Real oder bloß Einbildung: Neue Studie zu Nahtoderfahrungen veröffentlicht

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Schließlich sehen wir ein gleißend helles Licht am Ende des Tunnels: Bloß ein Klischee oder tatsächlich real?
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Was wir sehen, wenn das Ende kommt

Was passiert, wenn wir sterben? Die bisher größte Studie zum Thema Nahtoderfahrungen gibt nun eine Antwort auf diese bewegende Frage.

Bisher haben sich ernst zunehmende Wissenschaftler eher skeptisch über Berichte von Nahtoderfahrungen geäußert. Klischeehafte Schilderungen von gleißenden Lichtern und Stimmengewirr werden gemeinhin als Halluzinationen abgetan.

In der Fachzeitschrift "Resuscitation" ist jetzt jedoch ein Artikel erschienen, der die Ergebnisse der bisher größten publizierten wissenschaftlichen Studie zum Thema Nahtoderfahrungen schildert. Mitarbeiter der University of Southampton in Großbritannien werteten die Daten von insgesamt 2060 Patienten aus, die einen Herzstillstand erlitten. Die 330 überlebenden Patienten wurden hinterher nach ihren Eindrücken gefragt. Erfasst wurden die Daten über einen Zeitraum von vier Jahren.

Nahtod-Studie überrascht mit spannenden Ergebnissen

39 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, den nahenden Tod bewusst zu erleben. An Details während des Herzstillstandes können sie sich jedoch nicht erinnern. Die Forscher vermuten, dass die meisten Menschen im Fall eines Herzstillstandes zunächst bei Bewusstsein sind, was aber dann durch die Verabreichung von Medikamenten und das Eintreten von Hirnverletzungen unterbunden werde.

Für eine Überraschung sorgten die Emotionen, von denen 46 Prozent der Befragten sprachen. Während des Vorfalls fühlten sie sich verfolgt und hatten Angst. Gefühlsregungen dieser Art werden selten im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen genannt. Nur neun Prozent aller Untersuchungsteilnehmer schilderten Erlebnisse, die gemeinhin mit dem nahenden Tod verbunden werden. Sie sahen ein helles Licht am Ende eines Ganges oder Tunnels oder sprachen davon Familienangehörige getroffen zu haben.

Außerkörperliche Erfahrungen schilderten nur zwei Prozent der Befragten. Sie gaben an, Dinge gesehen und gehört zu haben, die zum Zeitpunkt ihres Herzstillstandes um sie herum passiert sein.

In einem einzigen Fall konnte bestätigt werden, dass die geschilderten Ereignisse tatsächlich während des Herzstillstandes stattfanden. Obwohl sein Herz aufhörte zu schlagen, blieb ein Patient für drei weitere Minuten bei Bewusstsein. Er schildert, wie er von einer Ecke des Raumes aus seine eigene Reanimation beobachtete. Für die Ärzte ist dies erstaunlich. Im Normalfall stellt das Gehirn seine Funktion bereits 20 bis 30 Sekunden nach Einsetzen des Herzstillstandes ein. Erst wenn das Herz wieder anfängt zu schlagen, beginnt auch das Gehirn wieder zu arbeiten. Doch es konnte nachgewiesen werden, dass dies hier nicht der Fall war. Die Wahrnehmung des Patienten war tatsächlich noch aktiv - obwohl er vorübergehend tot war. Seine Beschreibungen stimmen genau mit den tatsächlichen Ereignissen überein.

Ziel der Studie ist es nicht nur, aufzudecken, was tatsächlich geschieht, während wir sterben, sondern auch einen Beitrag für die Behandlung von Herzinfarktpatienten zu leisten. Das bewusste Erleben eines Herzstillstandes könnte schließlich auch der Auslöser für ein posttraumatisches Stresssyndrom sein.

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