Reden ist GoldRichtig Streiten: Totschweigen ist nicht!

Streiten ist besser als Schweigen
Richtig zu streiten ist besser für die Beziehung als Schweigen
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Inhalt
  1. Was tun, wenn man wütend ist?
  2. Warum schweigen Menschen?
  3. Wie geht man mit Schweigern um?
  4. Wie geht "richtiges Streiten"?

Richtig zu Streiten ist nicht jedermanns Sache. Doch Psychotherapeuten raten dazu, Probleme auszusprechen, statt sie für sich zu behalten. Wer richtig streitet, tut sich und seiner Beziehung etwas Gutes.

Ist man mit dem Partner nicht einer Meinung, kann das in einer Diskussion enden, in einen Streit ausarten oder totgeschwiegen werden. So empfiehlt der Psychotherapeut und Eheberater Mel Schwartz in der "Psychology Today" dazu, Streitigkeiten nicht unausgesprochen zu lassen. "Die einzige Möglichkeit, Probleme zu lösen, ist, sie an- und auszusprechen", sagt Schwartz.

Laut Schwartz sorgt die Aussprache sogar dafür, dass sich das Gefühl, das man erlebt - Wut, Trauer, Ärger, Enttäuschung etc. - nicht ausbreitet. Wer schweigt, riskiert, dass sich die negativen Gefühle verselbstständigen, Überhand nehmen und noch Stunden oder gar Tage anhalten. Das wiederrum sorgt dafür, dass sich die Gefühle festigen, obwohl der Streit schon längst vergangen und irrelevant geworden ist. Sie werden Gift für die Beziehung.

Was tun, wenn man wütend ist?

Der Psychotherapeut rät deshalb, jedes Gefühl in dem Moment anzusprechen, indem es aufkommt. Nur dann kann man am sichersten in Worte fassen, warum man so fühlt - dass man wütend ist, weil der Partner sein Wort nicht gehalten hat; traurig ist, weil er den Hochzeitstag vergessen hat oder verärgert ist, weil er die Spülmaschine schon wieder nicht ausgeräumt hat.

Wer seine Gefühle nicht in Worte fast, sendet sie unterbewusst mit Mimik und Gestik aus - die bestehen bleibt und in Missgunst, Feindseligkeit, Groll und stiller Verachtung für den Partner enden kann. Frei dem Motto: was nicht ausgesprochen wird, wird trotzdem ausgesendet - auch wenn nur unterbewusst. Und dann läuft man Gefahr, in die Schweigespirale zu geraten, die im ewigen Kampf endet.

Warum schweigen Menschen?

Schwartz sieht im Schweigen den Versuch, den Partner und seine Reaktionen zu kontrollieren: Sag ich dir nicht was ich denke, kannst du auch nicht darauf reagieren. So versuchen die "Schweiger" Diskussionen und Streit vorzubeugen - richten damit aber nur noch Schlimmeres an. Schweiger entziehen dem Partner die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern, Stellung zu beziehen, zu erklären oder sogar zu entschuldigen.

Zudem führen Schweiger im Kopf einen internen Monolog und malen sich aus, wie der Partner womöglich auf etwas reagieren könnte. Das ist der Punkt, an dem das Problem stagniert. Man kann es nicht alleine lösen, weil kein Dialog erfolgt, der sich entwickeln und zur Lösung beitragen kann. Schweiger gehen somit der Problemlösung aus dem Weg.

Laut Schwartz zerstören Schweiger ("Er / Sie wird eh nicht zuhören", "Ich habe keine Lust auf Streit") damit nicht nur die Beziehung, sondern auch sich selbst. Nur weil man die Probleme nicht anspricht, heißt es nicht, dass sie verschwinden. Sie keimen innerlich auf und können sogar zu Verzweiflung und Depressionen führen.

Wie geht man mit Schweigern um?

Wer den Partner zum Reden animieren möchte, sollte ihm sagen, wie wichtig es für einen selbst und für die Beziehung ist. Kann er seine Gefühle nicht in Worte fassen, kann eine Therapie helfen. In der Regel ist "richtiges Streiten" aber eine Fähigkeit, die man erlernen kann - mit der Unterstützung eines liebenden Partners und ganz viel Eigeninitiative.

Wie geht "richtiges Streiten"?

Hier einige Tipps von der Hamburger Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas wie man richtig streitet:

  • Probleme sollten immer dann angesprochen werden, wenn sie entstehen. Je länger man wartet, desto unzufriedener wird man. Das Problem verschwindet nicht – es wird größer.
  • Ein Streit verläuft positiv, wenn Ort und Zeit gut gewählt sind. Ist man z. B. mit dem Sex unzufrieden, sollte man dies nicht im Bett besprechen – das erzeugt nur Druck. Besser: Bei einem Spaziergang in lockerer Atmosphäre besprechen. Wenn die Partner Ruhe haben und keine Alltagsprobleme ablenken.
  • Sich absprechen: Paare sollten vorher festlegen, über welches Thema sie reden möchten. So läuft man nicht Gefahr, das Problem zu verfehlen und sich mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen.
  • Schuldzuweisungen, Beleidigungen oder Verallgemeinerungen vermeiden. Nur eine sachliche Diskussion bringt ein gutes Ergebnis. Tipp: Die Redeanteile sollten gleichberechtigt verteilt werden. Am besten tragen die Partner ihre Argumente abwechselnd vor.
  • Wenn einer aufbrausend auf Probleme reagiert, kann man ihn mit leiser Stimme zum Zuhören bringen. Drosselt er seine Lautstärke nicht, sollte man sein Anliegen aufschreiben.
  • Wenn Konflikte auch nach mehreren Diskussionen nicht behoben sind, kann man Vereinbarungen treffen (max. drei). Diese aufschreiben und an eine Pinnwand heften. Nach drei Wochen Bilanz ziehen und die Erfolge feiern.
 

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