Plain Packaging: Zigaretten bald im Einheitslook?

plain packaging
Noch gibt es eine unendliche Anzahl an Verpackungsdesigns. Das könnte aber bald der Vergangenheit angehören.
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Zigaretten haben einen äußerst fragwürdigen Prestige-Wert. Welche Marke wird geraucht, welche Verpackung hat das edelste Design, den schicksten Font und die eleganteste Farbkombination? Auch für die Haptik wird einiges getan: Erhebungen, unterschiedliche Verpackungsmaterialien. Der Konsument soll sich rundum wohlfühlen und dabei am besten ganz vergessen, dass er etliche Giftstoffe pro Zug inhaliert.

Tabakkonzerne haben in den letzten Jahrzehnten Hunderte Millionen von Dollar in ihre Produktgestaltung gesteckt und optimieren ihren spezifischen Look fortlaufend. Dieser Werbestrategie soll nun Einhalt geboten werden. Dabei macht Australien den ersten Schritt.

Dort kann man bereits seit Ende 2012 nur noch Zigaretten im Einheitslook erwerben. Selbst der Markenname wird dabei strikt in dem standardisierten Font „Lucia Sans“ gehalten, klein gedruckt, irgendwo unten, kaum bemerkbar. Die restliche Fläche besteht aus Aufdrucken, die kranke Menschen zeigen und großflächig angelegte Warnhinweise zieren die Frontseite, alles in einem dunklen Grünton gehalten.

Plain Packaging

Das sogenannte Plain Packaging (schlichte Verpackung) erregt nun auch das Interesse der europäischen Staaten. England gab erst kürzlich bekannt, dass noch vor den Neuwahlen im Mai über diese Uniformierung der Zigarettenschachteln abgestimmt werden soll. Auch Frankreich, Norwegen und die Türkei fordern das Plain Packaging.

Für die Tabakkonzerne ein absoluter Albtraum. Seit Jahren verschärfen sich die Gesetze zur Bewerbung ihrer Produkte stetig. Die Verpackungsgestaltung ist eines der letzten Hoheitsgebiete, um Zigaretten für Kunden schmackhaft zu machen, sie auf ihre Seite zu ziehen. Natürlich fällt der Widerstand umso heftiger aus.

Tabakkonzerne wehren sich

Die Konzerne schließen sich zusammen und plädieren auf einen Angriff auf das Eigentumsrecht. Philip Morris droht der britischen Regierung mit einem Prozess vor dem internationalen Schiedsgericht. Philip-Morris-Manager Marc Firestone äußert sich zu dem Sachverhalt außerdem folgendermaßen: „ Wir sind vorbereitet, unsere Rechte zu schützen und Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für den Wert unseres Eigentums zu erheben“.

Weiter argumentieren Hersteller, wie BAT (British American Tobacco), dass Einheitspackungen Preiskämpfe, Schmuggel und Produktpiraterie fördern und führen zum Beweis Studien aus Australien an.

Australiens Raucherzahl ist dagegen so niedrig wie nie und schreibt das zu einem Großteil eben dem Plain Packaging zu. Die Schachteln versprühen keinen Esprit und symbolisieren kein Zeichen für Zugehörigkeit, was das Rauchen gerade für Jugendliche unattraktiver macht, so Australiens Gesundheitswissenschaftler Chapman.

Nur 12,8 Prozent aller über 14-Jährigen rauchen in Australien, in Deutschland sind es doppelt so viele.

Einheits-Look auch in Deutschland?

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Hier müssen sich die Konzerne vorerst noch keine Gedanken über die Einheitspackungen machen. Die Bundesregierung verfolge zurzeit keine Intention hingehend zum Plain Packaging. Sollten unsere EU-Nachbarn aber wie geplant vorlegen, könnte sich das ganz schnell ändern.

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