Schicksal Haarausfall: So lebt man wirklich ohne Haare

christine raab
Christine macht ein Selfie von sich - ohne Haar

Haare sind ein Sinnbild der Weiblichkeit: Langes, volles Haar wirkt feminin und gesund. Und egal, ob in Magazinen, der Werbung oder in TV und Filmen. Langes und volles Haar gilt als schön. Doch viele Frauen leben ohne Haare. Bedingt durch Krankheiten - wie Krebs und Chemotherapien oder dem gefürchtenen kreisrunden Haarausfall - verlieren sie ihr Haar. Ein hartes Schicksal, mit dem viele Frauen schwer zu kämpfen haben.

Wir haben mit Christine (33) gesprochen. Sie ist Haar- und Make-up-Artist und hat durch eine Chemotherapie ihr Haar verloren. In ihrem eigenen Youtube-Channel hat sie die Zuschauer an ihrem Schicksal und sogar am Verlust der Haare teilhaben lassen. Eine bewegende Reise einer starken Frau, die auch ohne Haar pure Weiblichkeit ausstrahlt.

Im November 2014 entdeckte Christines Mann zufällig einen Knoten in ihrer Brust. Innerhalb von drei Wochen kam dann die erschütternde Diagnose: Brustkrebs. Kurz darauf begann die Chemo und mit ihr der Verlust der Haare.

wunderweib: Du hast dir im Video öffentlich die Haare abgeschnitten. Wie hart war das?

Christine: "Es geht eigentlich. Ich hatte das vorher mit meiner Freundin so abgesprochen und war an dem Tag gut drauf. Die Zeit ging fix rum mit Schminken und das Video vorbereiten. Aber als dann die Schere angesetzt wurde war es schon sehr heftig und die Tränen sind einfach gelaufen. Ich bin sehr froh, dass mein Mann und meine Freundin mich da gut aufgeheitert haben. Die ersten Tage ohne Haare waren dann ziemlich komisch, weil der Kopf kalt war und jeder Blick in den Spiegel ungewohnt."

Als Make-up-Artist hat Christine ständig mit Haaren und Frisuren zu tun. Zunächst trug sie auch Perücken. Schnell merkt sie aber, dass sie das nicht braucht: "Eigentlich habe ich die Perücken eher für die anderen getragen, damit die sich nicht unwohl fühlen, und nur ganz selten um mich selbst vor Blicken zu schützen."


Christine mit einer kurzen Perücke

Dass Christine dieses Selbstbewusstsein hat, liegt sicher auch an ihrem Hintergrund: Als Make-up-Artist weiß sie, wie sie sich in Szene setzt. In ihrem Youtube-Kanal zeigt sie anderen Frauen mit Krebs, wie sie sich schminken können.

wunderweib: Was ändert sich am Make-up, wenn man krank ist?

Christine: "Je nachdem welche Behandlung man bekommt, fallen ja auch Wimpern und Augenbrauen aus und da finde ich es schon sehr gut, dass man das schminken kann. Wenn ich überhaupt nicht geschminkt bin, sehe ich auf den ersten Blick einfach sehr krank aus. Mir hilft es dann schon viel, die Augenbrauen zu zeichnen und wenigstens die Augen zu schminken. Ich liebe roten Lippenstift und wenn man gut geschminkt ist machen die fehlenden Haare mir absolut nichts aus. Im Gegenteil, ich habe sehr viele Komplimente bekommen."

Ganz so einfach ist es natürlich nicht: Ein bisschen Schminke und eine Perücke bringen einer Frau mit einer schweren Krankheit oder unheilbarem Haarausfall nicht die Lebensfreude zurück. Aber es kann unterstützen und helfen. "Es kann den Alltag leichter machen, weil man nicht so angestarrt wird", erzählt Christine.

wunderweib: Was gibst du Frauen mit auf den Weg, die in einer ähnlichen Situation sind?

Christine: "Eine Perücke kann durchaus hilfreich sein. Ich persönlich würde jederzeit wieder den Weg wählen das öffentlich zu machen. Dann kann man auch mit Glatze, Tuch etc. rum laufen und man gewöhnt sich da sehr schnell dran. Wenn die Gesichtsbehaarung fehlt, ist es definitiv Gold wert, die Augenbrauen und Augen zu schminken. Ich empfehle da sehr eine leichte Wimpernkranzverstärkung oder einen Lidstrich oben und unten. Dann fallen die fehlenden Wimpern eigentlich gar nicht mehr auf."

Neben ihrem Engagement für andere Frauen, denen sie in ihren Videos mit Rat und Tat zur Seite steht, arbeitet Christine auch mit der DKMS life zusammen. Die DKMS life setzt mit dem Motto " Look better - feel better" für das Wohlbefinden von Krebspatienten ein. Bei einem Shooting in Berlin ist dieses Video entstanden.

Bald ist Christine mit ihrer Behandlung durch. Ihr geht es soweit gut: Sie ist froh, dass ihr Leben jetzt wieder ein wenig normaler wird und sie arbeiten kann. Bei den meisten Patienten dauert es rund 3 Monate bis die Haare wieder wachsen. Christine unterzieht sich allerdings auch einer zusätzlichen Antihormontherapie. Auch diese kann auf das Haarwachstum einwirken.

Aber, ob mit ohne Haar: Wir finden Christine eine ganz besondere und beeindruckende Frau. Einfach nur bewundernswert wie sie dem Krebs und mit ihm dem Haarausfall begegnet.

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