Roger Whittaker spricht über seine Krise

roger whittaker h
Seit 45 Jahren ist Roger mit Natalie verheiratet.
Foto: Getty Images

Bewegendes Interview

Er lacht. Es ist ein brummiges Lachen. Dabei funkeln die Augen von Roger Whittaker (74) angriffslustig „Sie können mir glauben, eine Ehe zu führen ist nicht einfach“, sagt er. Und lacht wieder. Wir sitzen in der Redaktion von DAS NEUE BLATT.

„Ehe bedeutet doch, dass man Kompromisse eingeht. Sonst funktioniert sie nicht“, erklärt Roger. Er weiß, wovon er spricht. Seit 45 Jahren ist er mit seiner Natalie (69) verheiratet. Dann wird sein Blick ernst. Sein Lachen verstummt. Denn er gesteht: „Manchmal macht man aber zu viele Kompromisse. Daran wäre meine Ehe fast gescheitert.“ Zum ersten Mal spricht der Weltstar über seine schlimme Krise…Das neue Blatt: Was war passiert?Roger Whittaker: Es ist jetzt schon einige Jahre her. Wir lebten damals in einem wunderschönen Haus in England. Ich fühlte mich dort sehr wohl, im Gegensatz zu meiner Frau. Sie wollte dort weg, weil sie sich nicht mit den Nachbarn verstand.Das neue Blatt: Das ist schade.Roger Whittaker: Ich wollte aber bleiben. Mein Herz hing sehr an dem Haus. Schließlich haben wir dort auch viele schöne Momente mit unseren Kindern erlebt. Die Erinnerungen hielten mich dort. Doch Natalie wollte einfach nicht bleiben.Das neue Blatt: Aber daran zerbricht doch keine Ehe, oder?Roger Whittaker: Oh, wir können beide Dickköpfe sein. Da ging es hoch her zwischen uns. Das war nicht gut für unsere Liebe. Wir haben viel und heftig gestritten. Aber zum Glück ist das Vergangenheit.Das neue Blatt: Wie schön!Roger Whittaker: Natalie ist mir schließlich eine gute Ehefrau. Ohne ihren Trost wäre ich an dem Tod meines Vaters vor 21 Jahren zerbrochen.Das neue Blatt: Hat man seine Mörder mittlerweile gefasst?Roger Whittaker: Nein. Es gibt keine Spur von ihnen. Wahrscheinlich sind sie selber längst tot.Das neue Blatt: Hat Ihre Mutter jemals mit Ihnen über diesen schrecklichen Tag gesprochen? Schließlich wurde sie damals schwer misshandelt.Roger Whittaker: Nein. Sie hat geschwiegen. Bis zu ihrem Tod. So wollte sie wohl das Leid, das man ihr angetan hatte, vergessen.Das neue Blatt: Ihre Mutter hat wirklich nicht mehr darüber sprechen wollen?Roger Whittaker: Bis zu ihrem Tod nicht. Wir haben das respektiert. Schließlich konnten wir ahnen, was sie durchgemacht hat. Auch ich rede nur noch ungern darüber...Das neue Blatt: Sie versuchen also auch zu vergessen, können aber nicht vergeben?Roger Whittaker: So ist es. Wenn ich nicht versuchen würde, die Tränen meiner Mutter zu vergessen, würde ich an meiner Wut kaputt gehen. Das kann ich meiner Frau und meinen Kindern nicht antun.Das neue Blatt: Ist die Gräueltat an Ihren Eltern der Grund, warum Sie nicht mehr zurück nach Afrika gezogen sind?Roger Whittaker: Vielleicht. Aber einmal abgesehen davon: Was soll ich denn dort noch? Meine Familie lebt in Europa. Nein, hier bin ich mit meiner Frau glücklich, hier bleibe ich.Das neue Blatt: Können Sie vergessen?Roger Whittaker: Ich hoffe immer noch, dass man die Mörder fängt und verurteilt. Aber ich versuche, nicht mehr daran zu denken. Denn es wären böse Gedanken. Voller Rache. Und dafür ist das Leben zu schön.

Kategorien: