Rente: Wird mein Geld zum Leben reichen?

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Finanz-Check: Vier Frauen berechnen ihre Rente

"Später will ich einfach NUR GENIESSEN!" So denken viele Frauen, nach Arbeit und Kinder großziehen soll das schöne Leben kommen. Doch viele fürchten, dass die mickrige Rente nicht mal zum Nötigsten reichen wird.

Tschüss, Arbeitswelt - hallo Freizeit, Hobbys und Genuss. Prima Aussicht, oder? Doch reicht unsere RENTE wirklich, um ohne Verzicht zu leben? Vier Frauen machten für MYWAY den Finanz-Check - und eine Expertin zeigt, wie Sie auch mit 40 plus noch ein Finanz-Polster aufbauen können.

"Zum Glück bin ich momentan durch meinen Mann versorgt"

BIRGIT, 53, ist seit 24 Jahren verheiratet. Die beiden Söhne sind 18 und 22. Sie arbeitet als Sachbearbeiterin auf halber Stelle und verdient freiberuflich auf Honorarbasis etwa 400 Euro monatlich hinzu

"Von meiner eigenen Rente könnte ich nicht leben, aber mein Mann verdient zum Glück genug. Er kümmert sich um die großen Geldposten - Darlehen fürs Haus, Umschuldungen, Versicherungen. Ich übernehme von meinem Gehalt plus rund 1200 Euro Haushaltsgeld von meinem Mann alle kleineren Anschaffungen. So lief es in den letzten 24 Jahren immer gut. Nächstes Jahr geht mein Mann in Rente, dann wird es finanziell knapper. Unser Haus ist zwar fast abbezahlt, aber die Söhne sind in der Ausbildung. Wenn unser Jüngster fürs Studium auch wegziehen muss, wird das heftig. Und: Ich wäre aufgeschmissen, wenn ich plötzlich finanziell alles allein schaffen müsste."

Vorsorge von Birgit auf einen Blick

  • Einkommen 1700 Euro brutto, das sind netto knapp 1000 Euro
  • Honorarverträge als psychologische Beraterin und Beratung zur Frühförderung von behinderten Kindern: rund 400 Euro pro Monat
  • Monatliche Ausgaben 2000 Euro
  • Betriebl. Altersvorsorge1000 Euro im Jahr
  • Kinder-Zeiten Jeweils eineinhalb Jahre Erziehungszeit für beide Söhne
  • Rentenbescheid 835,27 Euro monatlich, beim Erreichen des Rentenalters am 1. Januar 2028

* keine Riester-Rente, keine Direktversicherung, keine Pflegevorsorge, keine Risiko-Lebensversicherung, keine Berufsunfähigkeitsversicherung

EXPERTEN-RAT für Birgit

von CONSTANZE HINTZE (Chefin von "SveaKuschel + Kolleginnen", Finanzdienstleistungen für Frauen GmbH in München)

"Birgit sollte Schritt für Schritt eigenes Vermögen aufbauen"

Birgit hat recht: Ohne Einkommen und Altersvorsorge ihres Mannes könnte es finanziell schwer werden. Dennoch: Birgit hat viel richtig gemacht: eigener Beruf, eigenes Einkommen, eigene Altersvorsorge und eine fast abbezahlte Immobilie. Kritisch sehe ich, dass sie selbst, bis auf das eigene Haus, keinerlei Rücklagen hat. Gut wäre, wenn sie mit einem Investmentsparplan eigenes liquides Vermögen aufbauen würde. Dabei kann sie ruhig mutig sein und Aktienfonds einbeziehen, denn der bisherige Schwerpunkt des Vermögens ist sehr sicherheitsbetont. Außerdem sollte sie mit ihrem Mann sprechen, falls etwas passiert oder er nicht mehr handlungsfähig ist: Hat sie Zugang zu allen Konten und Verträgen? Wie sieht sein Vermögen genau aus? Kritisch könnte es bei einer Trennung werden. Zwar verfügen Ehepartner dank desVersorgungs- und Zugewinnausgleichs über eine gewisse Absicherung, doch in der Realität sieht das eher mau aus. Birgit und ihr Mann sollten zudem die eigene Pflege regeln. Für die Kinder ist das im Zweifel besser, als deren Ausbildung zu zahlen. Dann werden sie auch später nicht plötzlich für die Eltern zur Kasse gebeten."

