Schweden-Urlaub hoch zu Pferde

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Foto: Getty Images

Reise

Unendliche Natur, viel mehr Reitwege als Autobahnen und ganze Reiterdörfer statt nur ein Pferdehof: So sind Reitferien in Schweden

Pippi Langstrumpf würde hier bestimmt gern Ferien machen. Im Reiterdorf Kyrkekvarn, nicht weit von Schwedens zweitgrößtem See Vättern gelegen, sind die roten und gelben Holzhäuser weitläufig an Flussufern, über Hügel und im Wald verstreut, so dass jeder so verrückt sein kann wie er will. Pippi müsste ihr Pferd nicht auf der Veranda abstellen, weil hier jeder zweite Vorgarten eine Weide ist. Und sie könnte mit all den Mädchen, die zum Reiten hierherkommen, über Waldwege galoppieren, um die Wette striegeln oder an einfachen Hindernissen Springreiten üben.

Aber Pippi war wahrscheinlich in diesem Sommer bei Papa König im Taka-Tuka-Land. Macht nichts, dafür beziehen wir das rote Holzhaus Tallboden in Kyrkekvarn, das vor langer Zeit so an den Hang gebaut wurde, dass wir auch im ersten Stock eine ebenerdige Tür nach draußen haben. Von der Veranda blicken wir ins Grün alter Bäume und über von Blumen umkränzte Wiesen.

Immer den Schildern mit dem Elch nach

Mit der strahlendweißen TT-Fähre "Nils Holgersson" sind wir sanft über Nacht von Travemünde nach Trelleborg geschaukelt und dann knapp 400 Kilometer Richtung Norden gefahren. Nach gefühlt endlosen Wäldern und unzähligen Verkehrszeichen, die vor Elchen warnen, erreichten wir unser Haus in Kyrkekvarn. Im Supermarkt haben wir uns noch schnell mit wagenradgroßem Knäckebrot, Polarbröd (dem nahrhaften Toast der Lappen), und Marabou-Schokolade eingedeckt, dann wurde endlich der Grill angefeuert. Während die ersten zarten Rentier-Steaks auf dem Rost brutzeln, fühlen wir uns endlich angekommen.

Zum Glück ist Freya die Sanftmut auf Hufen

Nein, bisher gehörte Reiten nicht zu unseren alltäglichen Fortbewegungsarten. Aber das macht nichts. Emelie, die unsere Gruppe betreut, erklärt uns kurz die wichtigsten Dinge, die man im Sattel wissen muss: Die Länge des Steigbügels an der Armlänge ausrichten, die richtige Zügelhaltung, dann geht es mit Schwung hinauf auf die Ponys, denen man ihre Geduld und Kraft ansieht. Meine Fuchsstute heißt Freya nach der Liebesgöttin im nordischen Himmel und ist die Sanftmut auf Hufen. Das ist mir nur recht, weil ich einen Heidenrespekt vor Pferden habe und mir nie sicher war, ob sie auch wirklich das tun, was ich da oben auf ihrem Rücken von ihnen will.

Unterwegs auf Ponys und mit dem Kanu

Aber schon nach wenigen hundert Metern am teils seerosenbewachsenen Fluss Tidan entlang merke ich, dass wir uns verstehen. Ich entspanne mich und genieße das sanfte Wippen im Sattel, die Aussicht von da oben auf die tiefgrüne Natur, in die wir bald kommen, und bestaune die Geschicklichkeit, mit der sich die Pferde über Stock und Stein bergauf und bergab bewegen. Gelegentlich muss ich Freya von allzu leckerem Grünzeug wegziehen, dem sie sich am Wegrand zuwendet, während unsere kleine Karawane immer tiefer in den Wald zieht.

58 Ponys und Fohlen leben im Reiterdorf, erzählt Emelie. Rund 160 Betten finden sich in den umliegenden Häusern. Viele Schweden, aber auch Deutsche, Holländer oder Norweger, sogar ganze Schulklassen, verbringen hier ihre Ferien. Sie finden um Kyrkekvarn beinah unendlich viele Reitwege, die kaum von Straßen unterbrochen werden.

Angefangen hat das Reiterdorf vor 30 Jahren als Kanu-Camp. Noch immer ist das Wasser des Tidan und des nahen Mullsjö-Sees noch ein weiterer guter Grund, warum man hier Ferien machen kann, wie wir auf einer ausgiebigen Paddeltour erleben. Eigentlich seltsam, dass Pippi immer nach Taka-Tuka statt hierher fährt.

Buchen kann man Reitferien in Kyrkekvarn ganzjährig über die Katja van Leeuwen-Reitferienvermittlung, Tel.: 02244/9279248, www.reitferien vermittlung.de. Eine Woche im Selbstversorger-Ferienhaus (inkl. Strom, exkl. Endreinigung) kosten ab 273 Euro. Für fünf Tage Reiten kommen 321 Euro hinzu, es lassen sich aber auch weniger Reittage buchen.

Sehenswert ist der Ort Jönköping am Vättern (ca. 35 km von Kyrkekvarn) mit seiner schönen Promenade, von der Ausflugsboote auf Schwedens zweitgrößten See ablegen. Hier gibt es das einzige Streichholzmuseum der Welt, weil Schwedenhölzer den noch heute sichtbaren Reichtum der Stadt begründeten: Tändsticksmuseet, Tändsticksgränd 27.

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