Sexuelle Belästigung im Büro: Was hilft?

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Wer sexuelle Belästigung im Büro erlebt, sollte deutlich Grenzen setzen.
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Hilfe bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Herablassende Sprüche, obszöne Witze, aufdringliche Flirts und Mails: Sexuelle Belästigung im Büro ist weiterhin ein großes Thema. Was man dagegen tun kann und wo es professionelle Hilfe gibt.

„Komm, ich mach das für dich, Männer können solche Arbeiten besser.“ Zack, der Spruch saß. Plötzlich steht die Frau dank dem pseudo-hilfsbereiten Kollegen als inkompetent da. Herablassende Sprüche, ständige Fragen nach privaten Treffen, aufdringliche Mails oder sogar heimliche Grabscher am Kopierer oder unterm Konferenztisch - es gibt viele Möglichkeiten der sexuellen Belästigung oder Diskriminierung im Büro.

Wer eine solche Situation einmal erlebt hat, kennt die Gefühle, die damit einhergehen: Wut, Scham und auch Angst. Zum Beispiel davor, sich beim Vorgesetzten zu beschweren und, statt Hilfe zu bekommen, abgewiesen und nachher noch mehr drangsaliert zu werden. Oder sogar davor, den Job aufgeben zu müssen, um den Sticheleien und Aufdringlichkeiten zu entkommen. Genau so ist es Sabina (*Name von der Redaktion geändert) ergangen.

Schnell fangen die Kollegen an zu lästern

Sabina kam als junge Kollegin neu in ein Büro, in dem bis dato ausschließlich Männer arbeiteten. Einer dieser Kollegen verguckte sich in Sabina und begann noch in der ersten Woche mit ihr zu flirten. Lächeln, Sprüche, Einladungen zum Mittagessen. Anfangs wollte sie nicht zu abweisend sein, schließlich wollte sie sich mit den neuen Kollegen gut stellen, ging ein Mal mit ihm essen. Doch als er ihr jeden Morgen vor allen anderen eine Plastikblume überreichte, mit den Worten „Für dich, Herzchen“ wurde es ihr endgültig zu viel. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Kollegen bereits angefangen zu lästern „Die Neue hat’s ja echt eilig, fängt gleich an sich hochzuschlafen …“ Sie bat den Kollegen um Distanz, er ignorierte die Bitte. Schließlich beschwerte sie sich beim Chef über den aufdringlichen Kollegen, der diesen in die Schranken wies. Die Belästigungen hörten auf, dafür herrschte in dem Büro nachher eine Atmosphäre wie in einem Eisschrank. Sabina beschloss, den Job zu kündigen.

Am besten nach Verbündeten suchen

Solche Fälle müssen nicht immer so dramatisch enden, doch viele Betroffene fürchten tatsächlich um ihren Ruf oder auch die Sympathien der Kollegen. Kaum einer will derjenige sein, der einen Kollegen wegen sexueller Belästigung anschwärzt. Doch wenn ein klärendes Gespräch mit dem Kollegen nicht hilft, bleibt nur noch der Gang zum Chef. Wenn dieser deutlich zeigt, dass er sexistisches Verhalten nicht toleriert, kann das sehr helfen. Dramatisch ist es natürlich, wenn der Vorgesetzte selbst aufdringlich wird. Auch dann sollte man zunächst das Gespräch suchen. Wenn das nicht hilft, lohnt es den Versuch nach Verbündeten zu suchen. Wenn noch andere Kollegen betroffen sind, stehen sie nicht allein da und können sich gemeinsam an die nächsthöhere Ebene wenden.

Das Privatleben besser privat halten

Grundsätzlich ist es so, dass es zu sexistischen Vorfällen eher in solchen Gruppen kommt, in denen die Frauen deutlich in der Minderheit sind. Es kann sich also lohnen, auf eine ausgewogene Zusammensetzung des Teams zu achten. Auch durch sein persönliches Verhalten kann man einiges tun, um die sexuelle Schiene zu vermeiden. Verkaufen Sie Ihre Themen lieber mit Argumenten statt einem flirtigen Zwinkern und Lächeln. Kleiden Sie sich zurückhaltend und sprechen Sie im Büro nicht über ihr privates Liebesleben. Wenn Sie beispielsweise über das Wochenende mit Ihrem Freund in Frankreich waren, belassen Sie es bei einigen Sätzen zu Wetter, Land und Leuten, statt zu berichten, wie sehr die französischen Betten gequietscht haben.

Hier gibt es Hilfe für Betroffene

Hilfe gibt es auch von offiziellen Stellen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) bietet Hilfe und Rat für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Dazu gehört auch die sexuelle Belästigung. Basis der Arbeit der ADS ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches sexuelle Belästigungen wie obszöne Witze, sexuell bestimmte Berührungen oder auch das Aufhängen von Nacktfotos an den Wänden ausdrücklich verbietet. Die Beratungshotline ist unter der Telefonnummer 030 / 18 555 – 1865 erreichbar. Außerdem gibt es ein Online-Kontaktformular. Das Beratungsteam informiert Sie zu Ihren Rechten in einem Diskriminierungsfall oder vermittelt wohnortnahe Experten.

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