FremdgehenSeitensprung mit Freunden: Wie die meisten Affären entstehen

Mit Freunden fremdgehen - das ist so verlockend, weil die Anziehung aus großer Vertrautheit entsteht.
Mit Freunden fremdgehen - das ist so verlockend, weil die Anziehung aus großer Vertrautheit entsteht.
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Inhalt
  1. Seitensprung mit Freunden: Aus Vertrautheit wird Lust
  2. Affären mit Freunden sind leichter zu verheimlichen
  3. Warum eine Affäre mit Freunden so gefährlich ist
  4. Wie der Seitensprung mit Freunden verhindert werden kann

Wie beginnen Affären? Gar nicht so oft über Dating-Apps und ähnliches, die uns mit bunten Werbebildchen "heiße, diskrete Kontakte in der Nähe" versprechen. Die meisten Menschen gehen nämlich nicht mit zufälligen Kontakten fremd, sondern mit Personen, die sie kennen. Oft sogar sehr gut und sehr lange. Fremdgehen mit Freunden - warum die vertrauten Geliebten so verlockend sind.

Weshalb beginnen Menschen überhaupt Affären? Frauen sagen, weil ihr Partner ihnen zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, zu wenig Zeit zu Zweit, weil er sie zu sehr als selbstverständlich wahrnimmt. Dann verlieren sie die Lust auf den Partner, aber eben nicht die Lust auf die Leidenschaft. Männer sagen, weil sie von ihrer Partnerin zu wenig Anerkennung erhalten. Und weil für sie Sex eben auch Anerkennung ist. Was Partner nicht in der Beziehung finden, das suchen sie über kurz oder lang außerhalb. Besonders oft kommt es dann zu einem Seitensprung mit Freunden.

Seitensprung mit Freunden: Aus Vertrautheit wird Lust

Wer jetzt sofort an Vorsatz denkt, liegt falsch. Die meisten Affären entstehen nämlich, weil über die Themen, die Zuhause ausgeklammert werden, heimliche Wünsche und Sehnsüchte, mit guten Freunden oder Kollegen gesprochen wird.

Ein solcher Austausch verbindet, er macht auch aus Kollegen gute Freunde. Und hierin liegt die Gefahr für eine Affäre. Solche Intimität schweißt zusammen und mit der Zeit entwickelt sich so eine Beziehung neben der Beziehung, weil Schritt für Schritt die emotionale Exklusivität der Partnerschaft aufgehoben wird.

Oft beginnt es wirklich harmlos: Ein Satz über ein Problem Zuhause, ein offenes Ohr für die Sorgen, die der Partner nicht mehr hören mag. Vielleicht folgt dann ein Ratschlag, der, weil er unbefangen aus einer anderen Perspektive entstanden ist, tatsächlich zu einer Veränderung führt. Und gerade neue Impulse sorgen für Veränderungen, nicht das Wiederholen der bekannten Strategien aus der Beziehung, die sich ja längst in sicheren, ruhigen und eben gewohnten Bahnen bewegt.

Dies wiederum bekräftigt die neue Freundschaft oder festigt die bestehende. Zur Exklusivität der Themen gesellt sich das gute Gefühl, einander zu verstehen, sich vertrauen zu können. In der Paarberatung fallen rückblickend Sätze wie: "Endlich fühlte ich mich wieder verstanden" und "Wir wussten, dass wir perfekt zusammen passen." Und dieses Gefühl ist echt. Wo Zuhause Anerkennung fehlte, erlebt der Mann wieder Lob und Bestätigung. Wo die Frau Aufmerksamkeit vermisste, erhält sie nun Zuwendung und Anerkennung. Weil eben Sex nicht nur Lust und Leidenschaft ist, sondern auch die intimste Form der Kommunikation, wird die Affäre zu viel mehr als nur dem Spaß nebenbei, sie wird zum Mittelpunkt eines parallelen Lebens.

Affären mit Freunden sind leichter zu verheimlichen

Ein weiterer Punkt, der Affären mit Freunden so verlockend macht, ist die Tatsache, dass die Zeit mit der Affäre viel leichter kaschiert werden kann. Bei einer Affäre mit einem Freund müssen wir nicht so oft Überstunden erfinden - stattdessen können wir entspannt von "einem Bierchen unter Freunden" sprechen. Es wird wesentlich länger dauern, bis der Lebesnpartner misstrauisch wird, wenn er uns in der Gesellschaft von vermeintlichen Freunden wähnt.

Außerdem: Wer als Partner gleich eifersüchtig wird, wenn die Frau oder der Mann mit Freunden ausgehen möchte, muss so schnell damit rechnen, als einengend oder kontrollsüchtig dazustehen, dass er ganz bestimmt länger damit zögern wird, seine Zweifel auszusprechen, so sie denn entstehen.

Warum eine Affäre mit Freunden so gefährlich ist

Der einmalige Seitensprung, der Ausrutscher, wie untreue Partner in der Verteidigung das später nennen, gefährdet die Beziehung nicht ansatzweise wie eine solche Affäre, die aus Vertrauen, Intimität und Freundschaft entstanden ist. Bei Affären im Freundeskreis kommt noch hinzu: Unsere Freunde haben einen Vertrauensbonus sowieso. Denn mit ihnen fühlen wir uns auf einer Wellenlänge. Deshalb entstehen ja auch die meisten Beziehungen im Freundeskreis, weil wir uns Freunden von Freunden bereits vertraut fühlen.

 

Gerade Affären mit Freunden entstehen meist nicht aus einer Gelegenheit heraus, sondern sind die Folge von Nähe und Vertrautheit. Also die Faktoren, die für eine Beziehung wichtig sind. Deshalb verlassen auch viele untreue Partner ihre Partner für die Affäre, nicht selten obwohl beide eigentlich jeweils in einer Beziehung lebten.

Wie der Seitensprung mit Freunden verhindert werden kann

Sollten wir nun wegen der großen Gefahr des Fremdgehens mit Freunden unserem Partner alle Kontakte zu Freunden oder Kollegen verbieten?

Nein, auf keinen Fall. Verbote, Eifersucht oder Kontrolle treiben vielmehr die Partner in die Arme von anderen, wo sie sich dann bestätigt und erhört fühlen können.

Vielmehr sollten die Partner niemals aufhören, füreinander Aufmerksamkeit und Dankbarkeit zu zeigen. Denn: Wer dankbar und glücklich ist, hat keine Veranlassung, sich bei anderen über den Partner zu beklagen.

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Autor: Eric Hegmann, Paarberater, Single- und Parship-Coach

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