Schatz, es ist wieder Zeit!

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Schatz, es ist wieder zeit
Foto: Thinkstock

Kolumne: Sex to go

Der Appetit kommt beim Essen. Und das ist nur ein Grund, warum Sex nach Terminplan die Lust auf den Liebsten neu entfacht”‰…

Keine Zeit für Liebe?

Es war wie verhext: Immer wieder kam etwas dazwischen. So etwa an dem Tag, als er gleich nach Feierabend vorbeikommen wollte und ich mich schon ganz wuschig auf ihn gefreut hatte. Dann schneite für mich ein Auftrag herein, den ich natürlich gleich, sofort, am besten gestern abgeben sollte.

Und plötzlich blinkte seine SMS auf, es werde später in seinem Meeting, das tue ihm schrecklich leid. Schließlich hatten wir nicht nur uns verpasst, sondern auch unsere Geilheit. Lust auf Sex kann man eben nicht aufnehmen wie einen Film und später genießen. Als wir uns endlich am späten Abend sahen, waren wir wie zwei Trapez-Artisten, die sich ausgeschaukelt hatten.

Sex nach Terminplan

Spontaner Sex wie früher wurde einfach im Laufe der Zeit immer schwieriger, denn ständig kam irgendwas dazwischen, ob nun Druck, neue Aufträge, ungeplante Reisen oder Abendveranstaltungen. Männer gehen Probleme ja gern pragmatisch an , also meinte er sehr kelig: „Warum tun wir es nicht konsequent nach Terminplan?“

Schön. Verabreden wir unsere Vögeleien vorher, nehmen wir die Stechuhr als Kick! Da wir beide es gerne am helllichten Tag treiben, synchronisierten wir unsere Kalender-Apps auf die Mittagspausen. Wir starteten das Experiment. 13 Uhr: Sex-Schicht.

Erotik auf Knopfdruck

Eigentlich hätte ich einen Kuchen backen müssen für den Geburtstag einer Freundin. Oder wenigstens die Quittungen für die Steuer sortieren. Stattdessen: schwarze Strapse und schummriges Licht.

Er musste derweil einen Kollegen abwimmeln und behauptete, ich sei ein geschäftlicher Lunchtermin. Schließlich trafen wir uns beide pünktlich im Bett. Und dann gab er zu, dass er gerade nicht so scharf drauf sei, er sei schließlich kein Roboter.

Es geht zur Sache

Na, das fing ja toll an. „Hast du wenigstens dein Handy ausgeschaltet?“ Simsen während des Sumselns törnt total ab. Wir fingen einfach mal an. Und das Verblüffende: Es funktionierte. Das kleine Zeitfenster von 60 Minuten ließ uns konzentriert zur Sache gehen.

Und nach einigen Anlaufschwierigkeiten lernten wir die Sexdates zu schätzen: Beim Sex nach Terminplan gilt keine Müdigkeit oder Stress, denn man weiß es ja vorher. Beide sind wir satt, ausgeruht, gewaschen, rasiert und bestenfalls schon mal erotisch angeschickert.

Vorfreude

Die Seidenlaken sind aufgezogen und die Haustürklingel ist abgestellt. Sex, so lernten wir, ist nicht weniger gut, nur weil man weiß, dass er passieren wird. Der Appetit kommt tatsächlich beim Essen. Die Filetstücke der Woche sind reserviert für uns und die schönste Hauptsache der Welt, die Vorbereitung gehört zum Spaß.

Den Vibrator mit neuen Batterien bestücken, Prosecco kalt stellen, Kondome drapieren, Musik auswählen. Schon das Wort „Schäferstündchen“ klingt ja durchaus nach erotischem Ausflug ins Land der Lüste.

Lust-Oase im Alltag

Das Gefühl, in drei, zwei, eins Stunden mit ihm zu schlafen, macht mich erstaunlich an, außerdem kommt es mir vor, als hätte ich eine Affäre mit meinem eigenen Freund. Diese Verabredungen sind unsere Lust- und Liebe-Oasen, romantische Inseln im Alltag.

Jetzt habe ich sogar zwei Männer, denn wer da im Bett stöhnt, ist nicht der Typ, der mich anmault, weil ich vergessen habe, seinen Lieblingsjoghurt zu kaufen. Schnell haben wir herausgefunden, dass es einen großen Vorteil für die Beziehung gibt: Die Sorge, dass die Zweisamkeit zu kurz kommt, fällt weg.

Der Alltag baut sich um den Sex herum auf, nicht umgekehrt. Regelmäßiger geplanter, aber konzentrierter Sex ist allemal besser als spontaner, aber gehetzter. Und wir können es ja auch immer noch ohne Plan treiben wie früher. Zusätzlich, will ich doch bitten.

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