Shane Burcow: "Krankenschwester? Das ist meine Freundin!"

shane burcaw freundin

Foto: instagram.com/shaneburcaw

Keiner glaubt, dass Anna wirklich seine Freundin ist

Viele finden, Behinderte sollten keine Beziehung haben. Shane Burcaw und seine Freundin Anna sind da anderer Meinung. Eine Geschichte über einen längst fälligen Tabubruch.

"Ist sie deine Krankenschwester?", wird Shane Burcaw immer wieder gefragt, wenn er mit seiner hübschen Freundin Anna Reinalda unterwegs ist. "Nein, sie ist meine Freundin", antwortet er.

Shane Burcaw leidet an einer spinalen Muskelatrophie, einer sehr seltenen, genetisch bedingten Nervenkrankheit, bei der die Verbindung zwischen den Nerven und den Muskeln im Rückenmark gestört ist. Weil die Nerven keine Impulse an die Muskel weitergeben, verkümmern diese, können nicht mehr benutzt werden. Die Krankheit verläuft schleichend, es kann nach und nach der ganze Körper betroffen sein, was zum Tode führt. Shane Burcaw sitzt seit seinem dritten Lebensjahr im Rollstuhl, sein Körper besteht fast nur noch aus Haut und Knochen, er kann nur eingeschränkt sprechen. Seit einigen Monaten hat Shane Burcaw eine feste Freundin. Anna Reinalda. Sie geht gern Skifahren, reitet in ihrer Freizeit, treibt viel Sport. Und hat sich in Shane Burcaw verliebt. Was viele nicht verstehen wollen: Wie ein junger Mann mit einer derart schlimmen Behinderung ein so attraktives Mädchen für sich begeistern kann.

Genau dieses Unverständnis macht Shane Burcow zum Thema auf seinem Blog "Laughing at My Nightmare" (also "Über meinen Alptraum lachen"). Hier berichtet er über die Reaktionen von Menschen auf Shane und seine Freundin. So wurde er bereits diverse Male gefragt, ob Anna seine Pflegerin oder Schwester sei. "Wenn ich eine Frau und einen Mann beim Dinner sehe, würde ich immer davon ausgehen, dass sie daten", schreibt Shane Burcaw. "Wenn ein Rollstuhl ins Bild kommt, scheint dieser Gedanke für viele Menschen abwegig."

So cute I could puke. Very excited to see this lovely lady tomorrow.

Ein von Shane Burcaw (@shaneburcaw) gepostetes Foto am

Früher dachte Shane Burcaw, dass jedes Mädchen nur aus Mitleid mit ihm ausgehen würde. Glücklicherweise lag er damit falsch. "Dann kam das College. Ich traf wunderbare Menschen, die mir halfen den Gedanken abzulegen, dass nur gesunde Menschen lieben dürften", schreibt Burcaw. "Heute verwirrt es mich, dass Fremde nicht glauben können, dass sie meine Freundin ist. Für uns ist es ganz normal. Es macht Spaß, ist albern und wunderschön. Und wir wären nie auf die Idee gekommen, dass unsere Beziehung in irgendeiner Art abnormal sein könnte."

Eigentlich eine Horrorvorstellung: Da wird einem Erwachsenen das Bedürfnis abgesprochen, zu lieben und zurückgeliebt zu werden. Denn dass Behinderte ihre Beziehung oder ihre Sexualität ausleben, ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Dabei ist das Bedürfnis nach Liebe ist etwas Naturgegebenes. Genau wie der Wunsch nach Geborgenheit, nach körperlicher Nähe. Der Schritt, dass Shane Burcaw und Anna ihre Geschichte öffentlich gemacht haben, erscheint somit noch mutiger. Und wichtiger, weil erst durch Aufmerksamkeit ein Bewusstsein geschaffen werden kann.

The gingerbread house collapsed so we put the icing on our faces.

Ein von Shane Burcaw (@shaneburcaw) gepostetes Foto am