Primark-Skandal nur inszeniert?

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Steckt hinter dem Primark-Shitstorm eine Guerilla-Kampagne?

Über Primark bricht derzeit ein Shitsorm herein. Grund: Mehrere SOS-Botschaften von ausgebeuteten Arbeitern sollen in Kleidungsstücken gefunden worden sein. Skandal oder Fake? Wir haben den Fall genauer unter die Lupe genommen.

Erneut steht die irische Billig-Modekette Primark in der Kritik. Ein Kleid für unter 10 Euro? Das wirft sowieso schon einmal viele Fragen auf: Wie kann Primark solch niedrige Preise überhaupt anbieten? Bekommen Arbeiter, die für Primark Kleidung herstellen, einen existenzsichernden Lohn? Und wie steht es bei dem Günstig-Label um Themen wie Ethik, Arbeitsbedingungen oder Umwelteinfluss?

Der neue Etiketten-Skandal , bei dem verschiedene Kunden anonyme Botschaften auf den Wäscheanleitungen in ihren Primark-Kleidungsstücken gefunden haben sollen, wirft all diese Zweifel wieder auf. Doch steckt hinter dem Primark-Shitsorm eine gewiefte Guerilla-Kampagne? Immer mehr solcher Stimmen werden laut.

Wir haben uns die Fakten genauer angeschaut:

Der Zeitpunkt

Drei Etiketten mit anonymen Botschaften sind in den vergangenen Tagen aufgetaucht. Das Kleid mit dem eingenähten "forced to work exhausting hours" ("Gezwungen bis zur Erschöpfung zu arbeiten") von Primark-Kundin Rebecca Gallagher , eine andere Kundin berichtet über den Spruch "Degrading Sweatshop Conditions" ("Entwürdigende Bedingungen eines ausbeuterischen Betriebs") in ihrem Kleid. Das dritte Zettelchen soll eine in asiatischen Schriftzeichen verfasste Klage einer Arbeitskraft sein. Über dieser letzten Beschwerde, in der menschenunwürdige Arbeitsbedingungen beschrieben werden, prangen die Wörter "SOS! SOS! SOS!". Ursprung dieser Nachricht soll ein chinesisches Gefängnis sein.

Die Fundorte

Die beiden auf Englisch verfassten Nachrichten, welche die Kundinnen in ihren Kleidern gefunden haben sollen, wurden im walisischen Swansea gekauft. Die letzte chinesische Botschaft tauchte in Belfast auf. Auch wenn Primark in Großbritannien mit etwa 250 Filialen besonders stark vertreten ist, ist die Konzentration auf nur ein Land auffällig.

Die Sprache

Beispielsweise in Bangladesch, wo Primark unter anderem produziert, herrscht eine Analphabeten-Quote von etwa 55 Prozent, darüber hinaus sind schätzungsweise 70 Prozent aller Frauen Analphabetinnen. Die Vermutung, dass die versteckten, englischen Botschaften von einer Näherin stammen, scheint unwahrscheinlich.

Erwerb der Ware

Primark gibt an, dass die beiden Kleider, in denen die Etiketten aufgetaucht sein sollen, bereits seit 2013 nicht mehr im Sortiment sind. Die Kundinnen hingegen gaben an, die Kleider neu gekauft zu haben. Auch die Hose aus Belfast soll seit 2011 im Besitz der Kundin sein, laut Primark gab es das Modell aber zuletzt 2009 in den Shops.

Fazit

Wer genau hinter den aufgetauchten Hilferufen in Waschanleitungen bei Primark steckt, ist derzeit nicht auszumachen. Ob tatsächlich betroffene Näherinnen dahinter stecken oder doch Personen in Großbritannien, die eine Diskussion über die Arbeitsbedingungen von Billig-Modeketten anstoßen wollten - der Skandal ist da. Und was bleibt, sind Boykott-Aufrufe, ein Medien-Echo aus der ganzen Welt und ein Shitstorm im Social Web.

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