"Ich habe viel gespart - damit ich mit 60 weniger arbeiten muss"

JULIA, 52, ist seit drei Jahren verheiratet, kinderlos und arbeitet als Krankenschwester. Weil sie ab 60 Jahre nicht mehr so viel arbeiten möchte, hat sie zusätzlich noch einen 400-Euro-Job angenommen

"Ein Erlebnis ließ mich hinsichtlich meiner Finanzen wachsamer werden: Mein Arbeitgeber hatte mir damals empfohlen, die betriebliche Pensionskasse zu kündigen und stattdessen eine Direktversicherung abzuschließen. Leider ein Riesenfehler - wie ich später von der Verbraucherzentrale erfuhr. Denn bei der Direktversicherung zahlt die Klinik erheblich weniger Arbeitgeberanteile. Als ich das erfuhr, war es leider schon zu spät, das Ganze rückgängig zu machen. Als mein Bankberater mir dann für 60 000 Euro Sparvermögen eine Rentenversicherung empfahl, weil ich mit 60 nur noch halb arbeiten und früher in Rente gehen möchte, war ich schlauer: Ich fragte sicherheitshalber gleich das Frauenfinanzbüro, ob die empfohlene Versicherung gut ist. Die verneinte: Die teure Provision der Bank schluckt den Gewinn der Rentenversicherung. Zum Glück konnte ich diesen Vertrag noch termingerecht kündigen."

Julias Vorsorge auf einen Blick

  • Einkommen Netto 1750 Euro inklusive Zulagen aus Nacht-/Wochenend-Schichten
  • Einkommen Nebenjob 390 Euro (brutto gleich netto)
  • Monatliche Ausgaben Rund 1350 Euro
  • Direktversicherung 600 Euro pro Jahr - früher betriebliche Pensionskasse
  • Bausparvertrag 15 000 Euro (fällig in drei Jahren)
  • Sparvermögen Verschiedene Anlagen wie SpardaUniprofi, Unirak, Uniimmo, Unigarant: insgesamt 60 000 Euro
  • Riester Ja, monatlich 150 Euro
  • Rentenbescheid Mit 66 ½ Jahren 1188 Euro pro Monat, heute: 770 Euro

* keine private Rentenversicherung, keine Berufsunfähigkeitsversicherung, keine Pflegevorsorge, keine Risiko-Lebensversicherung

EXPERTEN-RAT für Julia

"Für ihren Traum muss Julia weiterhin konsequent sparen"

CONSTANZE HINTZE: "Julias Geschichte zeigt, wie wichtig eine zweite Meinung und gute, unabhängige Beratung sind. Trotz falscher Entscheidungen hat sie wichtige Weichen für ihren Ruhestand gestellt. Ihre Finanzstruktur ist ein guter Mix - der ihr einen sorgenfreien Ruhestand gewährleisten kann. Aber nur, wenn sie bei ihrem Wunsch nach einem deutlich vorzeitigen Ruhestand Abstriche macht. Um Klarheit zu erhalten, rate ich Julia, die Rente konkret zu planen: Wie hoch ist die erwartete Riester-Rente? Was prognostiziert die Direktversicherung? Denn bei einer Preissteigerung von zwei Prozent summieren sich Julias Ausgaben, wenn sie 66 Jahre alt ist, auf 1780 Euro. Dem stehen aber nur 1188 Euro gesetzliche Rente gegenüber. Um ihrem Traum näher zu kommen, sollte Julia konsequent weitersparen und den bald fälligen Bausparvertrag in ihr bestehendes Depot integrieren. Bei einer Jahresrendite von rund drei Prozent könnte sie dann ab 63 monatlich 430 Euro als Zusatzrente entnehmen. Rechnerisch wäre das Geld dann nach 30 Jahren aufgebraucht. Ob ein früherer, abschlagfreierRentenbeginn möglich ist, sollte Julia mit der Deutschen Rentenversicherung klären. Mein zusätzlicher Anlagetipp gilt Julias Depot, das mir zu einseitig in den hauseigenen Fonds der Volks- und Raiffeisenbanken angelegt ist. Sie sollte auch mehr Aktienfonds berücksichtigen. Dann wäre eine Rendite oberhalb der Inflation durchaus möglich."

