Psychologie: Was bedeutet mein Gekritzel?

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Was steckt eigentlich hinter all den Nebenbei-Kunstwerken?

Ein paar Quadrate im Terminkalender, eine Blumenwiese auf dem Notizblock... In Meetings oder beim Telefonieren verzieren wir oft ganze Seiten, ohne groß darüber nachzudenken. Was das Nebenbei-Gekritzel über uns verrät - und warum es richtig sinnvoll ist.

Gemütlich sitzen wir auf dem Sofa und telefonieren mit unserer besten Freundin. Mit ihrem Redeschwall kaut sie uns gerade ein Ohr ab. Wie von selbst führt unsere Hand da plötzlich ein Eigenleben und kritzelt auf einem Papier herum. Malt ein paar Blümchen. Oder Kringel. Oder Jedi-Schwerter ...

Diese kleinen Bildchen haben eine größere Bedeutung, als wir ahnen. Der Psychologe Alfred Gebert hat das Phänomen untersucht: "In dem Moment, in dem wir nebenbei etwas kritzeln, offenbaren wir mit den Zeichnungen unsere Stimmung und Gefühle." Malen wir über einen längeren Zeitraum immer wieder das gleiche Symbol, lässt das sogar Rückschlüsse auf unseren Charakter zu. Auch die Art, wie wir vor uns hinkrickeln, gibt Aufschluss über uns: Schmieren wir unser Gekritzel kreuz und quer übers Blatt, sind wir auch sonst eher chaotisch. Ordnen wir unsere Kunstwerke harmonisch an, sind wir ein sorgfältiger Mensch. Auf dem ganzen Blatt das Gleiche zu malen, zeugt von einem hohen Maß an Ausdauer und Ruhe. "Mit dem Alter kritzeln wir allerdings immer weniger, da wir uns mehr kontrollieren", erklärt Gebert.

Wer nun denkt, dass sein Gegenüber nicht zuhört, weil der hingebungsvoll seinen Zettel verschönert, irrt. "Durch das Zeichnen erhöht sich unsere Aufmerksamkeit sogar, weil es den Geist am Abschweifen hindert", so Gebert. Das zeigte sich bei einer Studie der britischen Universität Plymouth, bei der die Probanden sich eine lange Gästeliste merken sollten. Ergebnis: Diejenigen, die nebenbei gekritzelt haben, konnten sich an bis zu 29 Prozent mehr Namen erinnern.

Tun Sie sich bei der nächsten Konferenz also keinen Zwang an. Aber malen Sie keine Inseln - sonst ahnt Ihr Chef noch, dass Sie gerade lieber auf Bali wären ...

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