Personal Trainer

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Motivationskitzel

Eva nörgelt, sie sei zu dick. Ich bin genervt und beschließe, Ihr Training mit einem Personal Coach zu schenken. Ich hoffe, das hilft!

Eva fängt schon wieder damit an. Der Hintern. In der neuen Drykorn - zu fett. Kein Kugel-Popo. Eher ein Ballen. Es wäre so erbärmlich! Sie ist eine Freundin. Aber es beginnt doch, zu nerven. Dieses Genörgel hat vorher immer Sven abbekommen, aber seit Eva Single ist, geht's direkt an mich. Ich ahne, was ein Mann alles falsch machen kann, als ich etwas von Taschen und Nähten murmle, die einfach nur ungünstig aufgesetzt wurden. Ein waidwunder Blick fällt erst auf mich, dann wieder auf den Hintern im Spiegel. "Du findest es also auch." Das reicht. Ich muss diese Verantwortung abgeben. An einen Mann.

Besser: an einen Personal Trainer.

Man kann beim Erlebnisportal von Jochen Schweizer diese Trimm-dich-Tyrannen als Geschenk buchen. Und genau das tue ich. Kurz darauf meldet sich das Geschenk bei mir - und heißt: Harry Schwimmer. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Ich erläutere das Problem und schlage ihm vor, mit Eva durch den Englischen Garten zu joggen. Vielleicht könnte er dabei ja sogar irgendetwas Löbliches zur Muskulatur ihres Pos sagen. Oder besser, ihn anerkennend mustern. Ist das nicht so ein Ding, was Männer perfekt beherrschen? Anerkennend zu mustern? Harry grinst durchs Telefon. Er würde auch eine rosa Schleife tragen, wenn es unbedingt nötig wäre. Trotzdem rät er von der Parknummer ab. Eine Stunde bei Eva zu Hause wäre effektiver. Zusammen könnten sie einen Trainingsplan erstellen, der im Arbeitsalltag leicht unterzubringen ist - und auf Evas angebliche Schwachstelle zugeschnitten.

"Letztlich", meint Harry, "geht es einfach nur um Bewegung. Genauer gesagt, um Bewegungen, die man sich angewöhnen muss. Das kommt einem dann gar nicht wie Sport vor, sondern wird in den Tagesablauf mit integriert. Wie Zähneputzen. Am Besten, man schreibt sich kleine Übungen auf Post-its und bringt sie dort an, wo man die Work-outs durchführen könnte. Im breiten Türsturz etwa: Den Rücken ans Holz drücken, in Sitzposition gehen - als ob ein Stuhl unterm Po wäre -, die Beine leicht nach außen gegrätscht - im rechten Winkel. Ist super für den Po. Und man kann gleichzeitig sogar telefonieren. Geht also auch mal im Büro." Den Motivationskitzel "Jeans" findet er super. Besser als den BMI, da man in der Jeans wirklich ein Ergebnis sieht. Irgendwann (hoffentlich!).

Harry ist also wenige Tage später tatsächlich bei Eva. Er zeigt ihr, wie man verlorene Minuten nutzen kann. Etwa, wenn man auf den Bus wartet, allein im Aufzug ist oder auch nur am Bürostuhl sitzt und merkt, dass man sich ganz dringend mal strecken sollte. Als wir uns das nächste Mal treffen, trägt Eva die Drykorn. Hoppla! Das war nicht nur der Türsturz. Da hat doch irgendjemand anerkennend gemustert!