"Ich würde gern heiraten. Doch was wäre mit der Witwenrente?"

ELISABETH, 64, ist Mutter dreier Kinder, sie hat eine kaufmännische Ausbildung. Mit nur 48 Jahren wurde sie schon Witwe. Inzwischen ist sie wieder liiert und könnte sich eine zweite Ehe mit ihrem neuen Partner gut vorstellen - das würde auch den Dorfklatsch beenden

"Als mein Mann vor 16 Jahren starb, stand ich mit allem allein da - den Kindern, dem Haus, den Entscheidungen. Zum Glück half mir damals unser Bankberater bei den Finanzfragen. Er beruhigte mich, weil mein Mann als Beamter im gehobenen Dienst gut verdient hatte und unser Haus abbezahlt war. Meine Witwenrente ist ordentlich, und ich verdiene ein paar Euro mit der Buchhaltung für Bekannte dazu. Drei Jahre nach dem Tod meines Mannes kam ich einem Bekannten näher, der auch verwitwet ist. Wir freuten uns, einander gefunden zu haben, aber die Leute tuschelten. Wir überlegten zu heiraten, doch mein Bankberater riet, es gut zu überlegen, da ich dann die Witwenrente verlieren würde. Auch wenn diese Entscheidung schwerfällt: Die finanzielle Sicherheit ist mir wichtiger als der Trauschein."

Elisabeths Vorsorge auf einen Blick

  • Einkommen: Rund 300 Euro im Monat als Buchhalterin für Bekannte
  • Damaliges Einkommen des verstorbenen Ehemannes Besoldungsgruppe A9, gehobener Dienst, 1998: rund 2100 Euro netto
  • Witwenrente: 60 Prozent des Ruhegeldes, plus je zwölf Prozent desRuhegehaltes für die drei Kinder
  • Vermögen: Abbezahltes Einfamilienhaus (heutiger Wert: rund 40 000 Euro) + Sparkonto: 10 000 Euro
  • Eigene Rente: Minimal, weil sie 15 Jahre zu Hause bei Kindern geblieben ist

* keine Riester-Rente, keine Lebensversicherung

EXPERTEN-RAT für Elisabeth

"Auch wenn es schwerfällt: Mit einer Hochzeit würde es ihr finanziell nicht mehr so gut gehen"

CONSTANZE HINTZE: "Gefühle können den klaren Blick auf Finanzentscheidungen trüben. Dank ihres Bankberaters ist es Elisabeth gelungen, sich nicht von Emotionen treiben zu lassen. Ihre Entscheidung, weiterhin ohne Trauschein mit ihrem Partner zusammenzuleben und den Klatsch zu ertragen, war absolut richtig - wenn auch schwer. Denn Fakt ist: Ohne die Witwenrente würde es Elisabeth heute finanziell nicht so gut gehen. Die gesetzliche Witwenrente ist eine Errungenschaft unserer Sozialversicherung. Ob künftige Generationen noch in deren Genuss kommen, ist allerdings fraglich. Denn schon jetzt gibt es die sogenannte große Witwenrente mit 60 Prozent der Rente des verstorbenen Ehepartners sehr selten. Würde Elisabeth ihren Lebenspartner heiraten, wäre die komplette Witwenrente sofort weg. Für ihre Lebensplanung rate ich ihr, zusammen mit dem neuen Partner Regelungen zu treffen, mit denen sie sich gegenseitig absichern. Zum Beispiel sollten beide über eine Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht nachdenken, die in Kraft tritt, wenn einer von beiden nicht mehr in der Lage ist, sein Leben allein zu meistern, Stichwort: Pflege. Passiert das nicht, wählt das Vormundschaftsgericht eine Person aus - die nicht automatisch der Lebensgefährte ist. Zudem rate ich Elisabeth, weitere freie Rücklagen aufzubauen - für Renovierungen am Haus, gemeinsame Urlaube, das Alter. Denn wenn zwei sich zusammentun, spart das Kosten und ermöglicht Sparen."

