Sexting: Der gefährliche Internet-Trend

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Erotische Nachrichten und Fotos zu verschicken macht zwar Spaß, kann ab gefährliche Folgen haben.
Foto: Getty Images

Wir klären auf!

Mit einem Klick ist ein sexy Foto mit dem Handy gemacht, in nur wenigen Sekunden lässt es sich per WhatsApp oder E-Mail verschicken – aber die Folgen können ein Leben lang andauern.

Sexting heißt der besorgniserregende Trend aus Amerika, bei dem Jugendliche erotische Fotos von sich machen oder heiße Textnachrichten schreiben und über soziale Netzwerke oder Handyprogramme verschicken. Viele Teenager unterschätzen die Gefahren des Internets und verbreiten ihre freizügigen Fotos – ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Allein ein Oben-ohne-Bild an den Freund kann schon ausreichen. Wenn die Beziehung vorbei ist, schickt er es an seine Kumpels weiter oder veröffentlicht es auf Facebook. Was dann passiert, kann den Opfern schwere seelische Schäden zufügen.

Im Interview mit Wunderweib erklärt Sexualtherapeut Bernhard Juchniewicz von der European Coaching Association, wie gefährlich Sexting ist und was man tun kann, um Schlimmeres zu verhindern.

Was ist Sexting?

Die elektronische Verbreitung von erotischen Texten und Bildern über die eigene Sexualität, den Körper, die privaten Vorlieben und Praktiken. Das Wort Sexting setzt sich aus den Wörtern „Sex“ und „Texting“ zusammen. Durch Computer, Internet und sämtliche mobile Anwendungen ist die Erstellung von solchen Texten und Bildern schnell gemacht. Allerdings können die privaten Inhalte so auch ganz einfach weltweit verbreitet und Nutzern in sozialen Netzwerken wie Facebook zugänglich gemacht werden.

Wie verbreitet ist der Trend schon?

Ca. 20 bis 60 Prozent der Jugendlichen haben schon intime sexuelle Fotos von sich elektronisch (per SMS, E-Mail, Internet, Facebook etc.) versendet. Jugendliche versenden ihre Bilder über Instant-Messaging-Dienste wie Snapchat oder WhatsApp. Bei Snapchat sollen die Fotos angeblich nur einige Sekunden sichtbar sein und sich selbst zerstören.

Warum ist Sexting so gefährlich?

Diese angeblich „zerstörten“ Bilder, wie bei Snapchat, kann fast jeder IT-Nutzer mittlerweile gegen den Willen der Person wiederherstellen, frei verwenden und an andere versenden. Kriminell wird es, wenn jemand beim Sexting Bilder von einer fremden Person und nicht von sich selbst, verschickt. Eine weitere große Gefahr ist Pädophilie. Ein Jugendlicher kann sich einem Erwachsenen anvertrauen, der in den sozialen Netzwerken ein gefaktes Profil benutzt dadurch als gleichaltrig erscheint. So kommt der Erwachsene möglicherweise nicht nur an erotische Fotos Minderjähriger sondern auch an persönliche Daten wie Adresse, Freundeskreis, Beziehungen. Diese Daten können für kriminelle Handlungen wie Stalking oder Erpessung genutzt werden.

Was kann ich als besorgte Mutter tun, um zu vermeiden, dass meine Kinder in die Sexting-Falle geraten?

Wenden Sie sich bei einem Verdacht an örtliche professionelle psycho-soziale Beratungsstellen, Ehe- & Familien-Beratungsstellen. Denn Sexting kann strafbar sein. In Deutschland kann Sexting bei Minderjährigen einen Verstoß gegen §184b oder §184c des Strafgesetzbuches darstellen. Diese besagen, dass sexuelle Darstellungen von Kindern unter 14 Jahren ausnahmslos verboten sind. Im Paragraf 184c des Strafgesetzbuches heißt es zwar, dass sexuelle Darstellungen Jugendlicher zwischen 14 und 17 Jahren straffrei ausgehen könnten, wenn sie ausdrücklich mit der Erstellung / Produktion, die Übertragung und eben auch die Rezeption von Inhalten einverstanden waren. Aber Sexting-Fälle von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren sind im Einzelfall psychologisch, juristisch und strafrechtlich zu prüfen. Beispiel: Fotos wurden unter Drogen bzw. Alkoholeinfluss angefertigt (Disco, Party, Kampftrinken, KO-Tropfen etc.).

Welche dauerhaften Folgen kann dieser gefährliche Internet-Trend haben?

Die Erniedrigung durch Mobbing, Stalking ist nicht das Harmloseste, was Jugendlichen passieren kann. Die seelischen Kränkungen können durch kriminelles Handeln noch getoppt werden. Die Opfer erstellen beim Sexting Fotos oder Filmmaterial, das im Internet unauslöschlich wird. Dadurch bleiben sie ein Leben lang erpressbar. Es kann der eigenen Persönlichkeitsentwicklung großen Schaden zufügen, der Karriere den Todesstoß versetzen, der Familie schaden oder dem Ruf eines Unternehmens extremen wirtschaftlichen Schaden zufügen. Ein wichtiger Merksatz: Das Internet vergisst nie. Das bedeutet, alle Daten können lebenslang für jeden verfügbar sein. Wenn diese von anderen gefunden werde, können sie vielfältig – auch kriminell – genutzt werden!

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