FamilieRegretting Parenthood: Warum immer mehr Eltern ihr Kind bereuen

Inhalt
  1. So viele Eltern bereuen ihre Entscheidung pro Kind
  2. Regretting Parenthood: Die Gründe für das Bereuen
  3. Größtes Problem: Mangelnde Betreuungsmöglichkeiten
  4. Kein Raum mehr für die eigene Persönlichkeit
  5. Trotzdem lieben die Eltern ihre Kinder

Regretting Parenthood: Ein Fünftel der deutschen Eltern sagt, sie würden keine Kinder mehr bekommen wollen, wenn sie sich heute noch einmal entscheiden könnten - die Gründe sind verständlich.

Ein Kind zu bekommen gilt für viele Menschen als die Erfüllung eines Lebenstraums. Bestenfalls sind Kinder der Ausdruck einer großen Liebe und Zeichen großer Hoffnung für die Zukunft. Doch immer mehr Eltern in Deutschland bereuen ihre Entscheidung für Kinder, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts YouGov, die den Titel „Regretting Parenthood“ trägt. Befragt wurden 2.045 Personen, darunter 1.228 Eltern.

So viele Eltern bereuen ihre Entscheidung pro Kind

Elternsein ist beileibe nicht immer ein Traum. Der Nachwuchs hat seine eigenen Vorstellungen, wann Schlafenszeit oder was essbar ist und testet Grenzen aus. Die eigenen Interessen der Eltern bleiben zurück, genauso wie die berufliche Entwicklung vieler Mütter. Chefs haben selten Verständnis für Ausfallzeiten wegen Kindern und Kollegen ärgern sich über die Mehrarbeit. Für viele Eltern wird all das zu viel.

Ein Fünftel der deutschen Eltern (20 Prozent) sagt, sie würden keine Kinder mehr bekommen wollen, wenn sie sich heute noch einmal entscheiden könnten.

Regretting Parenthood: Viele Eltern in Deutschland bereuen es, ein Kind bekommen zu haben.
Regretting Parenthood: Viele Eltern in Deutschland bereuen es, ein Kind bekommen zu haben.
Foto: YouGov 2016 – Regretting Parenthood | Juli 2016

Für mehr als die Hälfte (52 Prozent) steht jedoch auch fest, dass es möglich ist, die Mutterschaft zu bereuen und sein Kind beziehungsweise seine Kinder trotzdem zu lieben. Tatsächlich ist die Liebe groß: nur 3 Prozent der befragten Eltern geben an, dass sie ihre Kinder (eher) nicht lieben. Und immerhin drei Viertel bereitet es Genugtuung, Mutter beziehungsweise Vater zu sein.

Regretting Parenthood: Die Gründe für das Bereuen

Regretting Parenthood: Das sind die Gründe, warum Eltern ihre Entschiedung pro Kind bereuen.
Dies sind einige der Gründe, warum Eltern ihre Entscheidung pro Kind bereuen.
Foto: YouGov 2016 – Regretting Parenthood | Juli 2016

Größtes Problem: Mangelnde Betreuungsmöglichkeiten

Besonders große Probleme breiten den Eltern in Deutschland die mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und die beschränkten Karrieremöglichkeiten mit Kind. Die Hälfte der Deutschen ist der Meinung, dass in unserer Gesellschaft noch immer von Müttern erwartet wird, dass sie für ihre Kinder auf eine eigene Karriere verzichten.

Tatsächlich geben 44 Prozent der Mütter an, dass der eigene berufliche Aufstieg ohne die Geburt des Kindes besser verlaufen wäre. Eine Ausweitung des Betreuungsangebotes könnte dazu beitragen, dass Eltern beruflich und in ihrer persönlichen Entfaltung mehr Spielraum bleibt.

Kein Raum mehr für die eigene Persönlichkeit

Auch der mangelnde Raum für die  persönliche Entfaltung als Vater oder Mutter ist ein wichtiger Grund, warum Eltern ihre Entscheidung pro Kind bereuen. Besonders Mütter haben oftmals das Gefühl, sich für Kinder und Familie aufgeopfert zu haben.

Wer in Vollzeit arbeitet, fühlt sich in seiner persönlichen Entfaltung weniger eingeschränkt und hat seltener das Gefühl, sich für Familie und Kinder aufgeopfert zu haben. Es zeigt sich auch, dass, wer seinen Job dauerhaft aufgegeben hat, eher glaubt, dass es für Mütter heutzutage schwerer geworden ist.

Trotzdem lieben die Eltern ihre Kinder

Dass so viele Eltern ihre Entscheidung für Kinder bereuen, heißt zum Glück nicht, dass diese Eltern ihre Kinder nicht lieben. Doch die Studie verdeutlicht den Zwiespalt zwischen der Liebe zum Nachwuchs und dem Gefühl, etwas für das Kind aufzugeben, in dem viele Väter und Mütter in Deutschland stecken. Denn auch 20 Prozent derer, die ihre Kinder lieben, würden keine Kinder mehr bekommen wollen, könnten sie sich heute nochmal entscheiden.

Ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, die immer wieder betont, wie wichtig Familie in Deutschland sein soll.

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