Schul-Kritik: Ihr Tweet macht Naina berühmt

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Foto: www.facebook.com/naina.kuemmel

Mega-Diskussion: Schülerin aus Köln löst gigantische Kritik-Welle aus

Eine junge Frau kritisiert das deutsche Bildungssystem. Die Diskussion zum Tweet von Naina aus Köln macht klar: Schulen und Eltern sind mit der Bildung unserer Kinder viel zu oft überfordert.

Ein paar Zeichen, zwei Sätze, schnell geschrieben auf Twitter - und schon wird eine junge Frau aus Köln berühmt. Mit ihrem zynischen Tweet zum deutschen Bildungssystem sorgt die 17-jährige Naina für Furore in den deutschen Medien. Wirklich jeder fühlt sich von ihrer Aussage angesprochen: "Ich bin fast 18 und hab' keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen."

Während auf Facebook und Twitter die große Schul-Diskussion tobt, wächst Naina gerade alles etwas über den Kopf. "Können die bitte aufhören mich Twitterstar zu nennen? Das ist so merkwürdig", twittert sie, kurz vor ihrem Auftritt in einer TV-Sendung. Doch mit ihrem Tweet hat sie ein brennendes Thema angesprochen.

Machen unsere Schulen unsere Kinder wirklich lebensfähig? Lernen sie dort das, was sie brauchen, um vollwertige und verantwortungsfähige Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden?

Viele zu viele Menschen beantworten diese Frage mit Nein.

"Dass unser Schulsystem schon lange krankt, dürfte niemanden entgangen sein. Und die Zeiten haben sich geändert. Eltern müssen 10 Stunden arbeiten um den Lebensunterhalt zu verdienen... oft um über die Runden zu kommen. Für jeden Käse braucht man eine Versicherung, die im Schadensfall dann doch nicht zahlt. Rente , Krankenkasse, Mietrecht, Steuererklärung, Arbeitsrecht ... und... und ... und, alles hat sich verändert und hat tausendfache Klauseln bei denen niemand den Durchblick hat. Es wäre Zeit für unser deutsches Bildungssystem, lebenspraktische Fächer anzubieten", schreibt zum Beispiel unsere Leserin Elisabeth Theilig auf unserer Facebook-Seite .

Cathy Meer pflichtet bei: "Sie hat recht!!! Wenn jemand Physiker werden will, soll man ihm solche Dinge dann im Studium beibringen. In der Schule wird vieles beigebracht, was man später nie wieder braucht."

Andere halten dagegen, verteidigen die deutschen Schulen und Lehrkräfte und weisen auf die Verantwortung der Eltern hin: "Also ich kann diese Äußerungen leider nicht ganz nach vollziehen. Wir sprechen hier von Schule und Eltern (und nicht nur von Erzeugern). Als Lehrer bringe ich Grundlagen des Wissens bei. Als Eltern erziehe ich meine Kinder zu Selbständigkeit und handlungsfähigen Individuen. Ich kann nur sagen: Wer in der Schule aufpasst (da gibt es so Fächer wie Politik und Sozialwissenschaft) wird in groben Zügen in der Schule vorbereitet. Den Feinschliff sollten die Eltern zu Hause übernehmen. Vielleicht solltet ihr mal öfter das Handy weglegen und das Gespräch suchen. Ich habe oft mit meinen Kinder in der Küche am Tisch gesessen und über Politik etc. diskutiert und siehe da: Sie sind in der Lage selbständig ein Auto zu kaufen oder eine Wohnung einzurichten. Die Grundlagen des Leben geben immer die Eltern mit und nicht die Lehrer", meint Monika Ostwald.

Doch wer auch immer Schuld ist, fest steht: Unsere Kinder lernen oftmals bis zu ihrem Auszug aus dem Elternhaus nicht das, was sie brauchen, um im Leben bestehen zu können, ohne an jeder Ecke ausgebeutet zu werden oder überfordert zu sein. Es ist dringend Zeit, in den Schulen nachzubessern und das Bildungsangebot um lebenspraktische Fächer zu erweitern.

Wie schreibe ich eine Bewerbung? Worauf muss ich bei einem Mietvertrag achten? Welche Versicherungen brauche ich und was dürfen diese kosten? Viel zu viele Eltern haben nicht genug Zeit, ihren Kindern solches Wissen zu vermitteln, weil sie zu sehr mit Geld verdienen beschäftigt sind - oder sie haben selbst nie das entsprechende Wissen vermittelt bekommen.

Wir müssen aufwachen und das am besten schnell. Unsere Kinder brauchen mehr Wissen als das, was sie bisher an unseren Schulen vermittelt bekommen! Die Politik wäre gut beraten, auf diesen Sturm der Entrüstung zeitnah mit Taten zu reagieren. "Wenn sie sowas wissen wollen, können sie doch danach googeln", darf jedenfalls nicht die Antwort sein.

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