Psychotherapie: Wenn die Seele zum Arzt muss

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Eine Psychotherapie umfasst in der Regel 25 Sitzungen. Dass sie wirkt, ist belegt.
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Die wichtigsten Fragen

Manchmal kommt man mit seinen Problemen allein nicht mehr weiter. Holen Sie sich Hilfe und nehmen Sie eine Psychotherapie in Anspruch. Das müssen sie wissen.

Brauche ich eine Psychotherapie?

Seelische Hochs und Tiefs gehören zum Leben. Doch wenn Niedergeschlagenheit, Angst oder andere psychische Probleme immer wieder auftreten und tagelang anhalten (Ausnahme Trauerfall), sollten Sie sich einige Fragen stellen: Kann ich meine tägliche Arbeit nur noch mit Mühe verrichten? Kann ich mich Freunden anvertrauen oder versuche ich, meine Probleme zu vertuschen? Fällt die Veränderung auch anderen auf? Schlafe ich schlecht oder zu viel? Fühle ich mich besser mit Alkohol? Bin ich oft krankgeschrieben? Wenn Sie zwei oder mehr Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen.

Wie finde ich einen Experten?

Sie können sich direkt und ohne Überweisung an einen Psychotherapeuten wenden. Leider gibt es hierzulande zu wenige Experten mit staatlicher Behandlungserlaubnis (Approbation) und Kassenzulassung. Eine Liste finden Sie auf den Internetseiten der Kassenärztlichen Vereinigung Ihres Bundeslandes. Die Wartezeit auf ein Erstgespräch kann allerdings mehrere Monate dauern.

Wann sollte ich zum Psychater?

Um überhaupt die Kraft zu finden, sich um eine Psychotherapie zu kümmern, kann es in vielen Fällen hilfreich sein, sich erst einmal Medikamente verschreiben zu lassen. Dafür ist der Psychiater zuständig - dort bekommen Sie häufig auch rascher einen Termin. Fragen Sie Ihren Hausarzt.

Wie umgehe ich die Wartezeiten?

Versuchen Sie, bei mindestens fünf Therapeuten in absehbarer Zeit einen Termin zu bekommen. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, die Namen und die jeweilige Wartezeit - diesen Beleg brauchen Sie für die Krankenkasse. Denn wenn die Wartezeit länger als drei Monate beträgt, dürfen Sie auch einen Therapeuten wählen, der keine Kassenzulassung hat. Fragen Sie, ob "Fachkunde in einem Richtlinienverfahren" vorliegt - sonst zahlen die Kassen nicht.

Tag und Nacht ist die telefonische Psychotherapie erreichbar: 0800/1110111 oder 0800/1110222 (kostenfrei).

Wann zahlt die Kasse?

Eine Psychotherapie muss vorab bei der Krankenkasse beantragt werden. Antragsformulare haben die Therapeuten. Hat der Therapeut keine Kassenzulassung, ist das Verfahren komplizierter: Sie brauchen eine Bescheinigung vom Hausarzt, dass eine Therapie notwendig und unaufschiebbar ist. Außerdem müssen Sie einen formlosen Antrag auf Übernahme der Kosten stellen. Ein Musterschreiben finden Sie auf der Internetseite der Bundespsychotherapeutenkammer: www.bptk.de (Ratgeber: Kostenerstattung). Falls die Kasse den Antrag ablehnt, können Sie Widerspruch einlegen, auch dazu gibt es einen Musterbrief.

Psychotherapie oder Coach?

Manchmal helfen schon ein, zwei Gespräche mit einem Experten, um wieder klarer zu sehen. Wer dafür den Aufwand mit Telefonaten, Wartezeit und Kassen-Antrag scheut, sollte im Bekanntenkreis nach einer Empfehlung für einen guten Coach fragen. Diese Berater sind keine Psychotherapeuten, können aber etwa bei Problemen im Job helfen. Kosten: ab 80 Euro pro Stunde. Noch einfacher sind Online-Therapien: Ein Erstgespräch ist schon ab 20 Euro zu haben. Seriöse Anbieter hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen aufgelistet: www.bdp-verband.de/service/onlineberater.html

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