mann bist.“ Diesen Schritt, zu Heiraten, sollte man erst machen, wenn man wirklich mit vollem Herzen dabei ist. Das ist das einzige, was ich weiterempfehlen kann. Und nicht aufgeben, nach der Liebe zu suchen.

Bei so vielen Geschwistern, blieb da in der Familie genug Elternliebe für jedes Kind übrig?

Patricia Kelly: Natürlich hatte meine Mama immer ein Kind im Arm, immer. Aber die Tür zu ihrem Schlafzimmer war immer offen, sie war da, wenn ich mal das Bedürfnis hatte, ein Küsschen zu bekommen. Ich habe nie ein Defizit gespürt, obwohl sie wirklich viele Kinder hatte. Natürlich konnte sie nicht von morgens bis abends mit mir zusammen ein. Aber ist es das, was einem Kind gut tut? Das weiß ich nicht. Wahrscheinlich nicht. Ich glaube, wenn das Kind weiß, es kann jederzeit dorthin kommen, ein Küsschen bekommen und dann wieder in die große weite Welt raus, und wenn es da fällt, dass es dann wieder eine Zuflucht bei seiner Mama hat, ich glaube, das ist wichtig. Es kommt nicht auf die Menge an, sondern die Qualität. Meine Kinder sind auch ziemlich unabhängig, aber die wissen auch, Mama ist da, wenn sie mich brauchen.

Wie sieht denn heute ein perfekter Tag für Sie aus?

Patricia Kelly: Oh, den perfekten Tag gibt es nicht, aber es gibt perfekte Momente! Ich erwarte kein perfektes Leben, das wäre sehr oberflächlich und nicht realistisch. Das Leben ist ein Nehmen und Geben und es gibt Dinge, die uns Freude bringen und Dinge, die uns Schmerz bringen. Wenn ich ein perfektes Leben erwarte, werde ich immer wieder enttäuscht. Wenn ich weiß, es ist fifty-fifty und es kommt eine Leidensphase, dann gehe ich da durch und versuche zu denken „Irgendwann ist vorbei und kannst du wieder Freude haben“. Deswegen, ein perfekter Tag, wie würde der aussehen? Er würde losgehen, dass die Jungs morgens schreien „Mamaaa, wo ist mein Schultasche?“ „Maaama, der Alexander hat mir mein Handtuch weggenommen!“ „Nein, der hat meine Zahnbürste genommen!“ … Genauso fängt er an, dann gehen sie zur Schule und kommen wieder zurück und dann ... Patricia hält inne, lächelt glücklich … Ich sag' mal, schöne Tage sind natürlich im Urlaub, die sind außergewöhnlich schön. Da hat man keinen Stress, kein Beruf, Handy aus, Mails weg, dann ist man relaxt und kann sich auf die schönen Dinge einlassen. Aber auch nur einen gewissen Zeitraum.

In Ihrem Buch haben Sie geschildert, wie Ihr Vater sagte, Sie sollten das Glas nicht immer halb leer sehen. Jetzt klingen Sie so optimistisch!

Patricia Kelly: Vielleicht habe ich mich ein bisschen verändert. Ich bin schon optimistisch – aber ich bin auch sehr kritisch. Vor allem mir gegenüber. Zum Beispiel mein Berufsleben. Ich bin fast nie zufrieden mit meiner Arbeit. Es gibt Momente auf der Bühne, da fliege ich. Aber ich bin immer so, dass ich es noch besser machen will. Manchmal denke ich auch „Mensch Patricia, das ist ok so, genieße es“ – ja, ich habe auch meine Macken, aber wir arbeiten dran.

Welche sind denn Ihre liebsten Lieder aus der Zeit der „Kelly Family“?

Patricia Kelly: Ganz ehrlich, das Lied „First Time“ würde ich am liebsten nicht mehr singen. Ich kann es nicht mehr hören, obwohl ich es selbst komponiert habe. Aber ich tue es – aus Liebe zum Publikum. Wenn ich zu Bruce Springsteen gehe, der will wahrscheinlich auch nicht mehr „Born in the USA“ singen. Aber ich möchte das hören, da denke ich „Yeeah!“, weil da die ganzen Gefühle aus der Zeit wieder hochkommen. Meine Fans empfinden das genauso, und wenn ich sehe, wie viel Spaß sie daran haben, das Lied zu hören, dann macht es mir auch Freude. Was ich noch mag ist „I can’t help myself“. Das könnte jetzt noch im Radio laufen. Das ist ein sehr gutes Lied, aber es gab viele gute Lieder, ich weiß nicht, ich bin überfragt … aber bei den Videos, da ist „First Time“ unschlagbar.

Konzert-Termine und weitere spannende Infos veröffentlicht Patricia Kelly regelmäßig  auf ihrer Facebook-Seite .

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