Schatz, bin ich zu dick?

schatz bin ich zu dick

Männer verstehen

Die Zu-dick-Frage hat jeder schon mal gehört oder gestellt. Dabei ist sie völliger Unsinn. Mindestens genauso populär müsste die Zu-langsam-Frage sein. Doch die hat noch keine Frau gestellt. Warum eigentlich nicht?

Du und zu dick? Nur weil man auf deinem Hintern Tischtennis spielen kann? Nur weil deine Rettungsringe für die gesamte Besatzung der Titanic ausgereicht hätten? Nur weil dich im Krankheitsfall vier Mann der Feuerwehr über den Balkon evakuieren und zum Arzt bringen müssen? Nein, Schatz, du bist nicht zu dick, echt nicht. Herrgott, was für eine Antwort erwarten Frauen eigentlich auf das feminine Gegenstück zum maskulinen "Na, wie war ich ...?" Wer sich gut versteht und nicht nur miteinander, sondern frei von Häme auch übereinander lachen kann - das macht nämlich echte Liebe aus - , kriegt eben Antworten wie die mit dem Tischtennis und der Titanic. Nur wenn die Liebe noch frisch ist, tut der Mann meist empört und sagt ungläubig "Duuhuu und zu dick? Quatsch!" - und blättert hastig in der Programmzeitschrift.

Wahr ist: Wer liebt, liebt alles. Und wer geliebt wird, den muss die Antwort auf die Zu-dick-Frage nicht interessieren. Oder sagen wir es anders. Ich habe zwei Kolleginnen. Eine mürrische, krankhaft dürre: An ihren Hüftknochen können Gnome Klimmzüge machen, ihr Oberkörper ist mir zum letzten Mal beim Schulsport unter der Dusche begegnet - bei den Jungs in der 8. Klasse. Und eine überaus fröhliche und, sagen wir, kerngesunde - in ihrem Dekolleté könnte sie problemlos meine Wochenration an Haribo Colorado-Tüten verstecken. Also mal ehrlich: Männer nehmen da lieber die Lakritz und Gummibärchen.

Der Kerngesunden würden wir auch die anderen geschlechtstypischen Spielarten des Körperkultes verzeihen. Zum Beispiel sinnentleerte Klamotten-Anprobier-Orgien vorm Kleiderschrank oder Badezimmer-Aufenthalte von Ben-Hur-Länge ("Schminke mich nur eben nach" bzw. "Bin gleich wieder da"). Wer eine Frau (natürlich nur die eigene) heimlich im Bad beobachtet, stellt fest: Die meiste Zeit verbringt sie damit, vorm Spiegel Gesichtsausdrücke zu üben, sich im Seitenprofil zu betrachten und die Haare/Kleidung zurechtzuzupfen.

Ja genau! Das ist doof und irre und nervig! Es wird also schon seinen Grund haben, dass noch keinem Mann diese Frage gestellt worden ist: "Du, Schatz, findest du mich eigentlich zu langsam?" Diese Antwort würde nämlich sehr eindeutig ausfallen!