Sex: Zorro im Bett? Ohne mich!

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Beatrice mag Sex ohne Kamasutra und Peitsche

Bondage, Sadomaso, Spanking - muss man wirklich jeden Sex-Trend mitmachen? Ein Plädoyer für lässige Liebe ohne Kamasutra von Beatrice Sammer.

"Meine Freundin Caroline hat sich eine Zorro-Maske zugelegt, eine kleine Reitpeitsche auch. So hat sie's erzählt. Auch, dass sie inzwischen mehr Online-Shops für Sex-Spielzeug kennt als Schuh-Läden.

Caro wirft mit Worten wie " Spanking " und "Bondage" um sich, als sei sie im Missionsdienst für sexuelle Freizügigkeit. Den Gedanken, wie die sonst so scheue Caroline ihren noch scheueren Thomas versohlt, ihn ans Küchenbord kettet und ihm womöglich Tiernamen gibt, versuche ich hartnäckig aus dem Kopf zu löschen. Es gelingt nicht immer. Und ich weiß nicht: Soll ich schmunzeln oder schaudern?

Seit Caroline beim letzten Mädelsabend schwärmte, dass die Lektüre von " Shades of Grey " so inspirierend sei, und plötzlich vier von sechs Enddreißigerinnen in der Runde kichernd über Sadomaso fachsimpelten, fühle ich mich seltsam ausgeschlossen. Hat dieses Stück Erotik-Literatur denn nur bei wenigen Versprengten wie mir seine Wirkung verfehlt?

Irgendetwas an dem Hype ist mir suspekt. Oder wie kommt es, dass plötzlich alle Welt auf SM steht? Neugier? Der Drang, auf Teufel komm raus im Trend zu liegen? Und muss man alles ausprobieren - nur, um mitreden zu können?

Beim Mitreden liegt dann auch gleich das nächste Problem: Mir ist es ja eigentlich schnurz, ob Caroline ihren Thomas in schwarz-genieteten Leder-Hot-Pants rattenscharf findet. Oder ob Kerstin ihren Fred mal in einen Darkroom schleppen will. Fakt ist: Ich will nicht darüber sprechen, erst recht nichts darüber hören! Um im Bild zu bleiben: Am liebsten würde ich meinen mitteilungsbedürftigen Freundinnen beim Thema Sex-Experimente einen Knebel verpassen, damit Ruhe ist!

Ist Sex ohne Kamasutra langweilig?

Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich finde es gut, das erotische Miteinander aufzupeppen. Mit Spielzeug, von mir aus auch als Aushilfs-Domina. Aber muss ich intime Wünsche beim Lieblings-Spanier rausposaunen, wo sie noch fünf Tische weiter gehört werden und doch eigentlich nur für die Ohren des Liebsten bestimmt sind? Und: Ist man langweilig, wenn man nicht die Antilope aus dem Kamasutra turnen kann und keine Handschellen im Nachtschränkchen hat?

Ich denke: Nein! Kürzlich las ich von der "Low Key Sex"-Strategie, was auch schrecklich klingt, aber Schönes meint. Und zwar, dass man sich von dem Gedanken lösen soll, Sex müsse immer perfekt inszeniert sein. Dass die Flucht in Fantasien nur davon ablenkt, sich auf den Partner und die gegenseitige Energie einzulassen. Es braucht kein Masken- und Peitschen-Gedöns. Was zählt, ist bei sich zu sein. Dann ist der Sex gut."

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