Sie brach sich das Gesicht und lernte sich selbst zu lieben

gebrochenes gesicht
Ein Jahr nach dem Unfall erinnern nur winzige Narben an ihr gebrochenes Gesicht.
Foto: Melissa Faulkner / Facebook

Schönheit ist nicht alles

Bei einem furchtbaren Unfall brach sie sich das Gesicht. Doch dadurch lernte Melissa erst, sich selbst zu lieben. Eine Geschichte für mehr Selbstvertrauen.

Sie hatte sich bereits seit Ewigkeiten auf diesen Tag gefreut. Das Wiedersehen mit ihren besten Freundinnen sollte unvergesslich werden. Das wurde es dann in der Tat, denn Melissas Narben werden sie zukünftig ewig an das Treffen am See erinnern. Die junge Frau brach sich bei einem Unfall das Gesicht. Sie berichtet auf ihrem Blog wie das Erlebnis ihr Leben veränderte.

Dabei begann der Tag so wunderbar wie erwartet. Nachdem alle ihr eigenes Leben gestartet, einen Job gefunden, Beziehungen begonnen und beendet hatten, sollten sich die fünf besten Freundinnen aus College-Zeiten endlich wiedersehen. Das Treffen fand an einem See statt, wo die Mädels sich stundenlang über ihre neusten Erfahrungen und Erlebnisse austauschen konnten, abgewechselt mit einem erfrischenden Sprung in den See.

In der Euphorie hatten sich die Freundinnen einen besonderen Kick ausgedacht: Elegant wie Tarzan schwangen sie sich am Seil von einer Erhöhung ins Wasser. Eine Zeit lang machte das richtig Spaß. Auch der dritte Sprung begann wie die vorigen. Am höchsten Punkt ließ sie das Seil los- doch Melissas Fuß hatte sich im Gestrüpp verhakt. Kopf über wurde die junge Frau gegen einen Fels im flachen Wasser geschleudert. Ihr Gesicht ist gebrochen.

Sofort eilten ihre Freundinnen Melissa zu Hilfe. Sie selbst erinnerte sich nicht mehr an das, was dann geschah, auch wenn sie bei Ankunft der Notärzte noch bei Bewusstsein war. Schnellstmöglich wird sie in das nächste Krankenhaus gebracht, von da aus weiter in eine spezielle Klinik verlegt. Ihre Freundinnen sind stets an ihrer Seite.

Das Nächste, an das Melissa sich erinnert, ist der Tropf in ihrem Arm und die Sorge um ihr Handy, als sie im Hinterteil eines Krankenwagens erwacht. Selbst in dieser misslichen Lage verliert die junge Frau nicht den Humor: Sie bittet darum, fotografiert zu werden, damit man ihr auch glaubt, dass das hier gerade wirklich geschehen ist.

Nach dem Unfall ist Melissa nicht mehr dieselbe. Sämtliche Knochen ihres Gesichts sind gebrochen. Doch es sind nicht nur die vier Metallplatte, mit denen ihr Kopf nach einer fünfstündigen Operation zusammengehalten wird, die sie verändern. Denn die größte Wandlung ist unsichtbar. Melissa lernt sich selbst zu lieben. Ihr Gesicht ist gebrochen, doch sie ist im Leben. Was spielen Äußerlichkeiten da für eine Rolle? Der kosmetische Schaden lehrt der jungen Frau ein ganz neues Selbstbewusstsein.

Der Unfall ist ein Jahr her, als die 25-Jährige heute ihre Geschichte erzählt. An den Unfall erinnern bloß noch ein paar winzige Narben- und ein anderes Gesicht. Obwohl Freunde und Familie Melissa versichern, ihr Aussehen habe sich nicht verändert, weiß die junge Frau, dass dem nicht so ist. Ihr Gesicht wird von Metallplatten zusammengehalten. Ihr Lachen hat sich verändert, die Mundwinkel ziehen sich anders hoch als zuvor und auch ihre Augenpartie scheint sich anders zu verhalten. Es sind Kleinigkeiten, die Melissa auffallen. Doch all das ist ihr nicht mehr so wichtig wie früher.

Bild: Melissa Faulkner / https://hypotheticalsyllogisms.files.wordpress.com

Einst drehte sich das Leben der 25-Jährigen um ihr Aussehen, ihre Figur und Oberflächlichkeit. Doch erst ein gebrochenes Gesicht hat ihr ermöglicht, sich selbst so zu lieben, wie sie ist. Schönheit ist nicht alles, erst recht nicht wenn man dem Tod einmal so nahe gekommen ist.

Zwei Monate blickte Melissa in ein Gesicht voller Schwellungen, Hämatomen und dunkler Narben. Das Workout, mit dem die junge Frau sich ihre Figur diszipliniert erhalten wollte, blieb aus. Umso größer war die Furcht vor dem nächsten Mal auf der Waage. Wieviel Gewicht würde Melissa zugenommen haben, wenn sie so lange wie nie zuvor auf Sport verzichtet hatte? Die aufblinkenden Zahlen sind es, die etwas im Selbstbewusstsein der 25-Jährigen veränderten. Melissa wiegt kein Gramm mehr. Zu diesem Zeitpunkt wird ihr zum ersten Mal klar, dass sich das Leben um mehr als Äußerlichkeiten dreht.

Plötzlich merkt die 25-Jährige, dass es weder ihre Figur, noch ihre Gesichtsform ist, die sie ausmacht. Sie kann lachen, Treppen steigen, Auto fahren, Freunde treffen, alleine duschen, arbeiten, schreiben und singen. Melissa kann leben. Plötzlich sind es die kleinen Dinge, die die 25-Jährige in ihrem Leben zu schätzen weiß, Dinge fernab von Äußerlichkeiten, die sie einzigartig machen. Ihr Gesicht wurde gebrochen, doch ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Ein perfektes Aussehen ist nicht das, was einen Menschen liebenswert macht. Es sind die inneren Werte, die zählen.

Almost a year to the day since face surgery. Grateful is an understatement.

Posted by Melissa Faulkner on Samstag, 1. August 2015

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