PCO-Syndrom: Wie wird es behandelt?

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Die Symptome kennen viele. Doch kaum jemand vermutet, dass hinter schlechter Haut, Regelbeschwerden und Übergewicht oft ein und dieselbe Ursache steckt: Das POC-Syndrom
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Risikofaktor PCO-Syndrom

Das PCO-Syndrom ist vielen als Krankheit nicht bekannt, nur die Symptome. Aber wie wird das PCO-Syndrom behandelt?

Das Frauenleiden "PCO-Syndrom" hat nicht nur einen merkwürdigen Namen - es ist auch ziemlich schwer zu beschreiben. Denn es hat sehr viele Gesichter. Und deshalb bleibt es auch oft jahrelang von Ärzten unentdeckt, obwohl es die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter ist.

Die Rede ist vom PCOS, kurz für Polyzystisches Ovarialsyndrom. Bei Frauen, die daran leiden, läuft der Hormonhaushalt aus dem Ruder - es werden zu viele männliche Hormone gebildet. Die Ursachen dafür liegen in der Veranlagung. In Studien wurde festgestellt, dass es familiäre Häufungen des Problems gibt. Doch wer weiß schon, ob es der Tante oder Mutter auch so ging, wenn es bei ihnen ebenfalls nicht diagnostiziert wurde? So leiden die Betroffenen oft lange und ganz unnötig.

Was sind die Symptome?

Meist setzen die Beschwerden in der Pubertät ein. Doch weil sie so verbreitet und oft auch widersprüchlich sind, bringen viele Ärzte sie nicht in einen übergeordneten Zusammenhang.

Viele Frauen haben starke Zyklusstörungen. Die Periode kommt sehr unregelmäßig, ist besonders stark, oder der Zyklus ist länger als normal. Es kann auch passieren, dass Eisprung und Periode ganz ausfallen.

Es kann zu Haarausfall kommen. In seiner Form ähnelt er dem typisch männlichen Haarausfall im Scheitelbereich.Oder es setzt ein vermehrter Haarwuchs ein. Härchen sprießen an Stellen, wo sie bei Frauen nicht hinge hören, etwa am Kinn, im Wangenbereich oder auf der Brust.

Oftmals ist die Haut unrein, fettig und neigt zu Akne, auch noch lange nach der Pubertät. In sehr vielen Fällen geht PCOS mit Übergewicht einher. Keine Diät funktioniert. Das liegt an einer weiteren typischen Begleiterscheinung: der verminderten Empfindlichkeit gegenüber Insulin. Das Hormon sorgt für die Aufnahme von Zuckermolekülen aus dem Blut in die Zellen. Im Fall einer Insulinresistenz reagieren die Zellen aber nicht mehr auf das Signal. Als Folge produziert die Bauchspeicheldrüse immer größere Mengen Insulin, überflutet den Körper regelrecht damit. Der permanent erhöhte Spiegel blockiert den Abbau von Fett und fördert zugeich dessen Einlagerung. Die betroffenen Frauen nehmen stetig zu, ohne zu wissen, warum. Hier beginnt ein Teufelskreis, denn das Insulinbombardement hat noch eine weitere Folge: Die Eierstöcke reagieren darauf mit der Produktion von männlichen Hormonen (Androgenen). Und die wiederum verstärken ihrerseits das PCO-Syndrom.

Nicht zuletzt führt PCOS bei sehr vielen betroffenen Frauen dazu, dass sie Probleme haben, schwanger zu werden. Tatsächlich ist das Polyzystische Ovarialsyndrom sogar eine der häufigsten Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit. Weil die Eizellen durch den erhöhten Spiegel männlicher Hormone nur mangelhaft heranreifen oder der Eisprung ganz ausbleibt, kann auch keine Befruchtung stattfinden. Meist fällt das Problem dann auf, wenn die Frauen wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches zu einem Spezialisten gehen.

Wie wird das PCO-Syndrom behandelt?

Die Behandlung variiert von Fall zu Fall. Die Veranlagung, ein PCO-Syndrom zu entwickeln, ist Schicksal. Und das Syndrom bleibt auch ein Leben lang bestehen.

"Doch obwohl es nicht heilbar ist, lässt es sich gut in den Griff bekommen", sagt Prof. Dr. Ludwig. "Die Therapie richtet sich ganz nach der jeweiligen Patientin, ihren persönlichen Symptomen und ihrer aktuellen Familienplanung", so der Experte.

Oft reicht es bereits, Gewicht zu verlieren. Dann normalisiert sich der Zyklus, die Beschwerden lassen nach, die Fruchtbarkeit wird wiederhergestellt. Bei Frauen, die mit Übergewicht und Insulinresistenz kämpfen, hilft das Diabetes-Medikament "Metformin". Es reguliert den Insulinstoffwechsel und es werden weniger männliche Hormone gebildet.

"Wir empfehlen diesen Patientinnen auch immer eine Ernährungsumstellung. Sonst kämpfen sie weiter gegen Windmühlen", so der Mediziner.Ideal ist eine kohlenhydratarme Kost. "Die Logi-Methode greift beim PCO-Syndrom bestens", sagt Ernährungs beraterin Heike Lemberger aus Hamburg. "Bei dieser Ernährungs form isst man vorzugsweise Lebensmittel mit einer niedrigen Blut zuckerwirkung. Das sind beispielsweise Gemüse, mageres Fleisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fisch oder Eier", erklärt Heike Lemberger, die viele betroffene Frauen berät.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann der Eisprung auch durch Hormongaben gefördert werden. "Normal gewichtigen Patientinnen, die aktuell keinen Kinderwunsch haben, kann die Verschreibung einer niedrig dosierten Pille mit antian drogener Wirkung helfen", sagt Prof. Dr. Ludwig.

Eine weitere Möglichkeit der Therapie ist ein operativer Eingriff. Dabei wird ein Teil des Eierstockgewebes entfernt, um die Produktion der männlichen Hormone zu mindern

Infos und Hilfe:

Weil das Krankheitsbild recht komplex ist, besteht oft noch Aufklärungsbedarf.

Selbsthilfegruppe: Informationen und Tipps von anderen betroffenen Frauen erhalten Sie bei der PCOS-Selbsthilfe Deutschland e. V. (www.pcosselbsthilfe.org). Unter Tel.: 07 00/01 23 72 67 erreichen Sie ein Beratungstelefon. Sprechzeiten: dienstags 9 bis 11 Uhr, mittwochs 18 bis 20 Uhr und donnerstags 20 bis 21.30 Uhr.

Bei Fragen hilft auch das Endokrinologikum Hamburg gern weiter. E-Mail an: gyninfo@endokrinologikum.com

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