"Heute stehe ich gut da. Ob das mit der Rente auch noch so ist?"

BIRGIT, 59, ist ledig, hat einen Sohn, 24, und berät freiberuflich Zahnarztpraxen. Ihr Verdienst schwankt je nach Auftragslage. Allerdings ist die Zahlungsmoral ihrer Kunden katastrophal

"Ich habe kein Vertrauen mehr in die deutschen Banken und ins deutsche Rentensystem. Deswegen lege ich mein bisschen Erspartes eher in die Kaffeekasse, statt es anzulegen. Aber weil ich meinen Sohn unterstütze, der in Hamburg eine Ausbildung macht, bleibt am Ende des Monats eh nicht so viel Geld übrig. Als freiberufliche Beraterin von Zahnarztpraxen bin ich wirklich zufrieden - wenn bloß die Zahlungsmoral einiger Kunden nicht so mies wäre. Ich habe noch ausstehende Rechnungen von 2012 und 2013! Im Moment komme ich finanziell aber gut klar. Zum Glück habe ich eine günstige, kleine Wohnung in München, und seit mein Sohn ausgezogen ist, gebe ich auch deutlich weniger für Lebensmittel aus. Ich hoffe nur, dass ich noch lange arbeiten kann und gesund bleibe. Denn ich befürchte, dass meine Rente eher mager ausfallen wird."

Birgits Vorsorge auf einen Blick

  • Einkommen In Spitzenzeiten: bis zu 2700 Euro netto
  • Monatliche Ausgaben: Rund 1800 Euro
  • Private Rentenversicherung: Seit 1994 bis zur Rente spart sie monatlich 50 Euro, hin und wieder auch mehr. Mit der Rente erhält sie 20 000 Euro Einmalzahlung oder eine monatliche Auszahlung
  • Sparvermögen: Das geht größtenteils für ihren Sohn, seine Ausbildung und das WG-Zimmer drauf
  • ein Sohn, 1990 geboren Mütterrente, pro Monat 28 Euro
  • Rentenversicherung: Mit 18 Jahren hat sie begonnen und dann über 20 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt. Trotzdem sagt heute der Rentenbescheid: nur 805 Euro monatlich beim Erreichen des 65. Lebensjahres

* Keine Betriebsversicherung, keine Pflegevorsorge, keine Risiko-Lebensversicherung mehr, keine Berufsunfähigkeitsversicherung

EXPERTEN-RAT für Birgit

"Birgit sollte ab jetzt monatlich eine fixe Summe für die Zukunft sparen"

CONSTANZE HINTZE: "Toll, wie Birgit als Alleinerziehende Beruf und Kind unter einen Hut gebracht hat. Nur hat sie dabei ihre finanzielle Zukunftsplanung vernachlässigt - vor allem in den ersten Berufsjahren. Die Versorgungslücken sind bis zur Rente schwer zu schließen. Die kleine Rentenversicherung mit 50 Euro Monatsbeitrag deckt ihren Bedarf im Alter nicht. Dass Birgit das Vertrauen in die Rentenkasse verloren hat, ist nachvollziehbar. Doch seit sie selbstständig ist, hat sie keinen Cent in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt und keine zusätzliche Altersvorsorge für Selbstständige, etwa die Rürup-Rente, abgeschlossen. Trotzdem gibt es keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Als Sofortmaßnahme sollte Birgit ihre laufenden Ausgaben checken: Ihrem Nettoeinkommen von 2700 Euro stehen Ausgaben von 1800 Euro gegenüber. Wo landen die übrigen 900 Euro? Gibt es Einsparpotenzial? Dann sollte Birgit die kommenden Jahre im Beruf nutzen, um Vermögen aufzubauen - und zwar nicht in der Kaffeekasse. Besser ist ein sicherer Banksparplan oder ein riskanterer Fondssparplan. Spart sie ab sofort 500 Euro monatlich, kommt sie bei zwei Prozent nach Kosten und Steuern in sechs Jahren auf ein Vermögen von rund 38 200 Euro. Unterm Strich bleibt eine Erkenntnis: Birgit wird über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten müssen."

Autor: Gitta Schröder

Finanzen: Augen auf bei der Trennung!

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