Positive Lügen: Wann Frauen Emotionen spielen

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Warum Frauen in der Liebe manchmal lügen.
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Lügen in der Liebe - Warum der Partner nicht alles wissen muss

Ein Mann gibt sich als Frau aus, um herauszufinden, wie Frauen auf Lügen reagieren. Danach ist er überzeugt: Die Liebe braucht immer wieder positive Lügen. Was es damit auf sich hat.

Tim Rohrer ist ein Mann, der sehr gerne die Frauen verstehen möchte. Darum verwandelt er sich immer mal wieder selbst in eine - und nennt sich Madame Missou. Als diese widmet er sich Themen wie der Suche nach dem Glück und Tricks für mehr Gelassenheit und schreibt dazu Ratgeber. Bei seinem letzten Experiment als Madame Missou hat Tim Rohrer recherchiert, wie Frauen und Männer auf Lügen reagieren und herausgefunden: Manchmal ist eine Lüge viel besser für die Liebe! Aber ist nicht jede Lüge in der Liebe ein Vertrauensbruch? Wir haben Tim, alias Madame Missou, zu seiner besonderen Mission befragt.

"Frauen können Emotionen bewusst verstärken"

Herr Rohrer, haben Sie als Madame Missou den Eindruck bekommen, dass Frauen anders als Männer lügen?

Tim Rohrer: Männern fällt es oftmals schwerer, über ihre Gefühle zu sprechen und lassen diese nicht selten im Verborgenen. Sie wirken auf ihre Partnerin dann undurchschaubar und zurückgezogen. Dies birgt natürlich für Männer ein Potenzial zum Lügen, um sich der Hemmung vor Gefühlsaussprachen nicht zu stellen. Andererseits können Frauen, die sehr emotional sind, diese Emotionen auch bewusst verstärken und gar spielen. Ihre männlichen Partner, die im Senden und Empfangen von Emotionen nicht so stark sind, fällt es dann besonders schwer, die Echtheit der Emotionen zu erkennen.

Wann meinen Sie, sollte ich meinen Partner anlügen?

Tim Rohrer: Zu allererst sollte man sich bewusst machen, dass eine gelingende Partnerschaft immer von zwei menschlichen Wesen geführt wird, die weder perfekt noch frei von Fehlern sind. Dies sollte sich jeder Partner bewusst machen, da wir unbewusst einen nicht erfüllbaren Erwartungskatalog mit uns herum tragen. Gern halten insbesondere Frauen an einem romantischen Ideal der Symbiose fest. Leider ist diese Vorstellung weder realistisch noch gesund. Niemand darf sich selbst aufgeben, um eine „glückliche“ Partnerschaft zu führen. Daher kann man von sich selbst und dem Partner nicht erwarten, in der Partnerschaft allzeit absolut ehrlich zu sein.

Aber ist denn nicht jede Lüge in der Liebe ein Vertrauensbruch?

Tim Rohrer: Beim Thema Lügen muss man selektieren und zwischen positiven und negativen Lügen unterscheiden. Würden wir in den kleinen Dingen des Lebens immer stets die volle Wahrheit preisgeben, würde das keinesfalls das Vertrauen innerhalb der Partnerschaft stärken, sondern ganz im Gegenteil die Beziehung langfristig zerstören. Wiegen die durch die Unwahrheit provozierten Folgen schwerer als der persönliche Vorteil, sollte die Lüge besser unterlassen werden. Daher gilt: Positive Lügen in mäßigen Dosen sind gut, negative Lügen sind destruktiv. Dabei sind folgende Fragen von Bedeutung, um die Unterscheidung zu erkennen:

1. Lüge ich meinen Partner an, um mich selbst zu entlasten und nehme dabei in Kauf, meinen Liebsten bzw. meine Liebste zu enttäuschen?

2. Oder lüge ich, um den anderen zu schützen, zu bestärken und damit der Beziehung etwas Gutes zu tun?

Fakt ist, dass in keiner Beziehung eine Pflicht zur Wahrhaftigkeit gilt. Niemals zu lügen ist nicht möglich, weil es einfach der menschlichen Natur entspricht.

Wie kann ich überzeugend lügen, wenn es notwendig ist?

Tim Rohrer: Überzeugende Lügen sind nicht gänzlich erlogen, sondern bleiben möglichst nahe bei der tatsächlichen Wahrheit. Kurz gesagt: Die halbe Wahrheit ist die beste Wahrheit. Mit dieser Lügenstrategie kann man sich leichter an die Lüge erinnern, da man sich nicht viele neue Details merken muss. Ein überzeugender Lügner findet die richtige Balance zwischen Zustimmung und Widerspruch und kann mit dieser Methode sozial überaus erfolgreich und glaubhaft erscheinen. Je mehr man sich die Lüge verinnerlicht und zu Eigen macht, desto überzeugender erscheint man beim Gegenüber.

"Geben Sie die Lüge besser gleich zu"

Und wie kann ich mich retten, wenn meine Lügen auffliegen?

Tim Rohrer: Die Reaktion hängt von der Art der Lüge, der Situation des Ertappens sowie dem eigenen Temperament ab. Grundsätzlich ist zu raten, ruhig zu bleiben und die Unwahrheit besser gleich zuzugeben. Viele Lügner begehen den Fehler, ihre aufgeflogene Lüge mit einer weiteren Vertuschungslüge zu überdecken. Diese Taktik geht im meisten Falle daneben. Einen Fehler zuzugeben, zeugt von einem souveränen, erwachsenen Charakter und macht deutlich, die möglichen Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Die Wahrheit kann oft befreiend sein, auch wenn sie fürchterlich schmerzt .

Wie kann ich nach einer enttarnten Lüge wieder Vertrauen aufbauen?

Tim Rohrer: Ist das Vertrauen erst einmal zerstört, lässt es sich nur schwer wieder aufbauen. Daher sollte man präventiv stets bemüht sein, einen offenen Vertrauensbruch nicht geschehen zu lassen. Wichtig ist es, die Kommunikation am Leben zu erhalten und ebenso Grenzen aufzuzeigen, worüber man nicht sprechen möchte, ohne sich mit einer erneuten Lüge zu schützen. Weitere Tugenden wie Verlässlichkeit und Loyalität sind Grundbausteine, die das Vertrauen nach und nach wiederherstellen können. Zu allerletzt sollte die Wertschätzung gegenüber dem Partner stets gezeigt werden. Mit einer offenen, herzlichen und zugewandten Art lässt sich neues Vertrauen gewinnen.

"Frauen wissen prosoziale Lügen besser zu schätzen"

Wer verkraftet Lügen besser: Frauen oder Männer?

Tim Rohrer: Das hängt sehr von der Person, seiner Geschichte, seinen Erfahrungen und der Sozialisierung ab. Ausschlaggebend ist vor allem die Art der Lüge. Frauen verstehen und ertragen prosoziale Lügen wie „ Dein Kleid sieht umwerfend an dir aus “ besser als Männer, da Frauen den Wert der prosozialen Komponente in der Lüge besser verstehen und damit würdigen können.

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