Mama-BlogRegretting Motherhood: Bereue ich es Mutter zu sein?

Ein Baby muss nicht für jede Mutter die richtige Entscheidung gewesen sein. Doch sie lässt sich niemals rückgängig machen.
Ein Baby muss nicht für jede Mutter die richtige Entscheidung gewesen sein. Doch sie lässt sich niemals rückgängig machen.
Foto: iStock

Mama-Bloggerin Anja erklärt, warum sie immer mal wieder an ihrer Entscheidung für Kinder zweifelt - und warum Mütter-Kritiker das aushalten müssen.

"Bereue ich es Mutter zu sein? Bei dieser Frage höre ich Dich schon regelrecht aufschreien. Und ja, an dieser Frage haben sich tatsächlich schon einige Experten die Zähne ausgebissen.

Vielleicht erinnerst Du Dich an die Regretting Mother-Diskussion, die vor einiger Zeit durch die Medien ging? Mütter, die zugegeben haben, dass sie es bereuen Kinder bekommen zu haben. Und Mütter, die ihnen genau deswegen alle möglichen Verwünschungen an den Kopf geworfen haben.

Und auch ich werde durch meine Texte immer wieder mit dem Thema Reue konfrontiert. Denn natürlich macht es mich schon nachdenklich, wenn die Kommentare lauten: „Warum hast Du denn Kinder bekommen?“, „Dieses ständige Mimimi ist doch völlig übertrieben“ oder auch „Hey, es gibt Leute mit wirklichen Problemen“.

Natürlich ist es unbestritten, dass es mir und meiner Familie sehr gut geht. Keiner von uns ist krank, wir haben genug zu essen und auch sonst keine größeren Tragödien zu beklagen. Und ich habe auch nicht wirklich einen Anlass, um behaupten zu können, dass ich es tief bereue Mutter geworden zu sein.

Aber trotzdem gibt es eben immer wieder die Momente, in denen ich denke: Warum habe ich mir das nur angetan? Warum um alles in der Welt habe ich denn 2 Kinder bekommen, statt nur einem?

Und weißt Du was: Ich denke, das ist auch mein gutes Recht. Ich darf so fühlen, ich darf so denken und ich darf das verdammt nochmal auch laut äußern. Warum denn auch nicht? Nur weil sich einige andere Menschen dadurch auf den Schlips getreten fühlen? Oder weil es sie zwar in ihren innersten Gefühlen berührt, sie das aber niemals zugeben würden? Na, mit Sicherheit nicht.

Ganz im Gegenteil: Je mehr andere mich dafür kritisieren und hämische Bemerkungen austeilen, desto dringender wird mein Wunsch genau diese Gedanken und Gefühle öffentlich auszusprechen. Weil es nach meiner Meinung in unserer Gesellschaft durchaus erlaubt sein sollte, einfach mal ehrlich zu sein. 

 

Und dazu gehört auch frei heraus zu sagen, wenn ich mal nicht so gut drauf bin. Oder negative Gefühle zu irgendetwas habe. Oder eben auch mal meine großen und kleinen Lebensentscheidungen in Frage stelle. Denn ich denke, nur wenn ich das tue, kann ich mich auch weiterentwickeln.

Und um die Frage am Anfang dieses Artikels zu beantworten: Nein, ich bereue es nicht Mutter zu sein.

Was ich aber bereue ist, wie ich auf viele Dinge in meinem Mamadasein bisher reagiert habe. Oder die Dinge, die ich in bestimmten Situationen in meinem Familienleben immer wieder denke und fühle. Denn sie tun mir nicht gut und meiner Familie auch nicht. Aber ich bin überzeugt: Wenn ich ehrlich bin, zu mir und auch zu meiner Familie, dann ist das doch ein guter Anfang um etwas daran zu ändern. Dann habe ich irgendwann vielleicht nichts mehr zu bereuen.

Und jeder, den es stört, dass ich meine Gedanken und Gefühle laut äußere, der möge doch bitte meine Texte nicht mehr lesen. Oder vielleicht auch, ganz insgeheim und für sich im stillen Kämmerlein, mal hinterfragen, wieso ihn meine Ehrlichkeit so stört.

Denn ehrlich ist besser als perfekt."

Deine Anja

Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
Anja Riemer-Grobe bloggt für Wunderweib.de über Familie und Mutter sein.
 

PS: Gibt es auch in deinem Familienleben Dinge, die Du bereust? Schreibe mir doch einen Kommentar und erzähle mir davon. Und wenn Du willst, dann komm doch in meine Mamafreude-Facebookgruppe. Dort sind wir schon eine tolle Gemeinschaft von Müttern, die sich einfach mal offen und ehrlich zu ihrem Familienleben austauschen wollen. Komm doch gern dazu! Ich würde mich freuen!

Über Anja:

Anja Riemer-Grobe ist konsequent-liebevolle Mädchenmama, Elternbegleiterin und Befürworterin eines wertschätzenden Miteinanders. Sie schreibt auf ihrem Blog unter www.anja-riemer.de über die Themen Familie, Beziehung und Bindung und hilft anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen.

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