Schulfächer abschaffen: Ist bald Schluss mit Mathe und Geschichte?

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Finnland wagt ein Experiment: Schulfächer werden abgeschafft! Gute Idee?

Lernen ohne feste Schulfächer? Schluss mit 45 Minuten Mathe, dann Geschichte, dann Deutsch? Wie soll das gehen? Finnland möchte jetzt starre Schulfächer abschaffen.

"Ihr lernt fürs Leben, nicht für die Schule." Wie oft haben wir damals diesen Satz gehört? Doch mal ehrlich: wie viel von dem Stoff, den wir in der Schule gelernt haben, wenden wir heute noch wirklich an? Das soll sich ändern: Der Lehrstoff soll lebensnaher werden!

Das Schulsystem wird in vielen Ländern bemängelt. Bei uns sorgte die Kritik von Schülerin und Twitter-Userin Naina für Furore. Darin bemängelt sie, wie fern vom Leben das aktuelle Schulsystem ist.

Auch in Finnland wird darüber diskutiert, wie lebensnah der Unterricht eigentlich ist und die Republik wird nun aktiv. Bis 2020 will Finnland sein Schulsystem radikal umgestalten.

Ein großer Schritt: Die starren Schulfächer sollen abgeschafft werden.

Schluss mit 45 Minuten Mathematik. An einigen weiterführenden Schulen in Finnland wird das neue System schon erfolgreich durchgeführt: Statt in Schulfächern, werden finnische Schüler in "Phänomenen" unterrichtet.

So lernen Schüler statt einer Fremdsprache und Mathe zum Beispiel das "Phänomen Gastronomie". Und innerhalb dieses Themenbereichs lernen die Schüler Rechnungen zu erstellen (also Mathe), Bestellungen in einer Fremdsprache aufzunehmen und Kommunikationstraining. Das soll besser aufs Berufsleben vorbereiten.

Klingt schön praxisnah und tatsächlich erfahren finnische Schulen bereits erste Erfolge: Denn schon seit zwei Jahren sind Schulen in Finnland dazu verpflichtet, diese neue Unterrichtsmethode einmal im Jahr für ein paar Wochen durchzuführen. Und Auswertungen zeigen, dass die Schüler tatsächlich bessere Leistungen im Unterricht vorweisen.

Doch das neue Unterrichten ohne Schulfächer stößt auch auf Schwierigkeiten, die es sicher auch hier in Deutschland geben würde: Die Lehrer sind dafür nicht ausgebildet! Im jahrelangen Lehramtsstudium lernt man starre Schulfächer und die entsprechenden Unterrichtsmethoden und didaktischen Mittel auch auf Fächer bezogen anzuwenden. Die Umschulung der Lehrer auf diese neue Unterrichtsmethode ist mit viel Aufwand und Kosten verbunden. In Finnland werden Lehrer, die sich des neuen Systems annehmen, mit einer Lohnerhöhung gelockt - noch mehr Kosten.

Marjo Kyllönen, Verantwortliche für Erziehung in Helsinki, wird ihren Vorschlag, die Reformen bis 2020 im ganzen Land umzusetzen, Ende des Monats vorlegen. Schon jetzt besteht auch im Ausland großes Interesse an dem neuen Modell.

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