... seine Eltern treffen

seine eltern treffen

Mein erstes Mal ...

Die Eltern des Liebsten oder der Freundin zu treffen gehört wohl zu den härtesten Prüfungen, die uns eine Beziehung aufbürdet. Nicht umsonst gibt es Filme wie "Meine Braut, ihr Vater und ich", in dem ein verzweifelter Ben Stiller auf seine Tauglichkeit als Ehemann geprüft wird. Nun bin ich weder ein Mann noch stehe ich kurz vor einer Hochzeit. Dem Elterntest kann ich mich aber trotzdem nicht entziehen, denn der 30. Geburtstag meines Liebsten steht an. Und den möchte er unbedingt in seiner Heimat verbringen. Verdammt!

Schon sehe ich mich argwöhnisch von meiner Schwiegermutter in spe beäugt. Ob ich auch gut genug bin für ihren Sohn? Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Mutter, die doch tatsächlich von ihrem Schwiegervater gefragt wurde, ob sie seinen Sohn ernähren könne. Und das war noch nicht mal ein Scherz! Nun ja, verheiratet sind meine Eltern immer noch, also schüttele ich alle Bedenken ab, schmiege mich in die Arme meines Liebsten und harre dem Schicksal, dass auf mich zukommt.

"Soll ich deine Eltern eigentlich siezen oder duzen?" frage ich, als der Zug in den Bahnhof einrollt. "Einfach abwarten", beruhigt mich mein Freund. Toller Ratschlag. Sein Vater holt uns ab, "Sie sind also Vanessa?" Gut, das hat sich schon einmal von selbst erledigt. Normalerweise bin ich ja nicht auf den Mund gefallen, aber gepflegte Konversation zu betreiben fällt mir im Auto doch ein bisschen schwer. Zu Hause angekommen, werde ich dem Rest der Familie vorgestellt. Wir müssen natürlich erzählen, wie wir uns kennen gelernt haben, begleitet vom Outing seiner Brüder: "Wir wussten gar nicht, dass du kommst!" Mehr noch: Sie wussten nicht mal von meiner Existenz!

Nun sind wir ja erst einen Monat zusammen, aber das beweist doch mal wieder: Männer reden einfach nicht miteinander. Zu allem Überfluss gibt einer der Brüder bekannt, dass er meine Freundin, über die wir uns kennen gelernt haben, nicht leiden kann. Mein verblüfftes Gesicht quittiert er mit einem "Jetzt mach dich aber mal locker, was stehst du hier denn so angespannt rum!", natürlich in breitestem badischen Dialekt. Habe ich schon erwähnt, dass ich diese Mundart hasse?

Dann geht's endlich ab ins Restaurant, wo die übrigen Gäste warten. Und wenn das Badische auch noch so schrecklich klingt, eines können sie in dieser Region besonders gut: Wein herstellen. Der tut dann auch sein Übriges, um mich locker zu machen. Und siehe da, schon ist alles nur halb so schlimm: Ich freunde mich mit der Tante an und unterhalte mich mit den Brüdern. Trotz beschwipster Stimmung schaffe ich es, mit den Eltern über seriöse Themen wie meinen Beruf oder ihre letzte Reise zu reden.

Insgesamt müssen wir also ein recht harmonisches Bild abgegeben haben. Denn als wir die Wirtschaft verlassen, rufen uns die anderen Gäste hinterher: "Noch eine schöne Verlobungsfeier!" Nun, soweit ist es noch nicht, aber die Feuertaufe ist bestanden.

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