Schluss mit Kopfschmerzen! Die neuen Schmerzmittel

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Entspannung ist das beste Schmerzmittel bei Kopfschmerzen.
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Gesundheit Aktuell

Meist sind die Beschwerden ein Hilferuf unseres Körpers: Mir wird gerade alles zu viel! Deshalb ist Stress-Abbau der beste Schmerzstiller.

Für viele Menschen sind Kopfschmerzen keine Krankheit, sondern eher eine lästige Alltagserscheinung: Nach übermäßig viel Alkohol und Nikotin, bei Erkältung oder nach Kaffee-Entzug brummt einem halt mal der Schädel. Doch für jeden Vierten sieht die Lage ernster aus: Sie werden regelmäßig von Schmerzen geplagt, nicht wenige immer wieder von schlimmen Migräne-Attacken.

Man weiß mittlerweile, dass Kopfschmerzen wesentlich von Stress ausgelöst werden. Schmerzmittel helfen zwar meist rasch, doch wer das Problem langfristig angehen möchte, muss lernen, sich zu entspannen. Beispielsweise mit autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen.

Auch Sport ist wichtig: Vor allem Joggen und Walking beschleunigen den Abbau von Stresshormonen und schützen damit effektiv vor Kopfweh.

Für die Einnahme von Tabletten gilt: nicht warten, bis der Schmerz unerträglich wird, und lieber gleich zu einer höheren Dosierung (ab 500 mg) greifen als später nachzulegen - die Wirkung lässt sich "häppchenweise" nicht steigern.

Wichtig zu wissen: Schmerzmittel sollten an maximal 15 Tagen im Monat eingenommen werden.

Spannungs-Kopfschmerz

Lokalisierung

Die häufigste Kopfwehart: Der ganze Schädel brummt und fühlt sich an, als befände er sich in einem Schraubstock. Dieser Schmerz trifft fast jeden einmal, ist aber meist harmlos.

Ursachen

Meistens steckt Stress hinter den Beschwerden. Er führt zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich und aktiviert damit die Schmerzzentren im Gehirn. Auch eine zu schwere Handtasche, Dauertelefonieren, ein zu hartes Kopfkissen, die falsche Brille oder nächtliches Zähneknirschen können Kopfweh auslösen.

Therapie

Bei leichtem Kopfweh hilft häufig ein altes Hausmittel : ein paar Tropfen Pfefferminzöl (Apotheke) auf die Schläfen geben und ein großes Glas Wasser trinken. Bei stärkeren Beschwerden empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ein Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Azetylsalizylsäure, Paracetamol und Koffein (z. B. "Thomapyrin", rezeptfrei, Apotheke). In Studien hat sich gezeigt, dass diese Dreier-Kombi besser wirkt als Einzelsubstanzen.

Sinusitis-Kopfschmerz

Lokalisierung

Dumpfes Druckgefühl um Nase und Augen. Wird der Kopf bewegt oder nach vorn gebeugt, verstärken sich die Schmerzen.

Ursachen

Eine Entzündung der Stirn- und Nasennebenhöhlen (med. Fachausdruck: Sinusitis). Sie folgt meist auf einen heftigen oder verschleppten Schnupfen. Weitere Symptome: Fieber, Schwäche und eitriger Nasenausfluss.

Therapie

Gegen den Druck im Kopf hilft ein Schmerzmittel (siehe bei Spannungs-Kopfschmerz). Verstopften Atemwegen wirken Inhalationsbäder mit Kamille und Infrarotlampe entgegen.

Bei wissenschaftlichen Studien schnitten auch Heilpflanzen gut ab: Besonders erfolgreich bei der Keimbekämpfung ist ein Mix aus Schlüsselblume, Enzian, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut (z. B. in "Sinupret", rezeptfrei, Apotheke). Sinusitis wird meist von Viren, manchmal aber auch von Bakterien ausgelöst: Bei anhaltenden Beschwerden (länger als eine Woche) den Arzt befragen, womöglich muss er ein Antibiotikum verschreiben.

Migräne-Kopfschmerz

Lokalisierung

Ein einseitiger pochender Schmerz, der hinter das Auge ausstrahlt und sich in die Schläfe ausweitet. Dazu kommen oftmals Übelkeit und hohe Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Ursachen

Die Forschung geht davon aus, dass eine angeborene Überempfindlichkeit des Nervensystems für die Beschwerden verantwortlich ist. Bei bestimmten Reizen, etwa Stress, zu viel oder zu wenig Schlaf oder Hormonschwankungen reagiert der Organismus mit Migräne. Der Attacke gehen häufig Warnsignale voraus: zum Beispiel vermehrtes Gähnen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit. Wer sich jetzt sofort eine Auszeit nimmt, bleibt manchmal von der Migräne verschont.

Therapie

Triptane heißen neuartige Wirkstoffe, die eigens für die Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie hemmen bestimmte Botenstoffe im Gehirn und damit die Schmerzwahrnehmung. Weiterer wichtiger Vorteil: Triptane (z. B. in "Dolortriptan", rezeptfrei, Apotheke) wirken schon nach 30 Minuten.

Botox

Als der Faltenglätter Botox vor einigen Jahren aufkam, machten sich die Wissenschaftler große Hoffnungen. Das Nervengift sollte auch Wunder bei Kopfschmerzen bewirken. Doch mehrere Studien haben gezeigt, dass Botulinumtoxin nur bei chronischer Migräne hilft. Die Betroffenen leiden 15 und mehr Tage im Monat an Kopfschmerzen, nach Botox-Injektionen sind die Anfälle deutlich seltener. Bei einer Sitzung werden winzige Mengen der Substanz in mehr als 30 Punkte am Kopf gespritzt. Die Wirkung setzt erst nach zwei bis drei Wochen ein und hält bis zu drei Monaten an.

Nervenstimulation

Für eine belgische Studie wurden kürzlich Migräne-Patienten mit Stromimpulsen behandelt, die über eine Elektrode auf der Stirn aufs Gehirn wirken. Bei regelmäßiger Anwendung lassen die Anfälle offenbar nach, das Verfahren steckt aber noch in der Testphase. Bei chronischer Migräne bereits im Einsatz sind Neurostimulatoren, die unter die Haut im Nacken oder im Zahnfleisch implantiert werden. Das Gerät wird per Fernbedienung gesteuert: Bei Bedarf hält man sich eine Art Handy an den Kopf, und der Stimulator blockiert ein bestimmtes Nervenbündel. Vor allem bei Cluster-Kopfschmerz hat sich das Gerät bewährt. Cluster ist sehr selten, gilt aber als der Schlimmste aller Kopfschmerzen.

Migräne-Patienten-Seminar

Schmerzkliniken und Volkshochschulen bieten Kurse an, bei denen die Teilnehmer lernen, ihre persönlichen Migräne-Auslöser zu erkennen und besser mit Stress und Schmerzen umzugehen. Wissenschaftliche Studien bescheinigen diesen Seminaren deutliche Wirkung. Weitere Informationen: www.schmerzklinik.de , Stichwort "Mipas".

Gut zu wissen

Wenn die Kopfschmerzen häufiger auftreten und heftiger als gewohnt oder mit Symptomen wie Übelkeit, Sehstörungen oder anderen Augenbeschwerden einhergehen, sollte man den Hausarzt aufsuchen. Viele Informationen gibt es auch im Internet: www.migraeneliga.com . Buchtipp: Charly Gaul u. a.: "Patientenratgeber Kopfschmerzen und Migräne", ABW Verlag, 9,95 Euro.

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