Röhrenjeans oder Bootcut-Jeans?

maxi matus jeans

Foto: Nicole Schmauser für MAXI

Stil-Kolumne

Was ist besser? Eine beinverlängernde Skinny Jeans? Oder doch eine schmeichelnde Bootcut-Jeans? Marlene Sørensen und Christine Ritzenhoff diskutieren

Christine Ritzenhoff über Skinny Jeans:

Die Erkenntnis kam schleichend. Erst heimlich, verstohlen vor dem Spiegel zu Hause, während am Hintern noch dekorativ der Umtausch-Fallschirm, das Preisschild, baumelte. Am Hintern meiner ersten Röhrenjeans, frisch gekauft, inklusive einem Sack Zweifel: Ist sie nicht zu eng? Sehe ich darin nicht aus wie ein Nappo-Nougat? Zwei Wochen Probezeit gab ich ihr. Dann riss ich das Preischild ab, verstaute meine anderen Experimente (Schlag, Bootcut, Marlene) im Keller und wusste: Nappo hin oder her - sie ist die Richtige.

Okay, machen wir uns nichts vor: In der Röhre sehen meine Beine bei Weitem nicht aus wie die von Agyness Deyn oder Sienna Miller (das wäre auch zu schön). Dazu sind sie a) viel zu kurz und b) nicht zahnstocherdünn genug. Aber, und das spricht für enge Jeans: Meine Beine wirken darin deutlich länger. Und können wenigstens nicht mit Dumbos Stampfern verwechselt werden. Was bei 1,60 Körpergröße und einer weiten Jeans unweigerlich passieren würde.

Womit wir auch schon bei Argument Nummer zwei wären: Ballerinas.

Meine Lieblingsschuhe. Die unter engen Jeans niedlich und, ja, sogar ein wenig sexy aussehen. Und unter allen anderen, nun, gar nicht zu sehen sind. Gilt übrigens auch für Ankleboots. Warum sollte ich also Hunderte Euro für etwas ausgeben, was außer mir und meinem Schuhschrank eh niemand zu Gesicht bekommt? Oder würden Sie etwa eine Schlaghose in Ihre Stiefeletten stopfen? Sehen Sie.

Seien wir trotzdem realistisch: Vielleicht ist das die letzte Saison, in der meine Röhre als heißes Teil gilt. Sieht jedenfalls schwer danach aus. Doch bis es soweit ist, werde ich dazu einfach jeden Tag ein anderes meiner weiten Lieblingsteile tragen: Hängerchen, Tuniken, Hemdchen in A-Linien-Form. Die nur und wirklich nur zu schmalen Beinen passen - diese Saison, die nächste und auch die danach. Vertrauen Sie mir. Da braucht's auch keinen Fallschirm.

Marlene Sørensen über die Bootcut-Jeans:

Ich weiß, ich sollte. Ich weiß, die Gesetze der Mode verlangen es, aber: Ich kann mich nicht von meinen Bootcut-Jeans trennen. Nicht für eine Röhrenjeans. Und ich habe versucht, mich auf die Röhre einzulassen. Oder mich wenigstens mit ihrer Unvermeidlichkeit abzufinden (denn alles, was Kate Moss diktiert, wird als unvermeidlich hingenommen. Sie ist der Kim Jong-Il der Mode).

Ich habe sie mit hohen Schuhen getragen, sie in gnädig ausgeleuchteten Umkleidekabinen vor leicht konkaven Spiegeln anprobiert, 250 Euro für ein angeblich schlanker machendes Paar ausgegeben. Hatte alles keinen Zweck. Meine Beine sehen in Röhrenjeans aus wie zwei Stapel blau besprühte Konservenbüchsen.

Immer wenn ich eine anhabe, will ich so fort meine alte Bootcut anziehen

Und manchmal, wenn ich mir erhaben vorkommen will, tue ich das auch. Es geht mir sofort bes ser. Die Bootcut macht einen flachen Bauch, einen schönen Hintern und sie stimmt mich meinen Oberschenkeln gegenüber gnädig. Sie schmeichelt der Figur wie sonst nur ein Ire nach dem vierten Bier. Mit ihnen (den Jeans, nicht den Iren) bin ich umgezogen, nach Amerika gereist, durch den Matsch auf meinem ersten Open Air gewatscht, sie waren dabei, als ich mit Jungs zusammenkam, und sie wieder verließ, in Kneipen, am Strand, auf der Zuschauertribüne in Wimbledon.

Wir kennen einander. Ich kann mich ihnen anvertrauen.

Sie haben nur einen Nachteil: Neben einer Röhre wirken sie hoffnungslos veraltet. Unmodern. Langweilig.

Bis jetzt. Da auch Jeanstrends nur die Dauer einer nachtblauen Waschung haben, kommt die Bootcut wieder. Schön, bis sie sich durchsetzen, sieht man darin aus wie ein Moderelikt. Für die, die sich davor fürchten, haben die Designer den Jeans einfach einen neuen Namen gegeben: Wide Leg. Ich habe mir drei Paar gekauft. Seitdem kann ich tagsüber wieder atmen.

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